bedeckt München
vgwortpixel

Mobilität:An einem Strang ziehen

Die S 7 in Richtung Kreuzstraße ist für viele Pendler ein echtes Ärgernis.

(Foto: Claus Schunk)

Der Landkreis plant eine Machbarkeitsstudie zum zweigleisigen Ausbau der S7 und setzt den Freistaat unter Druck.

Der Landkreis München wird wieder einmal eine Aufgabe übernehmen, die eigentlich ureigenste Pflicht des Freistaates ist. Der Mobilitätsausschuss des Kreistags hat nun entschieden, ein Ausschreibungsverfahren auf den Weg zu bringen, mit dem eine Machbarkeitsstudie zum zweigleisigen Ausbau der S7 im Osten des Landkreises erstellt werden soll. Damit folgte das Gremium einem entsprechenden interfraktionellen Antrag aller im Kreistag vertretenen Parteien. Vor zwei Jahren hatten sowohl der Freistaat als auch die Landeshauptstadt München bereits signalisiert, dass sie nicht bereit sind, sich an der Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie zu beteiligen; an dieser Haltung hat sich laut Aussage von Landrat Christoph Göbel (CSU) nichts geändert.

Daher sei es jetzt an der Zeit, dass der Kreistag selbst "den Stein ins Rollen" bringe, sagte CSU-Fraktionssprecher und Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle. "Hauptsache, diese Machbarkeitsstudie kommt." Landrat Göbel sagte, alle im Kreistag hätten sich gewünscht, dieses Thema eigentlich gar nicht behandeln zu müssen - aber der Freistaat sei seiner Aufgabe, eine solche Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen und auch zu finanzieren, bisher nicht nachgekommen.

Viele hoffen auf die Einsicht des Freistaats

"Wir müssen uns aber der Frage stellen: Wie kann der Ausbau vorangetrieben werden?", sagte der Landrat. "Ich möchte dabei auch die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich der Freistaat doch noch daran beteiligt. Wir sind da nicht völlig chancenlos." Manchmal komme ja die Einsicht, wenn auch von unten Druck aufgebaut werde, sagte Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD).

Geringerer Takt, keine Verdichtung

Die Rückkehr zum Zehn-Minuten-Takt auf den Außenast der S 3 in Richtung Holzkirchen wird sich weiter verzögern. Landrat Christoph Göbel (CSU) teilte nun im Mobilitätsausschuss des Kreistags mit, die Deutsche Bahn habe ihn darüber informiert, dass die "Wiederherstellung der Taktverdichtung" erst am 7. Januar und nicht wie ursprünglich avisiert zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember erfolgen wird.

Vor allem der Begriff Taktverdichtung empörte Oberhachings Bürgermeister und Kreisrat Stefan Schelle (CSU). "Die Züge, die ausfallen, sind keine Taktverdichter, sondern regulär bestellte Züge, die auch fahren müssen", sagte Schelle im Ausschuss. Es dürfe hier nicht der Eindruck entstehen, dass von Januar an wieder "gnadenhalber" mehr Züge fahren würden, sagte Schelle. "Es ist schlichtweg eine Sauerei, dass 50 Prozent aller Züge in Deisenhofen ausfallen", so der CSU-Fraktionschef weiter. "Die Leute stehen nur noch in den S-Bahnen."

Im September hatte die Deutsche Bahn entschieden, vorübergehend den Zehn-Minuten-Takt auf den Linien S 3 und S 8 einzustellen und nur noch alle 20 Minuten Züge fahren zu lassen. Damals begründete Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn München, diesen Schritt unter anderem mit aktuellen Bauarbeiten auf dem Werksgelände in Steinhausen, längeren Aufenthalten von Zügen im Werk sowie fehlenden Mitarbeitern im Werkstatt-Team. Landrat Göbel erneuerte nun seine Kritik, dass statt der eigentlich von der Münchner S-Bahn versprochenen, tatsächlichen Taktverdichtung weiterhin Züge entfallen. MÜH

Druck hat in den vergangenen Jahren insbesondere auch die Initiative S7 OstPlus erzeugt, deren Sprecherin Nortrud Semmler der Sitzung beiwohnte und das positive Votum der Kreisräte zufrieden zur Kenntnis nahm. Sie setzt sich mit der Initiative vor allem für ein zweites Gleis von Giesing bis zur Haltestelle Kreuzstraße sowie einen Zehn-Minuten-Takt bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn und einen 20-Minuten-Takt bis Kreuzstraße ein.

"Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt."

Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland machte noch einmal deutlich, dass der Druck auf den Freistaat hoch gehalten werden müsse: "Bisher sehen der Freistaat und die Bahn den Ausbau erst nach 2035. Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass das zu lang ist und früher begonnen werden muss." Der Freistaat, sagte Heyland, müsse doch ein Eigeninteresse daran haben, diese Studie zu erstellen. "Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, sonst läuft auch dem Staat die Zeit davon", mahnte Heyland.

Dass die Hoffnung auf ein zweites Gleis nach wie vor besteht, machte Göbel an der Arbeit der Kommunen fest: Viele Gemeinden würden den "Grundstücksvorrat" im Blick haben, den es für einen zweigleisigen Ausbau benötigt. Die kleine Gemeinde Aying, sagte der Landrat, habe bei der Ortsentwicklung berücksichtigt, dass ein Ausbau möglich ist. Wie auch Neubiberg. "Wir haben die Flächen nie aufgegeben", sagte Heyland - und wie Stefan Schell betonte Neubibergs Bürgermeister, wie wichtige es sei, dass alle Gemeinden am S-Bahn-Strang auch "an einem Strang" zögen. "Wir wollen den Prozess beschleunigen und müssen ihn auch beschleunigen", so Heyland.

Kommentar

Der Bund bremst beim U-Bahnausbau

Berlin muss endlich die Realtitäten einer stark wachsenden Region zur Kenntnis nehmen und Förderrichtlinien anpassen. Auch der Freistaat tut zu wenig   Von Martin Mühlfenzl