Katastrophenschutz„Jeder Bürger muss sich auch selbst schützen“

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Die Rettungskräfte bereiten sich durch Übungen auf Katastrophen vor. In Unterschleißheim war das Szenario vor einigen Jahren ein zweitägiger Stromausfall, in dessen Folge ein Bus mit einem Zug kollidiert.
Die Rettungskräfte bereiten sich durch Übungen auf Katastrophen vor. In Unterschleißheim war das Szenario vor einigen Jahren ein zweitägiger Stromausfall, in dessen Folge ein Bus mit einem Zug kollidiert.
Catherina Hess

Polizei, Feuerwehren, THW und Rettungsdienste informieren am Samstag in Taufkirchen bei einem „Bevölkerungsschutztag“, wie man sich für den Katastrophenfall vorbereitet. Denn der Ottobrunner Feuerwehrkommandanten Eduard Klas ist überzeugt: Ein Blackout wie jüngst in Spanien kann auch bei uns passieren.

Von Martin Mühlfenzl, Taufkirchen

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Etwas mehr als 4000 Feuerwehrleute gibt es im Landkreis München, die meisten leisten ihren Dienst ehrenamtlich bei einer der 45 Freiwillige Feuerwehren, einige aber auch hauptberuflich bei den sieben Werksfeuerwehren. Sie rücken nicht nur aus, wenn es brennt, sie befreien auch Unfallopfer aus ihren Fahrzeugen oder pumpen vollgelaufene Keller aus. „Die Feuerwehren sind die Speerspitze der gemeindlichen Daseinsvorsorge“, sagt Eduard Klas. Alleskönner, die im Fall einer größeren Katastrophe aber schnell überlastet sein können – und deshalb nimmt der Kommandant der Ottobrunner Feuerwehr die Bürger in die Pflicht: „Jeder muss auch ein bisschen für sich selbst sorgen.“

Wie genau das aussehen kann, darüber informieren an diesem Samstag, 24. Mai, zahlreiche Blaulichtorganisationen von Ambulanzen, dem ABC-Zug München-Land, dem Bayerischen Roten Kreuz, der Polizei, mehreren Freiwilligen Feuerwehren, Hilfs- und Rettungsdiensten bis zum Münchner Landratsamt beim „Bevölkerungsschutztag“ in Taufkirchen.

Auch das Technische Hilfswerk München-Land (THW) präsentiert seine Arbeit und einen Teil des Fuhrparks auf dem Parkplatz der Firma Airbus im Münchner Süden. Dabei müssen die Ehrenamtlichen des THW einen Großteil der Fahrzeuge gar nicht aus der Maschinenhalle in Haar fahren, schließlich ist die derart in die Jahre gekommen und mittlerweile für viele Fahrzeugtypen einfach zu klein. „Die Fahrzeuge stehen teilweise ständig draußen, was deren Haltbarkeit auch nicht zuträglich ist“, sagt Andreas Frank, Ortsbeauftragter des THW für München-Land.

Und formuliert auch gleich seine Erwartung an die neue schwarz-rote Bundesregierung, die noch vor Amtsantritt angekündigt hatte, über das milliardenschwere Sondervermögen nicht nur die Bundeswehr auf- und ausrüsten, sondern auch den Zivil- und Katastrophenschutz deutlich stärken zu wollen. „Es ist ein Mehr an finanzieller Unterstützung vorgesehen, und das ist auch dringend nötig“, sagt Frank.

Andreas Frank, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks München-Land, hofft, dass die neue Bundesregierung die Mittel für den Katastrophenschutz aufstockt.
Andreas Frank, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks München-Land, hofft, dass die neue Bundesregierung die Mittel für den Katastrophenschutz aufstockt.
Sebastian Gabriel

Das Technische Hilfswerk ist jener Teil der Blaulicht-Flotte, der in der Regel als letzter zum Einsatz kommt – und am längsten bleibt. Bei Unfällen auf den Autobahnen im Landkreis München, wenn der Deiniger Weiher überläuft oder umkippt, wenn Chemikalien austreten. Oder die Ahr über die Ufer tritt, und die Ehrenamtlichen aus Bayern nach Rheinland-Pfalz gerufen werden, um wochenlang die Anlieferungen von Hilfsgütern zu koordinieren.

