Grüne:Rückenwind durch Baerbock und Habeck

Lesezeit: 2 min

Höhepunkt des Bundestagswahlkampfs der Grünen im Landkreis München: der Auftritt des damaligen Fraktionschef Anton Hofreiter in Unterhaching. (Foto: Claus Schunk)

Die Umweltpartei legt im Landkreis München weiter kräftig an Mitgliedern zu. Grund ist die Regierungsbeteiligung im Bund.

Von Stefan Galler, Landkreis

Schon der Blick ins Plenum des Kreistags zeigt, dass die Zeit, in der die Grünen als kleine Partei nicht viel zu sagen hatten und auch auf lokaler Ebene allenfalls ein kleiner Dorn im Fleisch der Volksparteien waren, längst vorbei ist. Seit der Kommunalwahl im März 2020 stellen sie mit 19 Sitzen die zweitgrößte Fraktion hinter der CSU (26). Die einstige Nischenpartei wird immer attraktiver, was sich auch in ihrer Größe ausdrückt: Im Gegensatz zur SPD, deren Rückhalt schwindet, haben sich die Grünen deutschlandweit im Kalenderjahr 2021 von 107 000 auf über 125 000 Mitglieder gesteigert. Auch im Landkreis ist der Trend eindeutig: Von 688 Mitgliedern wuchs der Grünen-Kreisverband auf 760, was einem Plus von mehr als zehn Prozent entspricht.

"Den Menschen ist der Klimaschutz immer präsenter und wichtiger", sagt Sabine Pilsinger, Co-Kreisvorsitzende der Grünen. Das sei ein Grund dafür, dass man auch im Wahlkampfjahr stark habe zulegen können. "Besonders viele junge Menschen sind den Landkreis-Grünen im letzten Jahr beigetreten, was uns sehr freut und frischen Wind gibt." Eine Tatsache, die unterstreichen dürfte, dass die neue Attraktivität der Umweltpartei unmittelbar mit der immer mehr ins Bewusstsein der Menschen rückenden Klimakrise zusammenhängt.

Christoph Nadler, Vorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion, freut sich über den Zuspruch: "Ich bin schon seit vielen Jahren dabei, aber dass an unseren monatlichen Kreisversammlungen 70 bis 90 Leute teilnehmen, wie das derzeit der Fall ist, das ist schon der absolute Wahnsinn." Dabei sei die Resonanz selbst bei Themen riesig, "die einen nicht vom Hocker reißen".

Zufriedene Co-Kreisvorsitzende: Sabine Pilsinger aus Gräfelfing. (Foto: Claus Schunk)

Dass sich immer mehr Menschen den Grünen anschließen und jene, die der Partei schon länger treu sind, mehr Engagement zeigen als früher, liegt nach Ansicht des Co-Kreisvorsitzenden Volker Leib auch an der neuen Regierungsbeteiligung im Bund mit den prominenten Ministern Annalena Baerbock (Außen) und Robert Habeck (Wirtschaft). Dies verleihe auch den Ortsverbänden im Landkreis Rückenwind: "Der Zugewinn verteilt sich auf alle Gemeinden gleichmäßig, wobei Unterhaching und Neubiberg die mitgliederstärksten Ortsverbände sind, gefolgt von Pullach, Garching und Ottobrunn", so Leib.

Der Taufkirchner Christoph Nadler nennt die Grünen-Vertretung in Unterhaching die "beste und schönste" im Landkreis, Ortsverbandssprecherin Claudia Köhler kann von etwa 15 Neueintritten 2021 berichten: "Wir haben jetzt 68 Mitglieder, sind im letzten Jahr also um über 25 Prozent gewachsen." Für die Landtagsabgeordnete ist die Regierungsbeteiligung im Bund ein Argument dafür, dass der Zuspruch sogar noch größer werden könnte: "Gute Konzepte hatten wir schon immer, aber jetzt haben wir auch die Möglichkeit zur politischen Umsetzung." So hofft sie auf eine baldige Aufhebung des Arbeitsverbots für Asylbewerber, so wie es im Koalitionsvertrag steht. Und sie hat große Hoffnungen, dass die 10H-Abstandsregel für Windräder in Bayern auf Initiative des grünen Wirtschaftsministers Habeck fallen könnte.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusDie Grünen
:"Der Toni kann auch Europa"

In den Koalitionsverhandlungen wurde Anton Hofreiters Karriere ausgebremst, ein Ministeramt blieb ihm verwehrt. Dennoch sagt er: "ein sensationell gutes Jahr". Wie es für ihn nun weitergeht.

Von Michael Morosow

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: