Bandwettbewerb:Metal-Rock, der kickt

as it rains aus Unterföhring

Die Jungs von "As it Rains" an den Instrumenten und ihre Lead-Sängerin Ashanti Šabić wissen, was sie tun.

(Foto: veranstalter)

"As it Rains" aus Unterföhring gewinnt das Finale von "Running for the Best" in Ismaning.

Von Sebastian Franz, Ismaning

In der Schweigerstraße in Ismaning ist es laut am Donnerstagabend. Über den Seebach schallen Gitarren-Riffs und Trommeln aus der nahen Seidl-Mühle. Bruchstücke von Melodien, Schreien, Gesang. Überquert man den Seebach, fügen sich die Sound-Fetzen zu einer harmonischen Einheit. Steht man schließlich vor der Seidl-Mühle erinnert nichts an Nachwuchs-Band-Geschrammel, das man in typischen Jugendzentren erwartet.

Wenn die Unterföhringer Metal-Band As it Rains auf der Bühne steht, dann sitzt jede Hand an der richtigen Saite, jeder Fuß auf dem richtigen Pedal. Sitzt da auch der allerletzte Ton perfekt? Wahrscheinlich nicht. Funktioniert das vor - und mit - Publikum? Ganz sicher. Trotz Bühnenpause seit Februar 2020 - natürlich coronabedingt - wissen die vier Jungs an den Instrumenten und ihre Lead-Sängerin Ashanti Šabić beeindruckend genau, was sie da tun; und das, nach Monaten ohne Auftritte, gleich auf der Kultursommer-Bühne Ismaning im Finale des Newcomer-Wettbewerbs "Running for the Best", vor ausverkauftem Haus, was ein wenig mehr als 100 Besucher bedeutet - mehr durften aus bekannten Gründen nicht in den Innenhof des Kulturzentrums Seidl-Mühle.

Die Sieger spielen beim DGB Jugend-Festival

Das Referat Jugendkultur & Medien des Kreisjugendrings (KJR) München-Land veranstaltet den Wettbewerb seit 1991 regelmäßig. Seitdem nahmen circa 400 Bands daran teil. Ziel des Wettbewerbs ist es, dass junge Menschen das kulturelle Leben in der Region mitgestalten, und ihre Talente ausleben und verfolgen können. Zu gewinnen gab es einen Auftritt auf dem DGB Jugend-Festival "laut.stark", das am 1. Mai kommenden Jahres auf dem Marienplatz stattfinden soll, Gutscheine für ein Musikgeschäft, sowie einen professionellen Video-Dreh. Über die Sieger entscheiden jeweils zu 50 Prozent das Publikum und eine sechsköpfige Fachjury.

Die vier Final-Bands qualifizierten sich bereits vergangenes Jahr mit online übertragenen Auftritten ohne Publikum für das Finale, das zunächst im Januar stattfinden hätte sollen. Nach mehreren Verschiebungen spielte jetzt jede Band in Ismaning ein zwanzigminütiges Set. Die Rockband Falschgeld eröffnet den Wettbewerb. Ihr Mix aus Synthesizer, Saxofon und leicht punkigen Gesang kommt gut an beim Publikum. 15 und 16 Jahre sind die vier Jungs alt. Ein wenig älter - gerade das Abitur in der Tasche - sind The Basement aus München. Ihre Songs sind teils melancholischer. Auf der Kulturbühne funktionieren sie einwandfrei, obwohl gemeinsame Proben erst seit drei Wochen wieder möglich sind. Anschließend folgt das Indie-Duo Twiceasmad aus Taufkirchen. Unterstützt werden die beiden von der Drummerin Mia Cerno. Für das Publikum gibt es deutsche Texte und radiotaugliche Melodien - passend zum Sonnenuntergang.

Als letzte Band spielen schließlich As it Rains aus Unterföhring - Beinahe-Lokalmatadoren und Beinahe-Vorjahressieger. Seitdem sei man besser aufeinander abgestimmt. Ohnehin kennen sich manche der Bandmitglieder seit dem Kindergarten, andere sind romantisch verbunden. Vieles würde sich einfach fügen, etwa beim Songwriting. Das verantwortet eigentlich Luca Bozzato, zweiter Gitarrist, manchmal aber auch Sängerin Šabić oder jemand ganz anderes. Was die Texte angeht, sei das auch so eine Sache. Das Geheimnis dahinter: "Machen, wie die Inspiration kickt," sagt Bozzato. Das sei ihre Art und ihr Erfolgsrezept. Vor dem ersten Gig der Band sei alles fertig organisiert gewesen, bis auf eine Kleinigkeit: Der Band-Name.

Den gibt es mittlerweile zum Glück. Sonst wäre es schwer gewesen, den "Running for the Best"-Sieger zu verkünden. Der heißt nämlich As it Rains. Geht man nach der Stimmung vor der Bühne, ist das ein verdienter Sieg, der ungeahnte Probleme mit sich bringt. Drummer Moritz Törsiep - auf der Bühne abgebrüht wie ein Profi - lernt schnell die Schattenseiten des Erfolgs kennen: "Fuck, wie schreibe ich denn ein Autogramm?". Wie es ganz genau mit der gemeinsamen Band weitergeht, ist nicht durchgeplant. Weitergehen aber wird es, das ist das wichtigste. "Wir sind ja noch jung," sagt Ashanti Šabić. Am 12. August treten die frisch gebackenen Gewinner bei Kunst im Quadrat auf der Theresienwiese auf. Dort werde man alle Songs der ersten gemeinsamen EP spielen können, die während der auftrittsfreien Corona-Zeit entstanden ist; "Rainy Days" heißt sie. Auf dem Nachhauseweg kann man beim Gehen durch die wieder ruhige Schweigerstraße keine Wolke am Himmel sehen. Die Perspektive für As ist Rains ist ebenfalls heiter.

© SZ vom 31.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB