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Maria 2.0:"Die katholische Kirche braucht die Frauen"

Pfarrgemeinderätinnen im Landkreis begrüßen die Initiative "Maria 2.0" gegen Ausgrenzung und Missbrauch.

So weit wie die Initiatorinnen der Aktion "Maria 2.0", die mit einem einwöchigen Kirchenstreik gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der katholischen Kirche protestiert haben, würden die wenigsten gehen. Aber das Anliegen der Initiative teilen auch viele Frauen, die in den Pfarreien im Landkreis München engagiert sind.

Die Initiatorinnen von "Maria 2.0" kritisieren einerseits den Umgang mit den Missbrauchsskandalen in der Kirche, etwa "deren Verdunklung und Vertuschung durch Amtsträger". Außerdem fordern sie Zugang zu allen Ämtern der Kirche für Frauen, die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Anpassung der Sexualmoral an die Lebenswirklichkeit der Menschen. Die Aktion fällt in eine Zeit, in der auch im Landkreis Pfarreien zu Pfarrverbänden zusammengeschlossen werden, weil es an Priestern mangelt, und in der die Kirchen immer mehr Mitglieder verlieren. Dass ein Umdenken angebracht sein könnte, liegt auf der Hand.

Hört man sich in den Pfarreien im Landkreis um, ist zwar nicht von konkreten Aktivitäten zu "Maria 2.0" die Rede, es gibt aber klare Meinungen. "Ich habe es in den Medien aufmerksam verfolgt. Persönlich unterstütze ich die Forderungen allesamt", sagt etwa Christine Salfer, Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Pfarrei Heilig Geist in Pullach. Sie hält es für wichtig, die Position der Frauen in der katholischen Kirche zu festigen. "Die katholische Kirche braucht die Frauen - und zwar auf allen Ebenen", sagt die 53-Jährige.

Salfer würde sich als ersten Schritt das Diakonat der Frau wünschen. "Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum verheiratete Männer Diakon werden dürfen, aber Frauen nicht. Es gibt Frauen, die sich jahrelang vorbereitet haben, und nur noch auf die Weihe warten", sagt sie. Dass ein Streik das richtige Mittel ist, zweifelt sie allerdings an. "Darunter würde die Pfarrei vor Ort leiden", sagt sie. Bei der nächsten Sitzung des Pfarrgemeinderats im Juli möchte sie das Thema "Maria 2.0" aber auf alle Fälle ansprechen.

Im Pfarrverband Vier Brunnen Ottobrunn wird die Initiative aus Münster laut Pfarrverbandsratsvorsitzender Johanna Feldmeier diskutiert. In vielen Bereichen sei die Gleichberechtigung schon fortgeschritten. Es gebe viele Ministrantinnen. In der Kirchenverwaltung und in den Pfarrgemeinderäten säßen überwiegend Frauen. Feldmeier teilt aber die Meinung mit Salfer, dass Frauen auch in weiteren Ämtern tätig sein dürfen sollten, bis hin zur Diakonin und Priesterin. "In der evangelischen Kirche ist das ja auch schon so", sagt die Hohenbrunnerin. Anders als Salfer hält sie es auch für eine gute Idee, für diese Ziele zu streiken "wie bei Fridays for Future". "Dann diskutieren die Menschen und es entsteht eine breitere Meinung", sagt Feldmeier. Sie setzt, was das Thema Gleichberechtigung angeht, auch auf den Papst, der viel näher am Menschen sei als der eine oder andere Vorgänger.

In der Pfarrei St. Severin in Garching ist die Aktion "Maria 2.0" dagegen noch kein Thema gewesen. "Das wurde bisher nicht wahrgenommen", sagt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Nicola Gerhardt. Ohnehin seien die dort behandelten Anliegen für sie "nicht die dringenden Probleme". Gerhardt beschäftigt nach eigener Aussage viel mehr, dass "die Grundlagen des Glaubens in der Gesellschaft immer mehr verloren gehen". Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende sorgt sich sogar um das Grundgesetz. "Wenn der christliche Glaube wegbricht, bricht irgendwo auch die Verfassung weg." Sie bezieht sich dabei auf den Begriff der Würde, der über den Glauben definiert werde. Sie verweist auf den ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Ernst Wolfgang Böckenförde, der einst sagte: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann."

Wie Christine Salfer hält Gerhardt es auch nicht für sinnvoll, den Dienst für eine Weile niederzulegen. "Für einen Gottesdienststreik bin ich nicht der Typ", sagt sie. "Ich will Dinge voranbringen und konstruktiv sein. Da spreche ich für viele Frauen in der Pfarrei."