Pflege:Lach mal!

Wenn die Klinikclowns Ferdi und Gretel das Unterföhringer Seniorenzentrum besuchen, wird es lustig und fröhlich - und manchmal etwas melancholisch.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Wenn sich Ferdinande "Ferdi" Suppengrün und Gretel angesagt haben, dann können das die Bewohnerinnen und Bewohner des Unterföhringer Seniorenzentrums kaum erwarten. Seit Mai sind die beiden Clowninnen einmal im Monat für einen Nachmittag zu Gast in dem Pflegeheim - und da wird es nicht nur bunt und lustig, sondern auch liebevoll und zugewandt.

Die meiste Zeit über wird laut gelacht und gesungen, aber so manches Mal müssen sich die beiden fröhlichen Vertreterinnen der Klinikclowns auch ein Tränchen verdrücken, wenn das Trällern eines volkstümlichen Liedes der einen oder anderen alten Dame oder dem freundlichen Herrn das Wasser in die Augen steigen lässt, weil sie die Klänge an längst vergangene und vielleicht bessere Tage erinnern. Als sie noch gesund und mobil waren, in den eigenen vier Wänden wohnten oder der Ehepartner noch am Leben war.

Ferdi, die im echten Leben Martina Schnecke heißt und als Naturwissenschaftlerin in der Weltraumforschung arbeitet, und ihre Kollegin Gretel alias die Staatsschauspielerin Sonja Reichelt, verstehen es bestens, mit dem Anflug von Melancholie bei ihnen selbst und den Besuchten umzugehen. "Manchmal ist es einfach zum Weinen", sagt Schnecke. Dann werden kleine Taschentücher gereicht, die Hand oder die Wange getätschelt und es fließen eben für einen Moment die Tränen. Für gewöhnlich aber sind die beiden Clowninnen für die Erheiterung der Senioren zuständig.

Gemeinsam schmettern sie "Rote Lippen soll man küssen"

An diesem trüben Herbstnachmittag im Unterföhringer Heim gelingt ihnen das, kaum dass sie die Tür zum Zimmer von Hildegard Schäffner öffnen. Die 93-Jährige empfängt die beiden Clowninnen mit einem breiten Lächeln. Ferdi und Gretel machen ihr Komplimente, weil sie so schön gekleidet und geschminkt ist, Frau Schäffner dankt ihnen mit der Bewunderung über ihre farbenfrohen Kostüme. Und schon geht's los mit der Musik. Gemeinsam schmettert das Trio "Rote Lippen soll man küssen", Ferdi ist mit ihrer Ukulele auch noch für die Begleitung zuständig. Von den bekannten Zeilen neugierig geworden, kommt ein älterer Herr mit seinem Rollator auf dem Gang um die Ecke gebogen - und wird von den drei Damen herzlich begrüßt und zum Mitsingen eingeladen. So richtig mag er nicht, aber zum Mitsummen reicht's.

Im nächsten Zimmer, wo ebenfalls eine 93-Jährige wohnt, geht es musikalisch weiter. Ferdi und Gretel schauen sich um, entdecken viele schön gerahmte Fotos der sechs Urenkel - und schon entspinnt sich ein munteres Gespräch über die Kleinen. Der Uroma ist anzusehen, wie stolz sie ist. Zum Schluss zaubert Gretel noch etwas aus ihrem bunten Täschchen: Sechs rote Clownsnasen werden auf die Bilder von den Kindern gesetzt, als Erinnerung für Liselotte Heimerl an die fröhliche Begegnung und natürlich als Geschenk für die fünf Buben und das Mädchen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten haben sich die regelmäßigen Besuche der Klinikclowns, einem eingetragenen Verein mit Sitz in Freising, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen etabliert. Das Unterföhringer Seniorenzentrum ist erst seit ein paar Monaten als Auftrittsort für die Clowninnen dazugekommen - trotz der Corona-Pandemie. Wie wichtig die kurzweiligen Begegnungen für die Bewohner mit den bunt gewandeten Gästen sind, diese Erfahrung hat Einrichtungsleiterin Dorothea Homann gemacht. Die Klinikclowns sorgten für Momente und Erinnerungen, die im Pflegealltag von unschätzbarem Wert seien, sagt Hofmann. Trotz des coronabedingten Abstandhaltens und der Maskenpflicht der Hauptdarstellerinnen sei im ganzen Haus die gute Stimmung zu spüren, wenn die Clowninnen durch die Gänge ziehen. Sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner als auch das Personal seien an solchen Tagen beschwingter als sonst, so Homann.

Wie gut es tut, nach all der beschwerlichen Corona-Zeit wieder fröhlich zu sein, ist sogar Grace anzumerken, Homanns vierjähriger Hündin, die quasi im Unterföhringer Altenzentrum zu Hause ist und von den Senioren als treue Begleiterin geschätzt wird. Sie genießt die Aufmerksamkeit von Ferdi und Gretel sichtlich. Genau wie die beiden ihre.

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