CSU:Weidenbusch wirft die Flinte ins Korn

Lesezeit: 3 min

Die gemeinsame Zeit geht zu Ende: Ernst Weidenbusch mit Ministerpräsident Markus Söder. (Foto: Claus Schunk)

Der CSU-Abgeordnete aus Haar kündigt überraschend seinen Rückzug aus der Landespolitik im kommenden Jahr an. Als möglicher Nachfolger gilt Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl.

Von Martin Mühlfenzl, Haar

Gerade erst hat er in der CSU-Landtagsfraktion noch einmal eine politische Bombe gezündet, indem er Fraktionschef Thomas Kreuzer gewissermaßen ein Ultimatum stellte und ihn zum Rückzug aufforderte; nun kündigt Ernst Weidenbusch das Ende seiner eigenen landespolitischen Karriere an - ein weiterer Knaller. Bei der kommenden Landtagswahl werde er nicht noch einmal kandidieren. "Im Juli nächsten Jahres werde ich mein 60. Lebensjahr vollenden, werde kurz darauf 20 Jahre den Stimmkreis München-Land Nord erfolgreich im Bayerischen Landtag vertreten haben. Vor diesem Hintergrund habe ich entschieden, mich bei der Landtagswahl 2023 nicht mehr um ein Mandat zu bewerben", teilte der Abgeordnete aus Haar schriftlich mit.

Wirft da ein Frustrierter die Flinte ins Korn? Seine Entscheidung sei "aus freien Stücken" gefallen, selbst bestimmt, ohne Druck aus der Partei, sagte der passionierte Jäger am Montag zur SZ. "Es ist genug, die Zeit ist gekommen, dass eine jüngere Kandidatin oder ein jüngerer Kandidat mit eigenen Ideen und Vorstellungen übernimmt." Bereits über Weihnachten sei er in sich gegangen und habe für sich diese persönliche Entscheidung getroffen. "Und mir war klar: Was du in den vergangenen 20 Jahren nicht geschafft hast, schaffst du in den nächsten 20 Jahren auch nicht." Nun sollten "eine jüngere Frau oder ein jüngerer Mann" die Chance bekommen.

Einen Zusammenhang mit seiner missglückten Revolte gegen Kreuzer bestreitet Weidenbusch, ebenso dass es im wichtigen Stimmkreis München-Land Nord, den er vier Mal in Serie direkt für die CSU gewinnen konnte, einen parteiinternen Gegenkandidaten geben könnte und er um eine neuerliche Nominierung durch die Mitglieder hätte bangen müssen. Einer, dem schon länger Ambitionen auf das Maximilianeum nachgesagt werden, ist Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl. Mit seinen 38 passt er bestens in das von Ministerpräsident Markus Söder geforderte Profil: Böltl ist jung, modern geprägt, nahbar, fit in den sozialen Medien.

CSU-Kreisrat Maximilian Böltl wird von seiner Fraktion gefeiert. (Foto: Claus Schunk)

"Mich haben heute bereits einige Kollegen aus der Kommunalpolitik im Landkreis angesprochen", so Böltl am Montag zur SZ. "Die Aufgabe interessiert mich sehr." Bevor er die Frage nach einer Bewerbung beantworten werde, wolle er sich aber in den Osterferien Zeit nehmen, "um mich mit der CSU vor Ort und in der Region in Ruhe austauschen zu können". Florian Hahn, den CSU-Kreisvorsitzenden, hätte Böltl schon einmal auf seiner Seite. Hahn sieht den Kirchheimer als eines der größten politischen Talente im Landkreis. "Wenn er es machen möchte, wäre er sicher geeignet", so der Kreisparteichef. Die Partei werde sich aber Zeit lassen und zunächst einen Prozess zur Nominierung eines Kandidaten festgelegen. Kandidaten könnten ohnehin erst von 15. August an aufgestellt werden.

Umkämpfter Wahlkreis München-Land Nord

Hahn wurde nach eigenen Worten selbst vom Rückzug Weidenbuschs überrascht. Für dessen Entscheidung zollt er dem Haarer Respekt: "Es gelingt nicht allen, aus eigener Kraft zu sagen: Das war es." In Weidenbusch verliere die CSU im Landkreis München ein absolutes "politisches Schwergewicht", so Hahn. Böltl begrüßt, dass Weidenbusch von sich aus die Veränderung eingeleitet habe. "Unser Landtagsabgeordneter Ernst Weidenbusch hat junge Menschen in der CSU immer gefördert", so der 38-Jährige über den 58-Jährigen. "Seine Entscheidung, aktiv einen Generationswechsel zu ermöglichen, verdient großen Respekt."

Weidenbusch, der erst am Sonntag in einer Kampfabstimmung erneut zum Präsidenten des bayerischen Landesjagdverbandes gewählt worden ist, hinterlässt einen Wahlkreis, der zu den besonders hart umkämpften im Freistaat gehören dürfte. Bei der Landtagswahl 2018 schaffte er mit gerade einmal 30,6 Prozent der Erststimmen, das Direktmandat knapp zu verteidigen. Er büßte damit mehr als zwölf Prozentpunkte im Vergleich zu 2013 ein, während die Zweitplatzierte, die Grüne Claudia Köhler, mit 22,8 Prozent ein historisch gutes Ergebnis einfuhr. Nachdem sie über die Liste in den Landtag einzog, kann sich die Unterhachingerin 2023 berechtigte Hoffnungen auf den Gewinn des Direktmandats machen. Was den Stimmkreis München-Land Süd betrifft, rechnet man innerhalb der CSU mit einer neuerlichen Kandidatur von Kerstin Schreyer.

Weidenbusch hat die CSU im Landkreis München nicht nur als Landtagsabgeordneter über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt. Er war auch 15 Jahre Kreisvorsitzender und davor Chef der Jungen Union im Landkreis. Als Sonderbeauftragter des Ministerpräsidenten rund um den Skandal der BayernLB und der Hypo Alpe Adria bewahrte er den Freistaat vor Millionen-Verlusten. In dieser Zeit kassierte er als in seiner Funktion als Rechtsanwalt allerdings auch 430 000 Euro an Honorar, was ihm später den Vorwurf der Interessenverquickung einbrachte. Aktiv bleiben will Weidenbusch zumindest in der Kommunalpolitik. So kündigte er an, sein Kreistagsmandat zu behalten und seine Aufgaben als Stellvertreter von Landrat Christoph Göbel (CSU) weiter wahrzunehmen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: