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Oberhaching:Der Landkreis plant den Schulcampus

Auf dem Areal neben dem Bahnhof Deisenhofen sollen bis zum Schuljahr 2024/2025 eine FOS und eine Realschule gebaut werden.

(Foto: Claus Schunk)

Das Veto aus Taufkirchen gegen die ursprünglich vorgesehene Rechtskonstruktion gefährdet den Zeitplan für den Bau der Realschule und der FOS in Oberhaching. Landrat Göbel will nicht warten, bis ein eigener Zweckverband gegründet ist.

Landrat Christoph Göbel und Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle hatten sich die Sache einfacher vorgestellt. Pragmatisch, wie die beiden CSU-Politiker sind, wollten sie die Trägerschaft für den neuen Schulcampus am Deisenhofener Bahnhof durch eine Erweiterung des Zweckverbands für das Gymnasium Oberhaching regeln. Doch die Gemeinde Taufkirchen machte ihnen vor der Sommerpause einen Strich durch diese Rechnung und lehnte die Idee als einziges Mitglied in dem bestehenden Verband ab. Dadurch ist nun die Gründung eines neuen Zweckverbands für die geplanten Fachoberschule (FOS) und Realschule in Oberhaching sowie ein Gymnasium in Sauerlach notwendig geworden.

Ein solcher Zusammenschluss kann dauern und erfordert Verhandlungen und Abstimmungen mit den Gemeinden Oberhaching, Sauerlach, Straßlach-Dingharting, Grünwald und Brunnthal. Um aber mit der Errichtung des Schulcampus in Oberhaching voranzukommen, übernimmt nun zunächst einmal der Landkreis alleine die Planungen. Dem hat der Ausschuss für Bauen und Schulen des Kreistags am Dienstag zugestimmt. "Wir müssen in der Sache weiterkommen", sagte Landrat Göbel in der Sitzung. Die Schulbauten nahe dem Bahnhof Deisenhofen sollen bis zum Schuljahr 2024/2025 fertig sein.

Alle Appelle von Bürgermeister Schelle und Landrat Göbel an "die Solidarität der kommunalen Familie" hatten im Taufkirchner Gemeinderat nichts genutzt. Dort hat man mit dem Schulcampus in der Nachbargemeinde oder gar mit einem Gymnasium im noch entfernteren Sauerlach nichts am Hut, weil man vor allem die Kosten scheut. Eine Realschule hat man schließlich selbst. Dieses Veto würde das Tempo für die Entstehung des gesamten Schulcampus drosseln, denn der Landkreis will mit gemeinsamer Planung, Bau sowie Nutzung der Infrastruktur und Sportanlagen von FOS und Realschule Fläche, Kosten, und Investitionsbedarf für alle Beteiligten reduzieren.

Das Landratsamt spricht von Einsparungen durch Synergieeffekte in Höhe von bis zu 4,5 Millionen Euro und beruft sich dabei auf Berechnungen des Büros Hitzler Ingenieure, das 2016 die Kosten für den vergleichbaren Schulcampus Haar eruiert hatten. Hier war ein ähnliches Raumprogramm geprüft worden.

Nun soll also der Landkreis München zunächst einmal die erforderlichen Planungs-, Vergabe und Bauausführungsschritte zur Realisierung des "Schulcampus Oberhaching" mit Fachoberschule und Realschule übernehmen, allerdings in Abstimmung mit der Gemeinde Oberhaching und nur bis zur Gründung eines möglichen Schulzweckverbandes, dem auch der Landkreis als ordentliches, stimmberechtigtes Mitglied angehören will. Kommt der nicht zustande, übernimmt der Landkreis München die Bau- und Finanzierungskosten und den Schulaufwand ausschließlich für die Fachoberschule in eigener Trägerschaft.

Die Errichtung der Realschule würde durch den Landkreis alleine nicht weiterverfolgt werden, könnte aber in Kooperation zwischen dem Landkreis und der Gemeinde Oberhaching etwa durch eine Zweckvereinbarung umgesetzt werden. Eine entsprechende Vereinbarung soll mit Oberhaching getroffen werden. Im Gemeinderat steht dieses Thema am 1. Oktober auf der Tagesordnung.

Während die Kosten für die FOS der Landkreis zu 100 Prozent übernimmt, soll der Bau der Realschule und der Bau eines Gymnasiums in Sauerlach entsprechend der aktuellen Regelung der Schulzweckverbände finanziert werden, das heißt: 70 Prozent zahlt der Kreis, 30 Prozent übernehmen die beteiligten Gemeinden. Die Kostenersparnisse durch die Synergieeffekte sollen zudem ausschließlich den Verbandskommunen zugute kommen.

Die SPD möchte die Städte und Gemeinden bei Schulbauten noch stärker entlasten. Die Kreistagsfraktion hat jetzt den Antrag gestellt, dass der Landkreis künftig auch die Kosten für den Grunderwerb übernimmt. Denn sie findet: "Keine Kommune darf als künftiger Standort einer weiterführenden Schule ausgeschlossen sein, weil sie kein Grundstück finanzieren kann."

Angesichts der in den vergangenen Jahren horrend gestiegenen und weiter steigenden Grundstückspreise im Landkreis München sei es für die kreisangehörigen Kommunen immer schwieriger geworden, eine neue Schule zu finanzieren, schreiben Fraktionssprecherin Ingrid Lenz-Aktas und die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche in ihrem Antrag. Landrat Göbel befürchtet allerdings: "Wenn wir für Schulneubauten Grundstücke erwerben, werden wir auch alle Bestandsgrundstücke erwerben müssen."

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