„Wir sind als THW auf eigentlich alle Szenarien vorbereitet“, sagt Frank, in dessen Ortsgruppe etwas mehr als 100 Ehrenamtliche aktiv sind – und die angesichts der beengten Platzverhältnisse am Standort in Haar keine weiteren Interessierten mehr aufnehmen kann. Eigentlich, so der Ortsgruppenleiter, bräuchte es einen zweiten Zug, eine weitere Einheit nur für den Landkreis München, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Meist sind die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehren früher am Einsatzort als die des Technischen Hilfswerks. Und sie sind es auch, an die sich im Katastrophenfall die Menschen als allererstes wenden können. Ottobrunns Feuerwehrkommandant Klas schließt nicht aus, dass es auch in Deutschland zu extremen Ereignissen wie dem Stromausfall auf der iberischen Halbinsel vor wenigen Wochen kommen könnte, bei dem Millionen Menschen plötzlich keine Energie mehr hatten.

Der Ottobrunner Feuerwehrkommandant Eduard Klas schließt nicht aus, dass es in Deutschland zu einem größeren Blackout wie zuletzt in Spanien und Portugal kommt.
Der Ottobrunner Feuerwehrkommandant Eduard Klas schließt nicht aus, dass es in Deutschland zu einem größeren Blackout wie zuletzt in Spanien und Portugal kommt.
Claus Schunk

„In vielen Hochhäusern geht dann die Spülung nicht mehr, bei Kranken das Atemgerät nicht mehr und Mütter können keinen Babybrei mehr zubereiten“, sagt Klas. Extremwetterereignisse würden sich in Oberbayern häufen. Aber auch flächendeckende Cyberangriffe seien nicht auszuschließen, so Klas, auf die Trinkwasserversorgung, auf Banken, die gesperrte EC-Karten zur Folge hätten. Das Leben würde stillstehen.

Und wenn nichts mehr geht, benötigen die Menschen Anlaufpunkte, an die sich die Menschen wenden können. In Ottobrunn wird seit Jahren darüber gesprochen, sogenannte Leuchttürme einzurichten, an denen die Betroffenen im Katastrophenfall mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und Decken versorgt werden. Noch aber fehlten hierfür die dringend benötigten Notstromaggregate, berichtet Klas. Andere Gemeinden und Städte wie etwa Chemnitz seien bei dieser Vorsorge weiter. „Auch wenn bei uns in Ottobrunn schon viel passiert ist, brauchen wir noch mehr. Bei knapp 24 000 Einwohnern natürlich auch deutlich mehr Schutzräume“, sagt Klas und erinnert an die Tiefgarage unter der Ortsmitte, die einst Bayerns größter Atombunker war, heute aber nicht einmal mehr die Anforderungen als normaler Schutzraum erfüllt. Auch THW-Ortsgruppenleiter Frank verweist darauf, dass es mit der eigenen Ausstattung bei einer Großlage, etwa einem Blackout in ganz Süddeutschland, eng werden könnte.

„Die Politik hat mit ihren Investitionen offenbar verstanden, dass man mehr für die Zivilverteidigung tun muss“

Der Feuerwehrkommandant und der THW-Chef sind sich daher einig, dass Bevölkerungsschutz auch Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen bedeutet. „Wir dürfen es als Bürger nicht nur den Blaulichtorganisationen überlassen. Jeder Bürger muss sich auch selbst schützen“, sagt Frank. Und das kann mit ganz einfachen Mitteln geschehen: Zuhause Vorräte anlegen, sich ein batterie- oder akkubetriebenes Radio zulegen, aktiv Desinformation vorbeugen. „Die Politik hat mit ihren Investitionen offenbar verstanden, dass man mehr für die Zivilverteidigung tun muss“, so der THW-Ortsgruppenleiter.

„Aber auch die Bürger müssen ihren Beitrag leisten.“ Klas drückt es etwas forscher aus: „Es wäre schön, wenn du bei einer Notlage die ersten sechs, sieben Stunden in deiner Bude bleibst. Mit Wasser und vielleicht einer Powerbank, damit du dir selbst helfen kannst.“ Es müsse sich auch nicht jeder Privathaushalt, wie von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gefordert, ein Notstromaggregat zulegen. „In Niederbayern geht das vielleicht, aber im dicht bebauten Ottobrunn nicht“, sagt Klas.

Wie die unterschiedlichen Blaulichtorganisationen interagieren, welche Aufgaben sie haben und wie jeder Einzelne sich in Notsituationen schützen kann, erfahren Interessierte am kommenden Samstag von 12 bis 18 Uhr in Taufkirchen. Das THW und die Ottobrunner Freiwillige Feuerwehr werden auch vor Ort sein – das Hilfswerk zeichnet beim Blaulichttag passenderweise für die Stromanschlüsse verantwortlich.

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