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Landschaftspark Hachinger Tal:Die CSU geht auch in Unterhaching baden

Der Landschaftspark soll nicht noch stärker für Freizeitaktivitäten genutzt werden als bisher.

(Foto: Claus Schunk)

Der Vorstoß für eine Weiterentwicklung des Areals fällt wie in der Nachbargemeinde Neubiberg durch. Gegen den von der eigenen Bürgermeisterkandidatin propagierten See stimmen sogar die Christsozialen selbst.

Der Landschaftspark Hachinger Tal bleibt so, wie er ist. Der Unterhachinger Gemeinderat hat am Dienstagabend gegen die Stimmen der CSU eine Weiterentwicklung und Nutzungsänderung abgelehnt. Gemeinsam mit den Parteikollegen in Neubiberg hatte die CSU im Sommer den Vorstoß gemacht, das Areal auf dem ehemaligen Flugplatz mittels neuer Nutzungsideen als Naherholungsgebiet aufzuwerten. "Herzstück" sollte ein Badesee oder Schwimmteich sein, hieß es in der Begründung des Antrags. Doch davon wollte selbst die Unterhachinger CSU-Fraktion plötzlich nichts mehr wissen.

Die Idee mit dem Badesee, die vor allem die nicht im Gemeinderat vertretene und auch nicht anwesende CSU-Bürgermeisterkandidatin Renate Fichtinger als Kernstück der Weiterentwicklung des Landschaftsparks propagiert hatte, stieß in der Gemeinde teilweise auf große Empörung. Schließlich zählt ein Teil der Flächen des etwa 126 Hektar großen Geländes zum landesweiten Biotopenschutzverbund. Seit Oktober sind die artenreichen Wiesen östlich der Autobahn gesetzlich geschützt.

Der Neubiberger Gemeinderat hatte bereits im September die CSU-Pläne mit einer knappen Mehrheit zurückgewiesen. Der dortige CSU-Bürgermeisterkandidat Thomas Pardeller wollte das Thema allerdings nicht ganz aufgeben, sondern abwarten, wie die Unterhachinger dazu stehen. Auf einer vom Neubiberger CSU-Ortsverband veröffentlichten Visualisierung der Idee war der See gar auf dem Gebiet der Nachbargemeinde eingezeichnet.

Die verkehrlichen Auswirkungen wären ein große Problem

Dort reagierte die Verwaltung nun mit einer umfangreichen Erläuterung, was ein Umbau des Landschaftsparks bedeuten würde. Bauamtsleiter Stefan Lauszat verwies auf die 250 verschiedenen Pflanzenarten, 150 Vogelarten und 62 verschiedenen Tagfalter. "Den Himmelblauen Bläuling kann man im Landschaftspark tatsächlich noch sehen", sagte er. Das 1992 beschlossene Konzept für das Areal habe zum Ziel gehabt, der Natur etwas zurückzugeben und zugleich den Menschen Naherholung zu ermöglichen. Es sei immer darum gegangen, das richtige Gleichgewicht herzustellen, so Lauszat. "Die Anlage eines Sees wäre eine Abkehr vom bisherigen Planungskonzept", sagte er und erläuterte die Konsequenzen. So könne man nicht so viel Grundwasser, das sich zudem in 13 bis 15 Meter Tiefe befinde, für einen solchen Badeteich abziehen, das Wasser aus dem Hachinger Bach reiche auch nicht. Vor allem die verkehrlichen Auswirkungen sieht man im Unterhachinger Rathaus als großes Problem an. "Dass alle Leute mit dem Rad kommen, entspricht nicht der Realität", sagte Lauszat.

Zudem seien Wasserreinigung, Sauberhaltung, Toiletten, Abwasser- und Stromversorgung erforderlich. Nicht zu unterschätzen sei auch die Altlastenuntersuchung aufgrund der Vornutzung als Militärflughafen. "Wir müssten tief graben und mit alter Munition rechnen", so Lauszat. Zudem gab er zu bedenken, dass die Gemeinde für ein Naturbad die Betriebsaufsicht, die Verkehrssicherheitspflicht sowie eine Wasseraufsicht übernehmen müsste. 3,9 Millionen Euro hat Unterhaching bislang in den Landschaftspark investiert, die jährlichen Unterhaltskosten belaufen sich auf 120 000 Euro.

CSU spricht von Unterstellungen

Mit diesen Erläuterungen hatte die Verwaltung dem Großteil des Gemeinderats aus dem Herzen gesprochen. "Es war immer Konsens aller Fraktionen, den Landschaftspark nicht anzutasten", sagte Claudia Köhler von den Grünen. Sie halte es für dringend geboten, die wertvolle Flora und Fauna, die sich dort in 20 Jahren entwickelt habe, zu erhalten. Konkreten Ideen bestimmter Nutzergruppen wie den Skatern und Beachvolleyballern seien die Grünen aufgeschlossen gegenüber, sofern sie dem Schutz nicht entgegenstünden. Die SPD-Fraktion findet, die "CSU-Basis, die jetzt ins Rathaus drängt" habe das Prinzip der Nachhaltigkeit nicht verstanden. "Was wäre das für eine Schande, dieses Schmuckstück zu zerstören", sagte Fraktionsvorsitzende Waltraud Rensch.

Die CSU hingegen versuchte die ganze Sache kleinzureden. Das Thema Badesee sei in keinster Weise relevant, meinte Franz Felzmann, von einem "Herzstück" spricht er nicht mehr, "maximal" sei das Gewässer im nördlichen Eck bei Neubiberg denkbar gewesen. Auch Korbinian Rausch fand, die Diskussion zeige, "wie Anträge interpretiert werden können". Felzmann sprach von "Unterstellungen" und "Verdächtigungen". Der CSU sei es allein um die Weiterentwicklung des Landschaftsparks gegangen, etwa um die Einrichtung von Toiletten oder die Pflanzung Schatten spendender Bäume. Am Ende bestand die CSU darauf, die drei Punkte ihres Antrags getrennt abzustimmen und sprach sich gegen einen See aus.

© SZ vom 21.11.2019
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