Schulbeginn im Landkreis:Tag der Tüten und Tränen

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Auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt machen sich am Dienstag wieder viele tausend Erstklässler. (Foto: dpa)

Für 3708 Erstklässler beginnt am Dienstag der Ernst des Lebens. Auch 170 Lehrer sind neu an den Grundschulen im Landkreis.

Von Kevin Rodgers, Landkreis

Auch wenn es das Wetter noch nicht vermuten lässt: Die Sommerferien neigen sich dem Ende entgegen. Für viele Familien im Landkreis ist dieser Dienstag ein ganz besonderer Tag. Nicht nur, weil die Schule wieder beginnt, sondern auch weil viele Kinder zum ersten Mal in die Schule gehen.

Bepackt mit Ranzen und Schultüte geht es auf den Weg zur Grundschule. Insgesamt werden im Landkreis München laut Schulamt an diesem Dienstag 3708 Erstklässler eingeschult. "Das sind 54 mehr als im Vorjahr", erklärt Schulamtsdirektorin Evelyn Sehling-Gebranzig. Für den ersten Jahrgang würden heuer 158 Klassen eingerichtet, drei mehr als im vorigen Jahr. Für Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen, insbesondere Flüchtlinge, gibt es acht sogenannte Übergangsklassen. Auch kommen 170 neue Lehrkräfte an die Schulen im Landkreis.

Derweil laufen in den letzten Tagen der Sommerferien die Vorbereitungen für den Unterricht an allen Grundschulen auf Hochtouren. "Es gibt richtig viel zu tun", sagt Ute Weiß, die Rektorin der Berglwaldschule in Oberschleißheim. "Zunächst einmal müssen wir die neuen Lehrkräfte einweisen. Hinzu kommen viele Lehramtsanwärter, die wir besonders betreuen müssen." Außerdem müssen Räume und Material für die ersten Stunden hergerichtet werden, damit der Start ins neue Schuljahr reibungslos verläuft. "Ganz wichtig sind auch die Stundenpläne. Ohne die geht es schließlich nicht."

80 Kinder erleben in Sauerlach ihren ersten Schultag

Auch an der Friedrich-von-Aychsteter-Grundschule in Sauerlach werden die letzten Vorbereitungen für den ersten Schultag getroffen. Vier erste Klassen mit etwa 80 Schülern werden am Dienstag zum ersten Mal die Schulbank drücken. Damit die Jungen und Mädchen nicht gleich ins kalte Wasser geworfen werden, gibt es in der Grundschule immer eine Schulaufnahmefeier. Im Gegensatz zu den zweiten bis vierten Klassen muss noch niemand gleich zur ersten Stunde erscheinen, die Feier beginnt erst um 9 Uhr. "Die größeren Klassen singen für die Erstklässler ein Lied, um sie bei uns in der Schule willkommen zu heißen", erklärt Rektorin Astrid Waindinger. Auch Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner wird kommen, um den neuen Schülern ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Einen Tipp für die größeren Schüler hat die Rathauschefin auch parat. "Genießt den Weg zur Schule. Denn dort findet man häufig seine Freunde fürs Leben."

Nach dem offiziellen Teil wird es in allen Grundschulen so richtig spannend. Dann nämlich versammeln sich die Schüler zum ersten Mal um ihre Klassenlehrer, um zusammen in ihr neues Klassenzimmer zu laufen. Unterrichtet wird am Dienstag allerdings noch nicht. Der erste Schultag ist einfach dazu da, sich kennenzulernen und die Aufregung ein wenig verfliegen zu lassen. Denn auch für viele Lehrer ist es der erste Tag, und selbst die alten Hasen sind immer wieder aufgeregt.

Noch ist das Programm für den besonderen Tag geheim

In der Berglwaldschule in Oberschleißheim wird es am ersten Tag noch gemütlich zugehen. Zwei Klassen mit 35 Schülern werden am Dienstag eingeschult, darunter eine gebundene Ganztagsklasse mit 15 Schülern. Was in der allerersten Stunde geschieht, verrät Rektorin Ute Weiß jedoch nicht. "Es ist für uns alle ein ganz besonderer Tag und insofern ist das Programm für Dienstag geheim und eine Überraschung."

In der Mensa gibt es derweil Kaffee und Kuchen für die Eltern. "Die meisten Mamas und Papas sind ja fast genauso aufgeregt wie die Erstklässler", hat Weiß festgestellt. Gelegentlich gebe es sogar ein paar Tränen. Nicht aus Traurigkeit, sondern aus Stolz auf den Nachwuchs, der langsam flügge wird. "Wir geben ihnen dann einige wichtige Informationen mit auf den Weg und die Eltern haben Gelegenheit, untereinander ins Gespräch zu kommen und ein bisschen zu ratschen."

Trotz aller Freude ist der Schulanfang für viele Eltern auch eine große finanzielle Belastung. Gerade Bücher und Materialien gehen schnell ins Geld. Deshalb finanzieren die Gemeinden im Landkreis den Sozialhilfeempfängern eine Starthilfe in unterschiedlicher Höhe. So gibt es in Neubiberg die "Aktion Schultüte", die bedürftige Familien auf Antrag mit 50 Euro unterstützt. In Ottobrunn bekommen bedürftige Familien bei Vorlage einer Schulbescheinigung sogar 200 Euro für Bücher und Hefte - und natürlich eine anständige Schultüte.

Der erste Schultag wird überall schon um 11 Uhr wieder vorbei sein. Am Mittwoch fängt der Ernst des Lebens dann richtig an. Ohne Schultüte, dafür mit gepacktem Schulranzen, in dem aber hoffentlich noch die ein oder andere Süßigkeit aus der Schultüte Platz findet.

© SZ vom 12.09.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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