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Grünwald:Gehe hin und verkaufe Eis!

Grünwald, Eis und Tages-CafŽ ã be. Coffee, Ice&DeliÒ, neben dem ehemaligen CafŽ Fischer,

Julia Fischer hilft ihrer Mutter Eva im Eiscafé am Luitpoldweg in Grünwald.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Gemeinde Grünwald bemühte sich lange vergeblich um die Belebung des Luitpoldwegs. Bis Eva Fischer eine göttliche Eingebung hatte, wie sie sagt, und dort ein Freiluftcafé eröffnete.

Von Claudia Wessel, Grünwald

Schüler, Mütter mit Kleinkindern, eine ältere Frau, ein Handwerker - es wimmelt an diesem Nachmittag nur so von Menschen auf dem kleinen, mit Kies bestreuten Platz vor dem Café Fischer am Luitpoldweg in Grünwald. Fast alle der pastellgrünen oder weißen, runden Tische sind besetzt. Die ältere Dame schleckt ein Eis aus der Tüte, der Handwerker trinkt einen Cappuccino, die Kinder haben gut gefüllte Eisbecher vor sich.

Die Schlange vor dem kleinen Holzhäuschen in Weiß, Hellgrün und Rosa, das seit einiger Zeit auf diesem Platz steht, ist lang. In der Vitrine machen Eissorten wie "Griechischer Joghurt", "Salted Caramel" oder "Cheesecake Raspberry" Appetit. Auf der Tafel stehen die angebotenen Gerichte: Acai Bowl, Probiotic Bio Bowl oder Pink Elephant Bowl. Dazu gibt es Smoothies mit ähnlich fantasievollen Namen: Red Love, Green Love oder Melon Fresh.

Jahrelang gab es Diskussionen in Grünwald darüber, wie man den Luitpoldweg zum Leben erwecken könnte. Neues Pflaster, Blumenkübel und bewegliche grüne Drahtstühle, mehr Grün oder mehr Bunt - einiges wurde verwirklicht, anderes wird noch im Gemeinderat debattiert. Unterdessen hat sich die Belebung des Weges vom Derbolfinger Platz zum Rathausplatz quasi gottgegeben verwirklicht.

Die göttliche Eingebungkam unter der Dusche

Denn im Februar dieses Jahres stand Eva Fischer, 43, seit elf Jahren in Grünwald als Fitnesscoach und Ernährungsberaterin zu Hause, unter der Dusche, als sie eine göttliche Eingebung hatte. Und das ist kein Witz, denn Fischer ist gläubige Christin und überzeugt, dass Gott ihr den Weg im Leben weist. An diesem Tag kam der Mutter von zwei Kindern die Idee: Eis verkaufen.

Das sei ihr erst einmal komisch vorgekommen, erzählt sie. Denn sie selbst mag gar nicht unbedingt Eis, doch der Gedanke blieb in ihrem Kopf. Zwei Tage später ging sie zufällig durch den Luitpoldweg und ihr Blick fiel auf das damals noch dort stehende alte, schwarze kleine Häuschen. Hier hatte der Inhaber des Café Fischer, mit dem Eva Fischer übrigens nicht verwandt ist, vor vielen Jahren tatsächlich auch Eis verkauft.

Der Ort für die Umsetzung des göttlichen Auftrags stand fest. Fischer erkundigte sich beim Inhaber Franz Hölzl, der die Idee gut fand. Bei der Gemeinde war man zunächst skeptisch, wie Fischer erzählt, und bat um ein Konzept. Via E-Mail schickte sie ihre Vorstellung von der Belebung des Luitpoldwegs, von einem Ort für Kinder und Mütter und alle Menschen, von einem Ort der Liebe. Das Projekt wurde antragsfrei genehmigt.

Das Holzhäuschen kam nicht aus Litauen raus

Das alte Häuschen wurde also abgerissen, ein Starkstrom- und ein Wasseranschluss gelegt. Aber ganz so reibungslos ging es nicht. Denn vorher kam noch Corona und viele bestellte Dinge blieben an diversen Grenzen hängen. Das Holzhäuschen kam nicht aus Litauen raus, die Vitrine nicht aus Italien und die Stühle und Tische nicht aus Frankreich.

Doch trotz aller Hindernisse ging das Projekt weiter. Irgendwann war alles da, und Eva Fischer konnte eröffnen. Und das alles ohne Kapital, sagt die alleinerziehende Mutter. Wie das? Sie habe sehr viel Hilfe bekommen, berichtet sie. Ein Freund, Inhaber eines Kaffeeunternehmens, stellte ihr eine Kaffeemaschine als Leihgabe hin, andere halfen mit Geld.

Inzwischen läuft das Geschäft wie verrückt. "Gehen Sie bloß nicht wieder weg", hört die Inhaberin "nonstop" von ihren Kunden, wie sie berichtet. Kurz vor den Sommerferien kamen unzählige Schüler mit ihren gut gefüllten Klassenkassen, manchmal 60 Kinder an einem Vormittag. Fischer, ihre 15-jährige Tochter Julia und weitere Helferinnen hatten und haben alle Hände voll zu tun. Allerdings kann die kleine Eisdiele mit dem modischen Namen "Be. Coffee, Ice & Deli" nur bei schönem Wetter öffnen. Deshalb sucht Fischer bereits nach einem Raum, in dem sie auch im Winter und bei Regen ihre Speisen anbieten könnte. Als zweite Niederlassung, versichert sie. Die Belebung des Luitpoldwegs bleibt.

© SZ vom 29.07.2020

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