Höhenkirchen-Siegertsbrunn:An der Belastungsgrenze

Tennisspieler in München, 2018

In Höhenkirchen-Siegertsbrunn boomt der weiße Sport - das hat Folgen.

(Foto: Florian Peljak)

Der Tennisklub ETC Siegertsbrunn wächst und benötigt neue Plätze. Der Gemeinderat verspricht Unterstützung.

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Tennis ist hierzulande auf dem absteigenden Ast: Seit 1995 verzeichnet der Deutsche Tennis Bund Jahr um Jahr einen Mitgliederrückgang - von 2,3 auf inzwischen weniger als 1,4 Millionen. Anders sieht die Entwicklung beim ETC Siegertsbrunn aus. Dort hat sich die Mitgliederzahl der Tennissparte seit 2015 auf 450 Mitglieder verdoppelt - vor allem dank der Kinder und Jugendlichen, deren Zahl sich gar verdreifacht hat. Dieses rasante Wachstum bringt die Infrastruktur des Klubs jedoch an ihre Belastungsgrenzen. Daher will der ETC seine Anlage nördlich des Kirchenwegs modernisieren und hofft hierbei auf die Unterstützung der Gemeinde.

"Wir haben uns seit Herbst 2019 Gedanken gemacht, was wir tun können", sagte Vorsitzender Martin Loidl zu Beginn seines Vortrags im Höhenkirchen-Siegertsbrunner Gemeinderat. Im Zentrum der Überlegungen stünden die westlichen drei der sieben Tennisplätze auf dem Gelände, die bereits mehr als 50 Jahre alt seien und wegen ihrer Größe die Turniervorgaben des Bayerischen Tennis-Verbandes nicht erfüllten, so Loidl. Diese Sandfelder sollen nach dem Wunsch des Vereins abgerissen und durch vier Allwetterplätze ersetzt werden. Der Mehrbedarf an Fläche ließe sich durch den Abbau von Schuppen, Banden und Umkleiden sowie einer Verkleinerung des Begrenzungswalls schaffen, erklärte der Klubchef. Ebenfalls weichen sollen demnach die sechs Flutlichtmasten. An ihrer Stelle könnte ein einziger Mast in der Mitte der Felder ausreichend Licht liefern, sagte Loidl.

Über Jahre hat der Verein viel in Eigenleistung gestemmt

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Martin Loidl, Vorsitzender des ETC Siegertsbrunn, vor den Plätzen, die modernisiert werden sollen.

Martin Loidl, Vorsitzender des ETC Siegertsbrunn, vor den Plätzen, die modernisiert werden sollen.

(Foto: Claus Schunk)

Infolge der Umbauten ließen sich die Plätze bis in den Abend hinein und auch im Herbst und Winter nutzen. "Wir würden dem Tennisjahr mehr Monate und dem Tennistag mehr Stunden geben", sagte der Klubchef. Zudem seien die Allwetterplätze weniger wartungsintensiv als die bisherigen Sandfelder. Und trotz der Umbauten könne im Winter weiterhin die beliebte Natureisfläche angelegt werden. "Sie wäre dann ein bisschen kleiner als bisher", sagte der Vorsitzende. "Aber trotzdem groß genug für ein Eishockeyfeld, für den freien Eislauf oder für Stockschützenturniere." Ginge es nach dem Verein und seinen etwa 720 Mitgliedern, dann könnte der Abriss der bestehenden Tennisplätze im Herbst beginnen. Nächstes Jahr würde dann der Neubau der Allwetterfelder anlaufen, sodass diese dem ETC "idealerweise" schon in der Saison 2022 zur Verfügung stünden, so Loidl.

Voraussetzung hierfür ist freilich eine Finanzspritze der Gemeinde. Insgesamt gehe der Verein von Baukosten in Höhe von gut 600 000 Euro aus, sagte Loidl, der dies selbst eine "sehr mächtige Zahl" nannte. Allerdings wolle der ETC nicht nur Eigenleistungen über 35 000 Euro sowie Eigenkapital in Höhe von 75 000 Euro in das Projekt einbringen. Sondern der Klub sei auch bereit, im Gegenzug für eine Unterstützung der Gemeinde in den nächsten 20 Jahren auf Vereinszuschüsse zu verzichten, was etwa 74 000 Euro entspreche, so Loidl. Zudem hoffe man auf Fördergelder, deren Höhe aktuell aber noch ungewiss sei.

"Es wird etwa um 420 000 bis 430 000 Euro gehen, die irgendwie finanziert werden müssen", sagte Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD), die die Planungen des ETC als "sehr weit gereift" bezeichnete. Aus dem Gemeinderat gab es viel Lob für die Vorarbeit des Klubs. "Ich bin froh, dass wir hier einen starken Verein mit einem starken Vorstand haben", sagte Peter Guggenberger (CSU). "Unsere Fraktion steht diesem Projekt wohlwollend gegenüber." Ähnlich äußerte sich Martina Hanisch (Unabhängige Bürger), die zudem daran erinnerte, dass der ETC "die ganzen Jahre über sehr viel Arbeit in Eigenleistung gemacht hat". Bei der geplanten Renovierung der Plätze jedoch ist der Verein auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen. Ob und in welchem Umfang diese schließlich erfolgen wird, darüber muss jetzt der Gemeinderat in seinen Haushaltsberatungen für das Jahr 2022 im Herbst entscheiden.

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