LandratswahlChristoph Göbel trifft in der Stichwahl auf Marion Seitz

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Treten in zwei Wochen nochmal an:  Christoph Göbel von der CSU und Marion Seitz von den Grünen sind in der Stichwahl.
Treten in zwei Wochen nochmal an:  Christoph Göbel von der CSU und Marion Seitz von den Grünen sind in der Stichwahl. Claus Schunk

Erneut gibt es ein schwarz-grünes Duell um den Chefposten im Landratsamt. Während der Amtsinhaber von der CSU als klarer Favorit ins Finale geht, bleiben die Kandidaten von SPD und Freien Wählern hinter den Erwartungen zurück.

Von Irmengard Gnau und Iris Hilberth

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Der CSU-Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel muss in die Stichwahl gegen die Grünen-Kandidatin Marion Seitz. Nach der Auszählung der Stimmen in 522 von 524 Gebieten in den 29 Städten und Gemeinden liegt Göbel mit 46,2 Prozent zwar deutlich vorn. Für einen Durchmarsch im ersten Wahlgang reichte es dann aber doch nicht. In 14 Tagen wird noch einmal abgestimmt, im Finale gegen Göbel tritt die mit 20,9 Prozent Zweitplatzierte Seitz doch mit einem guten Rückenwind an.  Der SPD-Kandidat Wolfgang Panzer kam auf lediglich 12,7 Prozent, Nikolaus Kraus von den Freien Wähler holte 7,8 Prozent, Gerold Otten (AfD) 8,0 Prozent und Katharina Diem (FDP) 4,4 Prozent.

Vielleicht hätte Christoph Göbel hören sollen, was seine Frau Ochmaa den Besucherinnen dieses Wahlabends im Landratsamt zurief, als sie den Raum betrat, in dem alle gespannt die eintrudelnden Ergebnisse auf den Bildschirmen verfolgten. „Heute ist Weltfrauentag. Wir feiern uns Frauen“, so Ochmaa Göbel. Und tatsächlich bekommt ihr Mann es diesmal im Finale in zwei Wochen mit einer Gegenkandidatin zu tun.

Zwar gilt Christoph Göbel (CSU) als beliebt und viele gehen davon aus, dass der Amtsträger fest im Sattel sitzt. Doch allein die Vielzahl der Bewerber um diesen Chefposten im Landratsamt hatte einen zweiten Wahlgang von Anfang an wahrscheinlich gemacht. Für Göbel, der eine dritte Amtszeit anstrebt, ist diese Situation nichts Neues. 2014 entschieden die Wähler in der Stichwahl zwischen ihm in der SPD-Kandidatin Annette Ganssmüller-Maluche, vor sechs Jahren mussten sich die Wähler und Wählerinnen im zweiten Wahlgang zwischen ihm und dem Grünen Christoph Nadler entscheiden.

Göbel hatte sich bereits auf einen zweiten Wahlgang eingestellt

„Ich war darauf vorbereitet, dass es eine Stichwahl zwischen mir und Marion Seitz geben würde“, sagte Göbel denn auch nach Bekanntgabe der Ergebnisse. „Das spiegelt einfach die Mehrheitsverhältnisse im Landkreis München wider.“ Dass er mit gut 46 Prozent der Stimmen gegenüber der vergangenen Landratswahl etwas zugelegt hat, freue ihn, sagte der 51-Jährige. „Das ist ein schöner Etappensieg, aber mehr noch nicht.“

Seitz hingegen zeigte sich überrascht, wie klar sich ihre Teilnahme an der Stichwahl von Anfang an abzeichnete. Die starken Ergebnisse, die die Grünen in vielen Kommunen des Landkreises einfahren konnten, schlugen sich auch bei der Landratswahl nieder.  „Ich freue mich sehr über dieses tolle Ergebnis. Am Anfang des Abends habe ich gesagt, 15 Prozent wären schön“, sagte die 45-Jährige aus Aschheim. Sie habe im Wahlkampf sehr viel Zuversicht unter den Menschen im Landkreis erlebt, sagte Seitz. Das will die Grüne nun auch für die Stichwahl aktivieren.

Lange Gesichter hingegen bei der SPD. Unter den Sozialdemokraten hatten sich die Stimmen gemehrt, doch mal einen der amtierenden Bürgermeister ins Rennen zu schicken. Schließlich war man damit auch schon einmal mit Johanna Rumschöttel 2008 erfolgreich gewesen. Doch wollte bislang keiner der amtierenden SPD-Rathauschefs so wirklich seinen Job mit dem am Münchner Mariahilfplatz tauschen. Diesmal also hatte es Wolfgang Panzer aus Unterhaching doch gewagt, auch weil er nach 18 Jahren im Bürgermeisteramt nicht ein weiteres Mal für den Job in seiner Heimatgemeinde kandidieren wollte.

Die Stichwahl hatte sich Panzer schon zum Ziel gesetzt. „Aber ehrlich gesagt, ist das das Ergebnis, das zu erwarten war“, sagte er. Ihm sei auch klar gewesen, dass er gegen den amtierenden Göbel kaum eine Chance gehabt hätte. „Auf jeden Fall bin ich noch vor der AfD, das ist wichtig“, so Panzer. Er hoffe, dass im Kreistag die Fraktionsstärke der SPD erhalten bleibe. „Wir müssen die Fahne der SPD einfach hochhalten.“ Göbel sagte zum Abschneiden seines Herausforderers aus Unterhaching: „Das ist leider der Trend bei der SPD. Das ist eine Katastrophe.“ Immerhin sei die Partei mit einem bekannten Bürgermeister aus der zweitgrößten Kommune des Landkreises angetreten.

Freie Wähler-Kandidat Nikolaus Kraus gab sich mit seinem Ergebnis von 7,8 Prozent zufrieden. Inwieweit sich die internen Querelen bei den Freien Wählern im Landkreis, die zur Abspaltung und Neugründung der „Unabhängigen Bürgergemeinschaft München-Land“ geführt haben, auf die Stimmvergabe bei der Kreistagswahl auswirken, bleibt noch abzuwarten, bis alle Stimmen ausgezählt sind. Die Trennung sei aber in jedem Fall „unglücklich gelaufen“, sagte Kraus.

Für die Stichwahl wünscht sich Göbel, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger tatsächlich noch mal zur Stimmabgabe gehen. Denn erfahrungsgemäß lässt die Beteiligung bei einer Stichwahl meist nach. „Und dann kann da ein Ergebnis herauskommen, als hätte man gewürfelt“, so Göbel. Der amtierende Landrat spricht sich dafür aus, den Wahlberechtigten die Unterlagen automatisch nach Hause zu schicken, wie das vor sechs Jahren während der Corona-Pandemie der Fall war. Damals gab es eine ungewöhnlich hohe Beteiligung in den Stichwahlen.

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