Energieeffizienz:Fernwärme im Bürgermeisterbüro

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Energieeffizienz: Das Landratsamt am Mariahilfplatz ist auf Fernwärme und Holzpellets umgestellt worden.

Das Landratsamt am Mariahilfplatz ist auf Fernwärme und Holzpellets umgestellt worden.

(Foto: Claus Schunk)

Viele Kommunen im Landkreis München wollen beim Energiesparen in den Rathäusern vorangehen. Unterföhring und Aschheim planen besonders nachhaltige Neubauten.

Von Martin Mühlfenzl und Timo Schmidt, Landkreis München

Die Fernwärme schafft es ohne größeren Temperaturverlust aus dem Landkreis München bis in die Au und beheizt dort das alte Landratsamt am Mariahilfplatz. In dem ehemaligen Paulanerkloster und den angrenzenden Bauten liefern zudem Pelletheizungen Wärme -die Temperatur wird dort in diesem Herbst und Winter allerdings wie in allen öffentlichen Gebäuden auf Anordnung des Bundeswirtschaftsministeriums auf 19 Grad begrenzt, um Energie zu sparen.

Der Landkreis München arbeitet seit Jahren daran, die Energieeffizienz in seinen eigenen Liegenschaften zu steigern - am Mariahilfplatz etwa mit neuen Fenstern, die vor einigen Jahren verbaut worden sind, der Umstellung auf LED-Beleuchtung, dem Abschied von Blockheizkraftwerken, die mit Gas betrieben werden, auf Holzpelletanlagen - und nun sollen auch auf allen landkreiseigenen Gebäuden, die noch keine Solaranlagen auf dem Dach haben, Module aufgesetzt werden. Außerdem hat der Landkreis Anfang des Jahres sein neues Domizil in der Messestadt Riem bezogen, das ihn bei der Energieeffizienz weit nach vorne katapultiert hat: Die im Jahr 2003 errichtete Dependance erfüllt die höchsten Energiestandards und wird ebenfalls mit Fernwärme versorgt.

Energieeffizienz: Der neue Standort des Landratsamtes in der Messestadt Riem erfüllt die höchsten energetischen Standards.

Der neue Standort des Landratsamtes in der Messestadt Riem erfüllt die höchsten energetischen Standards.

(Foto: Claus Schunk)

In der Nacht entfaltet der gläserne Bau aber keinen Glanz mehr, er wird - wie auch alle anderen öffentlichen Gebäude des Landkreises und auch die Rathäuser in den 29 Städten und Gemeinden - nicht mehr beleuchtet. Was aber können Kommunen selbst leisten, um energieeffizienter zu werden? Wie ist es um die Standards in Rathäusern und Bürgerhäusern bestellt? Ein Blick auf ein paar ausgewählte Beispiele - vom Altbau bis zum geplanten Neubau.

Nahezu energieautark

In Unterföhring freut sich die Gemeindeverwaltung auf ein neues Rathaus. Im ersten Halbjahr 2026 soll der 49-Millionen-Euro-Bau stehen und ein Vorbild in Sachen nachhaltiger Energieeffizienz werden. Laut Martin van de Flierdt, Pressesprecher der Gemeinde Unterföhring, wird das Gebäude zu 76 Prozent energieautark sein. Beheizt wird es mit Fernwärme aus Geothermie, Lieferant ist der gemeindeeigene Energieversorger Geovol. Den Strom für die Wärmepumpe und für den täglichen Betrieb soll eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage auf dem Dach herstellen. Überschüsse sollen in einer 200 Kilowattstunden starken Batterie im Untergeschoss gespeichert werden. Gekühlt wird das zukünftige Rathaus entweder über die Tiefengeothermie oder mittels einer Kälteabsorptionsmaschine. Insgesamt werde das neue Rathaus den Standard "Effizienzgebäude 40" erreichen, gibt van de Flierdt an. Das bedeutet, dass es nur 40 Prozent der Energie benötigt, die ein Effizienzhaus 100 bräuchte. Dieses entspricht noch den gesetzlichen Vorgaben nach Gebäudeenergiegesetz.

Energieeffizienz: Das neue Unterföhringer Rathaus soll zum Vorbild bei der Energieeffizienz werden.

Das neue Unterföhringer Rathaus soll zum Vorbild bei der Energieeffizienz werden.

(Foto: Raum und Bau Planungsgesellschaft mbH)

Das bestehende Rat- und das Bürgerhaus werden auch bereits vollständig mit Ökostrom versorgt und per Erdwärme von Geovol beheizt. Den jährlichen Wärmeverbrauch beziffert van de Flierdt für das Rathaus auf etwa 5000 und für das Bürgerhaus rund 4900 Kilowattstunden. Besondere Maßnahmen, um die Energieeffizienz des Bürgerhauses zu verbessern, seien nicht geplant.

Reiner Ökostrom

Das Rathaus von Unterschleißheim, der größten Kommune des Landkreises München, wird nach Angaben der Stadt zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt. Beheizt wird es laut Pressesprecher Steven Ahlrep mit Erdwärme der Geothermie Unterschleißheim, einer hundertprozentigen Eigengesellschaft der Stadt. Der jährlichen Wärmeverbrauch von Rat- und Bürgerhaus lag im vergangenen Jahr bei knapp 1 875 440 Kilowattstunden. Möglichkeiten, um das Gebäude noch energieeffizienter zu gestalten, gibt es laut Ahlrep aber durchaus: "Verbesserungsbedarf besteht bei der Optimierung der Heizungs-, Lüftungsanlage und der Gebäudehülle." Außerdem könnte das "Nutzerverhalten" verbessert und der Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Rathauses geprüft werden.

Energieeffizienz: Das Unterschleißheimer Rathaus soll eventuell mit einer Solaranlage ausgerüstet werden.

Das Unterschleißheimer Rathaus soll eventuell mit einer Solaranlage ausgerüstet werden.

(Foto: Robert Haas)

Gasheizung im Rathauskeller

Das Rathaus in der Gemeinde Haar verfügt über eine in das Dach integrierte Photovoltaik-Anlage, die einen Jahresstromertrag von etwa 9000 Kilowattstunden hat und auch dazu dient, die Elektrofahrzeuge des Rathauses zu laden, erklärt Lukas Röder, Abteilungsleiter für Umwelt und Abfallwirtschaft in der Rathausverwaltung. Ansonsten erhalte das Rathaus - ebenso wie das Bürgerhaus - 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft. Beheizt werden beide gemeindlichen Gebäude durch eine Gasheizung, wobei jene im Rathaus auch Wärme in das anliegende Maria-Stadler-Haus liefert. Die Heizung im Bürgerhaus wiederum versorgt auch das angrenzende Familienzentrum. Aktuell laufen Untersuchungen, inwiefern eine neu zu installierende Heizungsanlage mit erneuerbaren Energien betrieben werden könnte.

Energieeffizienz: Am Haarer Rathaus werden die Elektrofahrzeuge mit Ökostrom aufgeladen.

Am Haarer Rathaus werden die Elektrofahrzeuge mit Ökostrom aufgeladen.

(Foto: Claus Schunk)

Im Jahr 2020 hat die Gemeindeverwaltung laut Röder außerdem eine interne Stromsparaktion gestartet. Eine eigens gegründete Arbeitsgruppe Energie fand vielfältige Wege, um im Rathaus Energie zu sparen. So wurde die Tiefgarage des Rathauses auf LED-Beleuchtung umgerüstet. In der Nacht gibt es dort laut Röder auch nur eine "50-prozentige Notbeleuchtung", wobei die Parkplätze der Verwaltung und der Stattauto München mit Bewegungsmeldern ausgerüstet sind. Dadurch werde jährlich Energie in Höhe von nochmal etwa 9000 Kilowattstunden eingespart, gibt Röder an.

Um die Energieeffizienz der vielen gemeindlichen Liegenschaften festzustellen, hat ein Energieberater dem Haarer Rathaus im Frühjahr einen Sanierungsfahrplan bis zum Jahr 2045 vorgelegt. 24,7 Millionen Euro müsste die Gemeinde demnach aufwenden, um alle 62 betroffenen Häuser auf Basis der gültigen gesetzlichen Vorschriften energieeffizient zu sanieren. Zwölf Millionen Euro würde es kosten, den Gebäuden das bessere Niveau A++ zu verpassen. Welche Gebäude die Gemeinde in den nächsten Jahren aber wirklich sanieren kann, richtet sich nach der Haushaltslage. Das Rat- und das Bürgerhaus stehen jedoch im Sanierungsfahrplan ohnehin nicht ganz oben auf der Liste.

Fernwärme, aber undichte Fenster

Geheizt wird im Rathaus in Pullach bereits seit 2007 mit Fernwärme - die Gemeinde im Isartal ist Vorreiterin bei der Geothermie im Landkreis München. Allerdings ist der Wärmeverbrauch des Pullacher Rathauses um fast 50 Prozent höher als der Bundesvergleichswert für Verwaltungsgebäude. So steht es im integrierten Klimaschutzkonzept (IKK) der Gemeinde, das sich ausführlich mit der Energiebilanz Pullachs befasst. Bei einer Begehung der kommunalen Liegenschaften stellte der städtische Klimaschutzmanager Ismael Leitmannstetter an den Gebäuden zahlreiche Mängel fest, die deren Energieeffizienz beeinträchtigen. So wurden eben auch am Rathaus die Gründe für den hohen Wärmeverbrauch gefunden: Dach, Fenster und Dampfsperren sind teilweise nicht dicht, die Fußbodenheizung funktioniert nicht richtig, die Tore der beheizten Garage sind geöffnet, Wärmepumpen nicht gedämmt.

Energieeffizienz: Teilweise sind Fenster und Türen im Pullacher Rathaus nicht ganz dicht, das hat Auswirkungen auf die Energiebilanz.

Teilweise sind Fenster und Türen im Pullacher Rathaus nicht ganz dicht, das hat Auswirkungen auf die Energiebilanz.

(Foto: Claus Schunk)

Den Strom bezieht das Pullacher Rathaus von den Gemeindewerken Oberhaching (GWO), erklärt schreibt Fabian Bauer, Sachgebietsleiter Abfall- und Energiewirtschaft bei der Gemeinde. Laut GWO besteht der Strommix zu knapp 88 Prozent aus erneuerbaren Energien. Auch der Stromverbrauch des Rathauses ist mit jährlich 46 Kilowattstunden pro Quadratmeter fast doppelt so hoch wie der Bundesvergleichswert. Das liegt auch daran, dass die Pumpen für die Nahwärmeversorgung der Grundschule und der Musikschule im Rathaus untergebracht sind. In den Büros im Obergeschoss werden zudem Elektroheizstrahler benutzt und veraltete Leuchtstoffröhren verwendet. Auch dem Bürgerhaus wird im IKK eine vergleichsweise schlechte Energiebilanz bescheinigt: "Dies ist vor allem durch den Veranstaltungssaal und das großzügig dimensionierte Foyer, welches für Bürgerhäuser eher untypisch ist, zu begründen." Wegen seiner verglasten Hülle sei das Foyer zudem "thermisch schwierig einzuregeln." Auch der Stromverbrauch des Bürgerhauses ist mehr als doppelt als der Bundesvergleichswert für Bürgerhäuser.

An einer besseren Energieeffizienz der kommunalen Gebäude arbeite man, versichert Bauer. So seien bereits im Jahr 2020 die knapp hundert Strahler im Foyer des Bürgerhauses durch LED-Modelle ausgetauscht worden. Nun ist geplant, die Steuerungstechnik für Belichtungs- und Tonsysteme in dem Gebäude energieeffizient umzurüsten. Ob dieses Vorhaben förderfähig ist, überprüfe die Gemeinde gerade.

Der nachhaltige Neubau

In Aschheim erübrigt sich die Frage nach der Energiebilanz des Rathauses: Im Mai war das mehr als hundert Jahre alte Rathaus abgerissen worden. Deswegen ist die Gemeindeverwaltung übergangsweise in der Saturnstraße untergebracht. An den Planungen für den Rathaus-Neubau sitzt aktuell ein Architekturbüro aus Schwaben. Laut Friedrich Frankenfeld, Leiter des Aschheimer Bauamtes, spielt die Energieeffizienz bei dem Neubau eine große Rolle: "Vorgabe an den Architekten ist, das Gebäude so zu konzipieren, dass im Zuge der Planung ein sehr hoher energetischer Standard, zum Beispiel im Passivhausstandard, erreicht werden kann. Es soll zudem eine möglichst nachhaltige und energiesparende Bauweise erreicht werden." Näheres könne man aber erst sagen, wenn die Pläne für das neue Rathaus vorliegen.

Energieeffizienz: Das alte Aschheimer Rathaus ist Geschichte - der Neubau soll möglichst nachhaltig ausgestaltet werden.

Das alte Aschheimer Rathaus ist Geschichte - der Neubau soll möglichst nachhaltig ausgestaltet werden.

(Foto: Claus Schunk)

Die Art der Energieversorgung steht allerdings schon fest: "Bereits das ehemalige, zwischenzeitlich abgebrochene Rathaus hatte einen Geothermie-Anschluss. Dieser wird mit Fertigstellung des Neubaus wieder in Betrieb genommen." Lieferant ist die interkommunale AFK Gmbh, die seit 2009 die Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim mit Erdwärme versorgt. Auch aus den Steckdosen im neuen Rathaus soll Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien kommen. Auf diese Weise würden bisher auch alle anderen kommunalen Gebäude und die Straßenbeleuchtung versorgt, gibt Frankenfeld an. Außerdem werde aktuell untersucht, ob man auf das Dach des Bürgerhauses im Aschheimer Ortsteil Dornach eine Photovoltaik-Anlage installieren und der somit erzeugte Strom für den Eigenbedarf verwendet werden könnte. Dieser liegt bei etwa 30 000 Kilowattstunden im Jahr. Der Verbrauch des Pächters im Bürgerhaus ist dabei nicht mit eingerechnet. Der jährliche Wärmeverbrauch des Bürgerhauses beläuft sich auf etwa Megawattstunden, gibt Frankenfeld an.

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