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Schädlingsbekämpfung:Waldbauernwetter

Nach dem extrem trockenen Frühjahr waren die Bäume geschwächt und der Borkenkäfer stand in den Startlöchern. Die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Wochen haben die Gefahr nun zumindest vorerst gebannt.

Von Michael Morosow, Aschheim

Noch im April hatten die Wälder sang- und kraftlos in den Seilen gehangen, ehe mehrtägiger Regen sie vor dem Dürretod bewahrte. Heute liegen im Deisenhofener Forst, im Aschheimer Wald und in anderen Revieren im Landkreis München Rehkitze im hohen, feuchten Gras, treiben die Bäume aus und freuen sich Förster und Waldbauern über den üppigen feuchten Nachschlag, auf den sie sehnsüchtig gehofft hatten. Vom Regen in die Traufe - besser hätte es kaum kommen können für sie. Ihr Jubel ist freilich noch verhalten, denn über den Berg sind die Wälder erst, wenn sie ihren gefräßigen Feind, den Borkenkäfer, abgeschüttelt haben.

Auf dem Weg dorthin können die Waldbauern wohl einen Etappensieg verzeichnen: Wenn nicht doch noch eine lange trockene Hitzeperiode eintritt, dann wird es der Baumschädling heuer nicht auf drei Generationen bringen wie im Vorjahr, in dem Deutschland schon im Juni unter einer Gluthitze von 40 Grad Celsius litt. Kälte und Regengüsse der vergangenen Wochen haben die Entwicklung des Käfers zumindest verlangsamt. Und die Temperaturprognose für die erste Julihälfte verspricht überwiegend Waldbauernwetter.

Junge Nadelbäume bei München, 2020

Der Wald ist wieder grün und die jungen Bäume können aufwachsen.

(Foto: Claus Schunk)

Aber verschreien will es keiner. "Bei einer Hitzeperiode wären die Borkenkäfer sofort wieder da", sagt Georg Kasberger, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg. Und auch Julia Borasch, seit März Leiterin des Forstbezirks Aschheim, traut dem Frieden noch nicht so ganz. Der Regen sei zwar auf jedem Fall förderlich gewesen im Kampf gegen die Borkenkäferpopulation, zumal der Stehendbefall spät eingesetzt habe. Aber bei längerer Hitze "kann es noch ein gefährliches Borkenkäferjahr werden", sagt die Försterin, die private und kommunale Waldbesitzer berät und insgesamt zwölf Gemeinden rund um die Landeshauptstadt betreut.

Eine interaktive Befallskarte gibt Aufschluss

Wie schnell Buchdrucker und Kupferstecher ihre Population vervielfachen können, zeigt ein Blick auf die interaktive Befallskarte des Bayerischen Landesamtes für Wald- und Forstwirtschaft (LWF). Waren es in der ersten Juniwoche in Aying an der einzigen LWF-Messtation im Landkreis München 1129 Borkenkäfer, die an zwei Fallen und an den Bruthölzern gezählt wurden, waren es eine Woche darauf bereits 5334. Für den Landkreis München gilt aktuell die Warnstufe gelb, was heißt: Ausbreitung des Befalls ist zu erwarten. Dass es heuer wahrscheinlich keine dritte Käfergeneration geben werde, sei sehr wichtig, sagt Olaf Rahm, Förster im Sauerlach. Aber es müsse jedem klar sein, dass ein sehr hoher Grundbestand vorhanden sei. Ohne den Regen aber, so Rahm, hätte man sehr große Kulturflächen verloren.

Er glaube nicht mehr an eine Katastrophe, sagt der Sauerlacher Waldbauer und Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen Johann Killer. Die nasskalte Witterung in den vergangenen Wochen sei geradezu ideal gewesen. "Ich bin froh gelaunt", sagt er. Alleine in einer Nacht gingen vergangene Woche über den Wäldern im Landkreis München circa 50 Liter Regen pro Quadratmeter nieder - nur um zehn Liter weniger als im gesamten Monat Mai vor einem Jahr. Auch die Dreimonatsstatistik gibt Grund zu einer feuchtfröhlichen Stimmung. An der Messstation im Oberhachinger Gemeindeteil Laufzorn wurden in diesem Zeitraum mehr als 350 Liter Niederschlag registriert, an der Station Aying gar 380 Liter, in Oberschleißheim immerhin noch mehr als 250 Liter. "Für Wald und Natur ein Segen", sagt Johann Killer, zumal jetzt die Bäume wieder im Saft stünden und mehr Abwehrkräfte gegen den Käfer entwickelt hätten. Dem Schädling begegnet auch er in seinem Waldstück auf Schritt und Tritt.

"Bei einer Hitzeperiode wären die Borkenkäfer sofort wieder da", sagt Forstamt-Chef Georg Kasberger.

(Foto: Claus Schunk)

"Die muss man abfischen und sofort aus dem Wald rausbringen", erklärt der Waldbauer. Dann werde es nicht mehr so dramatisch werden für den Sommer. Für diese im Kampf gegen den Borkenkäfer eminent wichtige Arbeit werden die Waldbauern seit zwei Jahren mit zwölf Euro pro Festmeter staatlich unterstützt. Aber über den Daumen gepeilt, so Johann Killer, büße er derzeit 40 Euro pro Festmeter ein. Doch die Zeit werde kommen, da die Holzpreise wieder ansteigen werden, gibt er sich auch in dieser Hinsicht zuversichtlich.

"Allgemein kann man sagen, dass es momentan zu feucht ist, wir haben einen Niederschlagsüberschuss", heißt es vom Deutschen Wetterdienst. So segensreich dieser für Felder und Wälder war, auf die Grundwasserstände hatte er keinen messbaren Einfluss. Diese sind laut Wasserwirtschaftsamt München nach wie vor niedrig bis sehr niedrig. Was nicht zuletzt daran liegen könnte, dass das Wasser von den Wurzeln der Bäume gierig aufgesogen wurde und so nicht bis in die Tiefe sickern konnte.

© SZ vom 01.07.2020/belo

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