Bauernprotest wegen Schutzgebiet Vertrauenspflege

Alles andere als konfliktfrei: die Behördenvertreter Simon Putzhammer und Thomas Eberherr (vorne von links) im Gespräch mit Landwirten.

(Foto: Robert Haas)

Nachdem Landwirte vor einem Jahr die Ausweisung eines Schutzgebiets im Erdinger Niedermoor blockierten, suchen die Behörden jetzt den Ausgleich. Ein Termin bei Ismaning lässt eine Einigung näherrücken.

Von Irmengard Gnau, Ismaning

Wenn etwa 40 Landwirte mitten in der Erntezeit ihre Felder verlassen und zu einem Ortstermin zusammenkommen, muss dieser wichtig sein. Eine gewisse Anspannung war denn auch den Vertretern der Regierung von Oberbayern anzumerken, als sie am Dienstagvormittag am Goldachhof bei Ismaning vor die Runde traten.

Ismaning war zuletzt kein ganz leichtes Pflaster für Thomas Eberherr, der als Leiter des Sachgebiets Naturschutz bei der Behörde verantwortlich ist für die Umsetzung eines Fauna-Flora-Habitat-Gebiets in den Gräben und Niedermoorresten im Erdinger Moos. Vor knapp einem Jahr stand man schon einmal an dieser Stelle, damals blockierten die entrüsteten Landwirte das weitere Vorgehen, weil sie sich von der Behörde nicht einbezogen fühlten. Eberherr und seine Kollegen bemühten sich also, Vertrauensarbeit zu leisten.

Die kalkreichen Niedermoorreste und die Gräben nördlich des Ismaninger Speichersees sind ein besonderes Gebiet, sie beherbergen Tier- und Pflanzenarten, die in diesen Breiten heute selten sind und deshalb als schützenswert gelten, unter anderem die Helm-Azurjungfer, eine Libellenart. Deshalb wurde ein Areal von etwa 111 Hektar Fläche bereits 2004 in das europaweite Naturschutzprogramm Natura 2000 aufgenommen und zum FFH-Gebiet erklärt. Wie die schützenswerten Arten und Lebensräume auch in Zukunft erhalten bleiben können, beziehungsweise welche Auswirkungen der FFH-Status für diejenigen hat, die das Gebiet bewirtschaften, hält die Regierung von Oberbayern in einem sogenannten Managementplan fest. Den aber betrachten die Ismaninger Landwirte mit großem Misstrauen.

Wir sind nicht gegen Naturschutz, aber . . .

Man sei in keinem Fall gegen den Naturschutz, betont Hans Lupperger, Vorsitzender des Landschaftsvereins und einer der Sprecher der Bauern: "Wir sind uns der Verantwortung für die Natur bewusst. Aber wir wollen in die Planungen eingebunden werden." In der Vergangenheit habe man schlechte Erfahrungen gemacht, insbesondere die Kommunikation mit der Unteren Naturschutzbehörde war aus Sicht der Landwirte gestört. Nachdem die Ismaninger im Verlauf der Debatte Zweifel geäußert hatten, dass die Daten, auf die sich die Regierung bezieht, auch noch aktuell sind - ob es also all die schützenswerten Arten auf Ismaninger Flur überhaupt noch gibt - lässt die Behörde das Gebiet gerade vom Büro Schober aus Freising neu kartieren. Der Ortstermin am Goldachhof bot Gelegenheit, in diese Arbeit und die ersten Ergebnisse Einblick zu nehmen.

Diese Handreichung allein mochte die Landwirte noch nicht besänftigen. Sie fürchten, durch die Vorgaben für das FFH-Gebiet könnten Nachteile für benachbarte Felder entstehen, zum Beispiel durch eine Verwässerung bestimmter Flächen die angrenzenden Wege nicht mehr mit landwirtschaftlichem Gerät befahrbar werden. Außerdem äußerten mehrere die Sorge, dass heutige lockere Vorgaben in Zukunft einfach verschärft würden und so die Bewirtschaftung erschwerten. Nicht zuletzt geht es um einen befürchteten Wertverlust von Grundstücken.

Dabei, so das Argument, seien die Bauern in Ismaning sowieso sehr auf eine intakte Natur bedacht. "Wir Landwirte haben die Flächen hier jahrzehntelang gepflegt. Wir wollen jetzt nicht dafür bestraft werden, indem uns etwas aufdiktiert wird", fasste Josef Frey die Stimmung vieler zusammen. Das sei nicht zu befürchten, versicherte Eberherr. Die im Managementplan festgelegten Vorgaben sind nur für Behörden verpflichtend, für Grundstückseigentümer und -nutzer sind sie jedoch freiwillig. Für sie besteht lediglich ein Verschlechterungsverbot.

In Oberbayern gibt es insgesamt 148 FFH-Gebiete, für die Hälfte sind die Managementpläne bereits fertig. "Und wir haben noch nie keine Lösung gefunden", sagt Eberherr. Man werde die Formulierungen für den Ismaninger Plan gemeinsam erarbeiten, verspricht er: "Wir wollen ein Ergebnis, mit dem beide Seiten gut leben können." Bis Anfang 2019 soll die Kartierung abgeschlossen und ein Planentwurf fertig sein. "Den Entwurf bekommen Sie zu sehen, bevor alles endgültig ist", sagte Eberherr zu. In kleinerer Runde will man dann mit den Landwirten diskutieren und konkrete Formulierungen festgelegen.