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Öffentliche Grünanlagen:Artenreichtum im Hundeparadies

Im Unterhachinger Landschaftspark bleibt vorerst alles, wie es ist. Ein Zaun wird nicht gebaut und die Hunde können weiter frei laufen. Ob das aber so bleibt, ist ungewiss.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Hundemeile im Unterhachinger Landschaftspark wird zum Ärger der Gassigeher nicht erweitert. Mit ihrem Plan aber hat die örtliche CSU die Naturschutzbehörden auf den Plan gerufen, die sich nun einschalten.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Die Idee, sich für eine Erweiterung der Hundemeile im Landschaftspark einzusetzen, sah für die CSU Unterhaching im Kommunalwahlkampf wie ein gefundenes Fressen aus. Der Plan schien einfach zu realisieren und hätte viele Hundebesitzer glücklich und damit zu Wählern machen können. Doch so einfach war das dann doch nicht. Gut ein Jahr Diskussion um Naturschutz, artgerechte Hundehaltung und die Errichtung von Zäunen später musste der Gemeinderat feststellen, schlafende Hunde geweckt zu haben. Die Untere Naturschutzbehörde jedenfalls war wenig begeistert. Das Fazit der ganzen Aktion kam am Dienstagabend im Bauausschuss erneut auf dem Tisch und lautete: Es soll alles so bleiben, wie es ist. Und damit hatte man schon das Maximum für die Hunde und ihre Halter herausgeholt.

Korbinian Rausch (CSU), der ursprünglich die Erweiterung der Hundemeile beantragt hatte, ist damit wenig zufrieden. Er findet, dass die Bürger das Gefühl haben müssen, "dass bei uns überbürokratisch etwas schief läuft". Um all das zu verstehen, muss man ins Jahr 2008 zurückblicken. Damals hatte der Gemeinderat sich dazu durchgerungen, nordseitig im Landschaftspark neben dem Zaun der Universität der Bundeswehr eine 1,5 Kilometer lange und fünf Meter breite Freilaufstrecke zu schaffen. Denn in allen anderen öffentlichen Grünanlagen gilt Leinenzwang, auch im übrigen Landschaftspark. "Es war ein Kompromiss", erinnert sich Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Der Plan war mit dem Hinweis versehen: Sollte sich zeigen, dass die Hunde mehr Fläche nutzen würden und die angrenzenden Wiesen unverhältnismäßig stark verschmutzt werden, ist Schluss mit Gassigehen ohne Leine.

Wiesen werden von Landwirten als Futterquelle genutzt

Am Anfang hätten sich die meisten Hundehalter an die Vorgaben gehalten, die Disziplin habe jedoch im Laufe der Zeit nachgelassen, hat die Verwaltung festgestellt. "Die Hunde laufen immer weiter in die Grünflächen hinein und graben Löcher", so der Vorwurf. Da die Beliebtheit der Hundemeile zugenommen hat, weil sich unter Herrchen und Frauchen herumgesprochen hat, dass man hier freie Bahn hat, wurde das mehr und mehr zum Problem.

Denn die blüten- und artenreiche Wiese wird von Landwirten als Futter für das Vieh genutzt und Verunreinigung durch Hundekot kann da schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen für die Milchkühe haben. Zudem sind die Bereiche östlich der Autobahn seit 2001 als ökologische Ausgleichsfläche beim Landesamt für Umwelt gemeldet. Laut Gemeindeverwaltung wurde die Hundemeile von den übergeordneten Naturschutzbehörden nur geduldet, auch weil man sich erhofft hatte, dass dadurch die schützenswerten Teile des Areals entlastet würden.

Schließlich sind dort viele seltene Arten beheimatet, etwa die Feldlerche, ein Bodenbrüter, der durch freilaufende Hunde leicht gestört und vertrieben wird. Bis zum Jahr 2017 hatte es bis zu 21 Brutpaare im Landschaftspark gegeben, 2019 nur noch zehn, davon keines mehr nördlich der Landebahn. Die Verwaltung hält einen Zusammenhang mit der intensiven Nutzung des Gebiets als Hundemeile als sehr wahrscheinlich.

Sollte nun die Hundemeile wie gefordert auf 30 bis 40 Meter Breite ausgeweitet werden, würden die Brutstätten besonders geschützter Arten weiter zerstört. Auch würde die Gemeinde Ausgleichsflächen verlieren, die an anderer Stelle gefunden werden müssten. So kam man im vergangenen Sommer auf die Idee mit dem Zaun. Damit könnten den Hundehaltern zusätzliche fünf Meter in der Breite zugestanden werden und die Wiesen blieben geschützt. Die Naturschutzbehörden fanden die Lösung akzeptabel, die Hundebesitzer nicht.

Die Bürgerinitiative sammelte Unterschriften - vor allem von Münchnern

Es formierte sich die Bürgerinitiative "Artgerechte Hundehaltung", die Unterschriften gegen den Zaun sammelte und monierte, dass alle anderen Nutzer im Landschaftspark bessergestellt seien und die Gemeinde die Hundebesitzer benachteilige. 1180 Leute haben unterschrieben, allerdings stammten die meisten laut Verwaltung aus München und nur 39 Prozent aus Unterhaching, Neubiberg und Ottobrunn. "Es ging uns nicht darum, eine Spaziermeile für den ganzen Landkreis zu schaffen, sondern auch um mehr Schutz für den restlichen Landschaftspark. Das war ein Missverständnis", stellte Gemeinderat Stefan König (Grüne) am Dienstag klar und fordert, dass andauernder Regelverstoß der Hundebesitzer unterbunden werden müsse. "Es ist eingerissen, dass man Hunde laufen lässt, wie man will", sagte Gertraud Schubert (Freie Wähler), die sich vor allem über professionelle Hundeausführer beklagte, mit denen der Landschaftspark zum reinen Hundepark werde.

Einstimmig hat sich der Ausschuss nun darauf verständig, keinen Zaun zu errichten. Alles einfach weiter laufen zu lassen wie bisher, kann die Gemeinde aber nicht, da eben jetzt die Naturschutzbehörden eingeschaltet sind. Denen gilt es ein Konzept einer engmaschigen Überwachung vorzulegen und sie davon zu überzeugen, dass Unterhaching die Sache im Griff hat.

© SZ vom 18.03.2021
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