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Meine Woche:Die Show soll weitergehen

Kinobetreiber Stefan Stefanov.

(Foto: Robert Haas)

Kinobetreiber Stefan Stefanov zeigt Filme, auch wenn er draufzahlt

Von Christina Hertel, Unterschleißheim

Für P.T. Barnum war es die größte Show, wenn Akrobaten durch die Manege wirbelten. Er gründete vor gut 200 Jahren in Amerika einen Zirkus. Es soll der größte gewesen sein, den die Welt bis dahin gesehen hatte. Und für Stefan Stefanov ist es die größte Show, wenn bunte Bilder über die Leinwand laufen. Er eröffnete vor 13 Jahren in Unterschleißheim das Capitol-Kino. Es hat 80 Plätze, die meisten Gäste kommen aus der Nachbarschaft.

Doch weil der Zirkusgründer und der Kinobetreiber im Grunde das gleiche wollen - nämlich Menschen unterhalten - weiß Stefanov schon genau, welchen Film er am Montag, 15. Juni, zeigen will: "The greatest Showman", ein Musical über Barnums Leben, allerdings ein wenig hollywoodtauglich verkitscht. Doch Stefanov sagt, ihm gehe es darum, gute Laune in diesen düsteren Zeiten zu verbreiten und das Kino zu feiern - "endlich".

Seit Mitte März ist das Capitol so wie alle anderen Kinos in Bayern wegen Corona geschlossen. Nächsten Montag darf Stefanov wieder Filme zeigen - doch unter welchen Bedingungen weiß er eine Woche vor der Eröffnung noch nicht. Er hängte Desinfektionsmittelspender auf, brachte Plexiglaswände an der Kasse an. Aber ob die Zuschauer während des Films Masken tragen müssen, ob sie Popcorn essen dürfen und wie viel Abstand sie zu einander halten sollen, ist nicht klar.

Der neue James Bond läuft erst im Herbst an

Erst in den nächsten Tagen verkündet die bayerische Staatsregierung die Regeln - hofft Stefanov zumindest. In Ottobrunn und Haar bleiben die Kinos wegen dieser Ungewissheit erst einmal noch geschlossen. Auch, weil es gerade noch keine neuen Filme gibt, die er zeigen könnte, wie Betreiber Ulrich Dillmann sagt. Denn die Verleiher haben die Kinostarts wegen der Corona-Pandemie verschoben. Der neue James Bond soll zum Beispiel erst im Herbst laufen.

Stefanov macht trotzdem auf - obwohl der Film, den er am Montag zeigt, drei Jahre alt ist. Obwohl er nicht glaubt, dass die 25 Plätze, die er belegen darf, voll werden. Und obwohl sich die Vorstellungen nicht einmal dann rechnen würden. Statt eines Mitarbeiters wie sonst sollen nun zwei beschäftigt sein - zum Lüften, zum Platz einweisen, zum Desinfizieren von Türklinken. Erst 40 verkaufte Tickets könnten diese Personalkosten tragen, hat Stefanov ausgerechnet.

Warum er trotzdem aufmacht? "Weil ich generell lieber etwas mehr zu tun habe, als zu wenig", sagt er. Und weil er die Zeit bis Ende Juli, wenn die ersten großen neuen Filme herauskommen, nutzen will, um sein Hygienekonzept weiter zu optimieren. Denn die Zuschauer, da ist sich Stefanov sicher, werden eines Tages wieder Filme im Kino sehen wollen. Das hätten ihm die vergangenen Wochenenden gezeigt, an denen er Snacks und Gutscheine verkauft habe und manchmal bis zu 50 Leute gekommen seien. Kommenden Sonntag hat er das von 15 bis 18 Uhr wieder vor. Und danach will er sein Kino putzen - damit am Montag alles sauber ist, wenn die ersten Gäste kommen.

© SZ vom 08.06.2020

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