Umwelt und Natur im Landkreis MünchenDer Wald als wilde Müllkippe

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Dieses Schrottauto haben Unbekannte im Perlacher Forst abgestellt, ein krasser Fall von Vermüllung, aber bei weitem nicht der einzige.
Dieses Schrottauto haben Unbekannte im Perlacher Forst abgestellt, ein krasser Fall von Vermüllung, aber bei weitem nicht der einzige. (Foto: Nathalie Kolb/Bayerische Staatsforsten)
  • Im Perlacher Forst werden illegal Hausmüll, alte Möbel und sogar Schrottautos entsorgt, besonders rund um Wandererparkplätze.
  • Der Abfall gefährdet den Wald durch giftige Stoffe und invasive Pflanzenarten aus Gartenabfällen.
  • Illegale Müllentsorgung im Wald kann in Bayern mit einem Bußgeld von bis zu 100 000 Euro bestraft werden.
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Besonders rund um die Wandererparkplätze finden sich Haus- und Gartenabfälle, alte Möbel und sogar Schrottautos. Das ist nicht nur hässlich, sondern auch eine Gefahr für den Wald und seine Bewohner.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Das Auto, das Korbinian Staufer die Zornesfalten ins Gesicht treibt, ist ganz offensichtlich nicht mehr fahrtüchtig. Die Stoßstange samt Aufhängung ist auseinandergebrochen und hängt lose herab, mehrere Scheiben fehlen, und auf die Seite hat jemand mit Filzstift den Namen „Simon“ geschmiert. Jenes kennzeichenlose Schrottfahrzeug steht auf dem Pendlerparkplatz Taufkirchen-West im Perlacher Forst – mitten im Revier von Förster Korbinian Staufer, der dort regelmäßig illegale Müllablagerungen findet.

„Das reicht von Möbeln bis zu alten Autos, außerdem Elektroschrott, Gartenabfälle, Kleinmüll und Gummihandschuhe. Es gibt fast nichts, was dort nicht hingeworfen wird“, sagt der Förster. „Und wenn die Sachen weggeräumt sind, dann dauert es oft keine zwei Wochen, bis wieder neuer Müll daliegt. Das macht es extrem frustrierend.“ Zumal das Abfallproblem im Wald in den vergangenen Jahren stetig größer geworden sei, berichtet Nathalie Kolb von den Bayerischen Staatsforsten. Besonders betroffen seien dabei die Parkplätze, die eigentlich für Erholungsuchende gedacht sind. „Viele legen ihre Sachen direkt dort ab“, sagt Staufer. „Einige schleppen ihre Müllsäcke aber auch hundert Meter in den Wald und werfen sie dort weg.“

Förster Korbinian Staufer findet regelmäßig Abfall im Wald, alte Möbel, wie auf diesem Bild, sind dabei nicht einmal selten.
Förster Korbinian Staufer findet regelmäßig Abfall im Wald, alte Möbel, wie auf diesem Bild, sind dabei nicht einmal selten. (Foto: Nathalie Kolb/Bayerische Staatsforsten)

Der Pendlerparkplatz in Taufkirchen ist laut Nathalie Kolb ein „Hotspot“, mutmaßlich wegen dessen Nähe zur Autobahn. Er selbst komme dort etwa einmal pro Woche vorbei, sagt Korbinian Staufer, dessen 2000 Hektar großes Revier im Perlacher Forst von der Münchner Stadtgrenze im Norden bis zur Wörnbrunner Straße in Grünwald im Süden reicht. Und regelmäßig wird der Förster dabei von illegalen Hinterlassenschaften überrascht – ausrangierte Sofas, Kühlschränke, Autoreifen und sonstiger Abfall. Für den Wald sei all dies in mehrfacher Hinsicht ein Problem, betont Staufer. So könnten aus alten Elektrogeräten, Bauschutt oder Autobatterien giftige Stoffe austreten, die in den Boden oder gar bis ins Grundwasser eindringen. Überdies stelle derlei Müll auch für die Tiere im Wald eine Gefahr dar, erklärt Staufer.

Und dann sei da noch die Sache mit den Gartenabfällen, die oft leichtsinnig im Forst entsorgt würden. Hier drohe die Einschleppung von Insekten, Pilzen und invasiven Pflanzenarten. Als Beispiel nennt der Förster die Goldrute und den Staudenknöterich, die vermutlich über heimische Gärten in den Wald gelangt seien, wo sie sich inzwischen etabliert und heimische Arten verdrängt hätten. „Viele Menschen denken, dass man Gartenabfälle im Wald entsorgen darf“, sagt Korbinian Staufer. Dabei handelt es sich hierbei ebenso um eine Ordnungswidrigkeit wie andere illegale Müllablagerungen. In Bayern kann dies mit einem Bußgeld von bis zu 100 000 Euro bestraft werden. Die genaue Höhe hängt von der Menge und der Art der Abfälle ab.

Trotz drohender Strafen nehmen diese Vergehen im Perlacher Forst seit einiger Zeit stetig zu. „Ich denke, dass eine Kombination aus Unwissenheit und Faulheit dafür verantwortlich ist“, sagt Staufer. Nathalie Kolb vermutet, dass es gerade bei illegal entsorgten Gartenabfällen viele Nachahmungstaten gebe: „Die Leute sehen, dass das jemand macht, und machen es dann auch.“

Dabei sei hier eigentlich Zivilcourage gefragt, findet Staufer. „Ich will niemanden aufrufen, den Sheriff zu spielen. Aber wenn man jemanden sieht, der am helllichten Tag seine Gartenabfälle in den Wald wirft, dann darf man den ruhig einmal ansprechen.“ Ansonsten könne man auch die Polizei informieren. „Es sind ja viele Spaziergänger und Hundehalter im Forst unterwegs“, sagt Korbinian Staufer. „Was wir brauchen, ist eine gemeinschaftliche Aufmerksamkeit.“

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