Landschaftsarchitektur:Breite Wege durch die Sphären

Landschaftsarchitektur: Bauleiter Roland Großberger und Planer Klaus Schroll (von links) erläutern die Pläne.

Bauleiter Roland Großberger und Planer Klaus Schroll (von links) erläutern die Pläne.

(Foto: Sophia Schreib/Kirchheim 2024 GmbH)

Nicht alle Planungen für die Landesgartenschau in Kirchheim kommen bei Naturschützern gut an.

Von Wolfgang Krause

Wildnis, Wald, Wiese - der Park für die Landesgartenschau 2024 in Kirchheim soll in Sphären unterteilt werden, deren Namen fast alle mit W anfangen und mehr oder weniger nach Natur klingen. Zunächst aber sollen auf dem Gelände Flächen gerodet werden, etwa um Wege anzulegen. Weil das bei Naturschützern erwartungsgemäß nicht gut ankommt, hat die Gartenschau-Gesellschaft Kirchheim 2024 GmbH im Vorfeld Vertreter von Landesbund für Vogelschutz, Bund Naturschutz und der Initiative IG Wall zu einer Begehung eingeladen. Dabei wurden die Bedenken nur teilweise ausgeräumt.

Schon im Herbst hat die Kirchheim 2024 GmbH nach eigenen Angaben einen intensiven Austausch mit den Naturschützern gestartet, um sie direkt in die Planungen einzubeziehen. Bei dem Ortstermin mit dem für den Siegerentwurf verantwortlichen Planungsbüro Sinai ging es konkret um die Wegachsen in den Sphären Wald und Wildnis. Die Planer und die Gemeinde legen dabei nach Angaben der Kirchheim 2024 GmbH großen Wert darauf, möglichst viele Bäume zu erhalten. Jeder Baum, der in der Sphäre Wald für die Wegachse in Nord-Süd-Richtung gerodet werden müsse, werde vorab auf Baumhöhlen und Fledermausquartiere untersucht. "Grundsätzlich ist es wünschenswert, dass alle Bäume mit Höhlen stehen bleiben", wird der für die ökologische Begleitung zuständige Albert Lang in einer Pressemitteilung zitiert. "Wo das nicht möglich ist, wird pro belegter Baumhöhle ein Ausgleich von zwei Nistkästen geschaffen." Für Fledermausquartiere sei ein Ausgleich von fünf Nistkästen nachzuweisen. In der Sphäre Wildnis, die westlich des Rathauses entsteht, sollen einzelne Lichtungen zu Spiel- und Lerninseln werden. "Uns geht es darum, die Bestandsfläche an bestimmten Punkten erlebbar zu machen - aber nicht überall begehbar", so Kirchheim-2024-Geschäftsführer Maximilian Heyland. Der Entwurf der Landschaftsarchitekten des Büros Sinai sehe den größtmöglichen Erhalt des Wäldchens ausdrücklich vor. "Für die Jury war das damals ein wichtiges Kriterium für die Wahl dieses Architekturbüros", betont Heyland. In der Mehrheit der 21 Entwürfe wäre dieser Bereich nach seiner Aussage nicht erhalten worden.

"Der Entwurf von Sinai, der von allen bejubelt wurde, ist mit der Natur sparsamer umgegangen als das, was jetzt rausgekommen ist", sagt allerdings Constanze Friemert, die für die IG Wall an der Begehung teilgenommen hat. Friemert stören vor allem die zwei mit Seitenstreifen jeweils acht Meter breiten Fahrradwege, die durch den Park führen sollen. Die IG-Wall-Vorsitzende erkennt aber an, dass die Planer bereit sind, für die geplanten Lichtungen vorhandene Freiflächen zu nutzen und sagt über den Ortstermin: "Es war auf jeden Fall konstruktiv."

Der Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Aschheim-Feldkirchen-Kirchheim, Norbert Steinmeier, zeigt Verständnis dafür, dass ein Ausgleich zwischen Naherholung, sanftem Verkehr und Naturschutz geschaffen werden muss. Deshalb kann er mit dem Radweg leben und bewertet es als positiv, dass ein neuer Park angelegt wird. Steinmeier hat auch den Eindruck, dass auf die gewachsene Natur Rücksicht genommen wird: "Die geben sich relativ viel Mühe." Ihm ist vor allem wichtig, dass das Moos im Norden von Kirchheim, das für den Artenschutz bedeutsamer ist, nicht angetastet wird.

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