Süddeutsche Zeitung

Treibhausgas-Bericht:Der Klimaschutz soll wieder auf die Agenda

Der Landkreis will die Energiewende in der Corona-Krise nicht aus den Augen verlieren. Der Treibhausgas-Bericht mit Daten aus dem Jahr 2016 zeigt, dass man von den selbst gesteckten Zielen noch weit entfernt ist.

Von Martin Mühlfenzl

Insgesamt acht Autobahnen mit einer Gesamtlänge von nahezu 89 Kilometern durchziehen den Landkreis München - von der Lindauer Autobahn (A 96) im Westen, über die Salzburger (A 8), die Passauer (A 94), die Nürnberger (A 9) bis hin zum Autobahnring A 99, einer der meist befahrenen Trassen Mitteleuropas mit bis zu 160 000 Fahrzeugen pro Tag. Hinzu kommen mehr als 90 Kilometer Bundes-, 142, 6 Kilometer Staats- und mehr als 100 Kilometer an Kreisstraßen. So stellt es keine Überraschung dar, dass der Individualverkehr für den Löwenanteil der Treibhausgas-Emissionen durch den Verkehr im Landkreis verantwortlich ist: Etwa 70 Prozent des Endenergieverbrauchs geht auf Autos und Motorräder zurück, was im Jahr 2016 mehr als 810 000 Tonnen CO₂ entsprach.

Dieser Wert aus dem Jahr 2016 dürfte seitdem noch weiter angestiegen sein. Und wenn an diesem Donnerstag, 18. Juni, um 14 Uhr die Mitglieder des Kreisausschusses für Energie, Landwirtschaft und Umwelt zusammentreten, wird es nicht nur um die vier Jahre alten Zahlen gehen, sondern auch darum, den Blick nach vorne zu richten und die richtigen Maßnahmen einzuleiten, um den CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Grundlage dabei stellt der sogenannte THG-Bericht für den Landkreis München dar, der Aufschluss darüber gibt, wie sich die Emissionen etwa auf unterschiedliche Branchen, Haushalte, aber auch Regionen verteilen. Ziel sei es, sagt Landrat Christoph Göbel (CSU), das Thema Energiewende und die Klimapolitik grundsätzlich wieder in den Vordergrund zu rücken - auch in Corona-Zeiten. Den Namen Greta Thunberg nehme dieser Tage verständlicherweise keiner mehr in den Mund, aber die Klimapolitik müsse wieder mehr berücksichtigt werden; auch und gerade hinsichtlich politischer Entscheidungen.

Bis 2030 nur noch sechs Tonnen CO₂ je Einwohner

Der Gesamtausstoß an Treibhausgasen je Einwohner lag laut dem THG-Bericht im Jahr 2016 im Landkreis München rechnerisch bei 7,6 Tonnen - ohne die Fahrten auf den Autobahnen, für die ja zu einem großen Teil Durchreisende verantwortlich sind. Wird dieser Faktor hinzugerechnet lag der Wert sogar bei 9,5 Tonnen je Landkreisbürger. Aufgeschlüsselt verteilte sich der CO₂-Ausstoß je Einwohner wie folgt: 1,8 Tonnen durch den privaten Haushalt, 4,2 Tonnen auf Industrie, Handel und Gewerbe - also die Wirtschaft, 1,4 Tonnen auf den Verkehr und nur 0,1 Tonnen auf kommunale Einrichtungen.

Aufbauend auf den Daten von 2016 müssen die Kreispolitiker entscheiden, welche Maßnahmen weiter beschlossen werden, um die Emissionen deutlich zu reduzieren. Denn in der Energievision 29++ hat der alte Kreistag ein herausforderndes Ziel formuliert: Bis ins Jahr 2030 sollen die Emissionen je Einwohner von den erwähnten neuneinhalb auf nur noch sechs Tonnen reduziert werden.

Dabei wird deutlich, dass vor allem der Anteil der erneuerbaren Energien im Landkreis stark ausgebaut werden muss. Vor vier Jahren betrug er nur etwas mehr als zehn Prozent des gesamten Energieverbrauchs, beim Stromverbrauch waren es nahezu 14 Prozent. Bei der Energieerzeugung aus regenerativen Quellen nimmt die Tiefen-Geothermie im Landkreis München eine immer bedeutenderer Rolle ein, die in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird. Bereits 2016 lag sie bei 5,3 Prozent. Vor allem die Kooperation der Erdwärme Grünwald mit den Stadtwerken München und der Ausbau der Claims im Süden dürfte weitgehende Auswirkungen auf die Energieversorgung im Landkreis haben; schließlich planen die Stadtwerke, die Landeshauptstadt bis zum Jahr 2040 zu 100 Prozent mit CO₂-neutraler Fernwärme zu versorgen. So treiben die Stadtwerke München etwa den Ausbau des Fernwärmenetzes in der Gemeinde Ottobrunn mit ihren beiden Tochterfirmen massiv voran.

Künftig alle zwei Jahre ein Treibhausgas-Bericht

Beim Verkehr setzt der Landkreis München auch auf innovative Antriebstechniken, um den CO₂-Ausstoß zu verringern. Als einer von drei Partnern in dem Zusammenschluss Wasserstoffregion mit den Landkreisen Ebersberg und Landshut will er die innovative Technik vor allem auf kommunaler Ebene vorantreiben, so sollen etwa Fahrzeuge der Bauhöfe in den Kommunen und der öffentliche Personennahverkehr - etwa Busse - auf Wasserstoffantrieb umgerüstet werden. In Unterföhring sind seit vergangenem Jahr außerdem bereits testweise auf der Ortslinie batteriebetriebene Elektrobusse im Einsatz. Das Landratsamt setzt seit einigen Jahren ebenfalls auf Elektrofahrzeuge im behördlichen Fuhrpark.

Der Treibhausgas-Bericht des Landkreises soll künftig alle zwei Jahre aufgelegt werden und den Umbau des Energiesystems auf kommunaler Ebene aufzeigen.

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SZ vom 17.06.2020
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