Mobilität:Die erste Autobahn für Radfahrer in Bayern

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Eine Autobahn für Fahrradfahrer: Der erste Abschnitt des Radschnellwegs in Garching ist fertig. (Foto: SZ)

Bei Garching ist der erste Abschnitt der Radschnellverbindung von München ins Umland fertig. Obwohl erst am Dienstag die offizielle Verkehrsfreigabe erfolgt, nutzen Radler bereits die Trasse, die bis an den Stachus weitergeführt werden soll.

Von Martin Mühlfenzl, Garching

Autobahnen mit vier, sechs oder gar acht Spuren für den motorisierten Verkehr durchziehen das ganze Land, für Radfahrer bleiben dagegen bestenfalls schmale Radwege, die am Straßenrand verlaufen. Doch jetzt gibt es auch für Radler eine Art Autobahn: Am Dienstag wird bei Garching der erste Teilabschnitt der sogenannten Radschnellverbindung von und nach München eröffnet – es ist der erste Radschnellweg überhaupt in Bayern.

„Abschnitt 4.1 Süd“ heißt die etwa drei Kilometer lange Trasse, die wenigstens zwei Spuren hat und für die vor etwa einem Jahr Spatenstich war. Und sie mutet tatsächlich wie eine Autobahn für Radler an – samt einem Standstreifen, der freilich für Fußgänger vorgesehen ist. Mehr als vier Meter sind die beiden Spuren für die Radfahrer breit, die auf beiden Seiten durch grün-weiße Streifen begrenzt werden, etwa 2,50 Meter bleiben für Fußgänger.

In regelmäßigen Abständen ist auf dem Radl-Highway ein Symbol aufgebracht, das verdeutlicht, dass es sich nicht um einen herkömmlichen Radweg handelt: ein grünes Viereck mit weißem Fahrrad. Das Zeichen gibt es in der Straßenverkehrsordnung erst seit wenigen Jahren und es steht dafür, dass es sich bei einem Radschnellweg um eine überörtliche Verbindung von herausragender Bedeutung handelt.

Der Weg zum ersten Radschnellweg Bayerns war und ist ein langer. Vor zehn Jahren hatte der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum erstmals Studien zu möglichen Korridoren im gesamten Großraum München vorgestellt, in denen sternförmig Radschnellwege aus der Landeshauptstadt in die angrenzenden Landkreise führen könnten. Nach langen Debatten – und auch Absagen wie etwa aus dem Landkreis Starnberg – richtete sich die Konzentration der Stadt und des Landkreises München schließlich auf eine Verbindung aus der Innenstadt heraus bis nach Garching, sowie über eine Abzweigung bis nach Unterschleißheim.

Bei den Planungen bereitete vor allem fehlender Platz in städtischen Bereichen Probleme, sowohl in München als auch in der Universitätsstadt Garching an der viel befahrenen Bundesstraße 471 mit ihren zahlreichen Kreuzungen. So mag es auch kaum überraschen, dass gewissermaßen die Endpunkte des Radschnellwegs als Erstes realisiert werden. Derzeit laufen noch die Arbeiten am 500 Meter langen Abschnitt zwischen Lenbachplatz und dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus in der Landeshauptstadt. In Garching sind dagegen seit ein paar Tagen die ersten Radler auf dem neu geschaffenen Teilbereich unterwegs, der im Osten südlich des U-Bahnhofs beginnt und im Westen südlich der Bundesstraße 13 am Schleißheimer Kanal endet.

Die Brücke über den Schleißheimer Kanal ist das Herzstück des neuen Radschnellwegs in Garching. (Foto: SZ)

In wenigen Jahren sollen Pendlerinnen und Pendler durchgehend auf einem breit ausgebauten Radschnellweg die mehr als 20 Kilometer von München nach Garching und Unterschleißheim zurücklegen können. Erwartet werden mehr als 8000 Pendler, die auf der Radl-Autobahn Geschwindigkeiten von bis zu 30 Kilometer pro Stunde erreichen können. Die Baukosten belaufen sich auf nahezu 35 Millionen Euro. Alleine der bei Garching realisierte Abschnitt 4.1 Süd schlägt mit mehr als drei Millionen Euro zu Buche, von denen allerdings bis zu 75 Prozent vom Bund übernommen werden.

Das Herzstück des ersten Abschnitts ist die neu gebaute Brücke über den Schleißheimer Kanal. Diese ist nötig, da der Radschnellweg im Osten nördlich des Kanals liegt, im Westen aber südlich. Dort soll er an der Ingolstädter Straße weiter nach Süden geführt werden und schließlich über die Leopold- und die Ludwigsstraße ins Münchner Stadtzentrum bis zum Stachus verlaufen. Genau genommen wird er dort allerdings die Kriterien eines Radschnellwegs nicht erfüllen können, da für eine vier Meter breite Trasse in der Innenstadt kein Platz ist.

Eine dynamische Solarbeleuchtung schaltet sich in der Dunkelheit an, wenn sich ein Radfahrer nähert

Zur Attraktivität dürfte – neben der Breite sowie der Qualität des Asphalts – auf dem Garchinger Abschnitt mit Sicherheit die Beleuchtung beitragen. Diese macht eine Nutzung des Radl-Highways auch in der Dunkelheit möglich. Dabei ist sie äußerst energiesparend: Zum Einsatz kommt eine intelligente dynamische Solarbeleuchtung, die sich nur einschaltet, wenn sich ein Fahrradfahrer oder Fußgänger nähert.

Zur Verkehrsfreigabe am Dienstag wollten außer Landrat Christoph Göbel (CSU) und Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kommen. Der erste Radschnellweg Bayerns könnte in jedem Fall zum Vorbild werden, denn es laufen nach wie vor Untersuchungen für weitere Verbindungen aus München ins Umland: etwa nach Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg sowie in die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau.

In einer früheren Version wurde der Eindruck erweckt, es gelte auf dem Radschnellweg eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Stundenkilometern.

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