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Ottobrunn:Pirouetten auf dickem Eis

Unter Parteifreunden: Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer und CSU-Ortschef Volker Rhein begrüßen Generalsekretär Markus Blume (von rechts).

(Foto: Claus Schunk)

Der frühere Eiskunstläufer und jetzige CSU-Generalsekretär Markus Blume weiß beim Neujahrsempfang seiner Partei in Ottobrunn, mit welchen Zusagen er punkten kann - zum Beispiel mit einem Ja zur U-Bahn-Verlängerung.

Markus Blume kennt Ottobrunn ganz gut, vor allem das Eisstadion. Der CSU-Generalsekretär hat ja, wie er sagt, eine "Eiskunstlauf-Vergangenheit" und als Jugendlicher hat er auch in Ottobrunn Pirouetten gedreht. "Schon damals wurde diskutiert, ob es nicht eine Halle braucht", sagt der 44-Jährige am Sonntagnachmittag im Festsaal des Ottobrunner Wolf-Ferrari-Hauses. "Ich weiß, das Stadion ist schon in die Jahre gekommen. Und Bürgermeister Thomas Loderer hat mir einen Zettel gegeben, wo drauf stand, worüber ich nicht reden soll. Das Thema Eisstadion ist vermintes Gelände", scherzt er.

Ganz so schlimm ist es freilich nicht. Aber auch die mehr als hundert Gäste beim Neujahrsempfang der Ottobrunner CSU wissen um die Brisanz des Themas Eisstadion. Seit Jahren kämpft der Eis- und Rollsport-Club Ottobrunn um eine Überdachung der Eisfläche, bisher aber hat sich der Gemeinderat mit Verweis auf die Kosten nicht dazu durchringen können. Nicht wenige in der Gemeinde fragen sich mittlerweile, ob in der Gemeinde zuerst ein Dach über dem Stadion am Haidgraben oder die Fakultät für Luft- und Raumfahrt am Ludwig-Bölkow-Campus gebaut wird.

Ein bisschen Selbstironie schadet nicht

Bürgermeister Loderer spricht in seinem Grußwort das Eisstadion nicht an, wohl aber die vielen Projekte, die in der jüngeren Vergangenheit auf den Weg gebracht worden sind: vom Neubau der Carl-Steinmeier-Mittelschule, der Generalsanierung der Ferdinand-Leiß-Halle, gemeindlichen Wohnbauprojekten bis hin zum barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen in der Rosenheimer Landstraße.

Alles "gemeinschaftlich" beschlossen im Gemeinderat, ein Gremium, das miteinander und nicht gegeneinander arbeite und dennoch leidenschaftlich diskutieren könne. "Weil jeder und vor allem ich recht haben will." Ein bisschen Selbstironie zum Jahresauftakt darf sein.

Loderer nimmt aber auch - da bietet sich Blumes Besuch an - die Staatsregierung mit Blick auf den Aufbau der Fakultät in die Pflicht. Die Pflöcke seien ja längst eingeschlagen, es würden schon Professuren ausgeschrieben, sagt der Rathauschef. Dieses Projekt könne aber nur funktionieren und die beteiligten Kommunen Taufkirchen und vor allem Ottobrunn würden nur dann nicht überlastet, wenn die Infrastruktur mitwachse, sagt Loderer. Konkret heißt das: Es braucht zwingend den zweigleisigen Ausbau der S 7 sowie die Verlängerung der U-Bahn von Neuperlach Süd aus.

Große Visionen müssten entwickelt werden, sagt der Landrat

Da dürfte es Loderer freuen, dass der CSU-Generalsekretär in Ottobrunn ein klares Bekenntnis zum Infrastrukturprojekt U-Bahnverlängerung abgibt: "Ich stehe voll hinter der U-Bahn." Wohl auch, weil Ottobrunn ein wichtiger Bestandteil von Ministerpräsident Markus Söders "High-Tech-Offensive" ist: "Ottobrunn ist ein echtes Markenzeichen für Technologie in der Welt." In der Frage der Zukunftsarbeitsplätze dürften Deutschland und Bayern nicht von anderen - China und den USA - abgehängt werden, sagt Blume.

Dass diese Entwicklung auch mit großen Herausforderungen verbunden ist, sagt Landrat Christoph Göbel in seinem Grußwort. Der Landkreis unterliege schließlich "einer Dynamik, die nicht zu überbieten ist". Dabei gelte es erstens, "große Visionen" zu entwickeln, sagt Göbel, und zweitens den Fokus auf das Wesentliche zu richten. Und dabei nimmt der Landrat auch Söders Pläne für einen achten Regierungsbezirk ins Visier: "Wir brauchen weniger Diskussionen über neue Grenzen", sagt Göbel, sondern "mehr Wohnungsbau in kommunaler Hand" und ein Gespür dafür, "diejenigen mitzunehmen, die es aus eigener Kraft nicht schaffen".

Was Loderer, Göbel und Blume neben der Begeisterung für Ottobrunn als Hightech-Standort eint, ist ihr Einsatz für das Ehrenamt, dessen Bedeutung sie alle drei betonen. Markus Blume zitiert sogar aus einer amerikanischen Studie: "Wer sich ehrenamtlich engagiert, hat einen besseren Body-Mass-Index." Ein ehemaliger Eiskunstläufer muss das wissen.

© SZ vom 20.01.2020
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