bedeckt München
vgwortpixel

SZ-Serie: Bier von hier, Folge 6:"Roundhouse Kick" passt gut zu Mousse au Chocolat

Inspiriert von Reisen um die Welt, haben sich Timm Schnigule und Mario Hanel einen Traum erfüllt: Seit 2011 stellen die Unterschleißheimer in ihrer Brauerei "Crew Republik" Craft Beer her. Zum Standardsortiment gehören acht Sorten. Zusätzlich gibt es Biere, die es in sich haben

Jeden Tag in der Früh sind Timm Schnigula und Mario Hanel mit Anzug und Krawatte zu ihrem Arbeitsplatz, einer Münchner Unternehmensberatung, gefahren. Haben von 9 Uhr bis 18 Uhr gearbeitet, dazwischen eine Stunde Mittagspause gemacht. Ihre 28 Urlaubstage nutzten beide Männer für lange Reisen: Schnigula war in Australien unterwegs, Hanel in den USA.

"Als wir beide nach ein paar Wochen wieder dawaren, gab es im Büro eigentlich nur noch ein Thema für uns: Craft Beer. Zu dieser Zeit war uns auch schon bewusst, dass wir in unseren damaligen Jobs nicht alt werden möchten", sagt Schnigula und rückt sein schwarz-weißes Käppi zurecht. Was mit Verkostungen in ausländischen Brauereien begonnen hatte, wurde schon bald zum semi-professionellen Hobby. Der heute 38-Jährige lacht: "Wir haben uns dann einfach mal einen Heimbraukessel online bestellt und im WG-Hinterhof unser erstes Craft Beer gebraut", erzählt Schnigula.

Timm Schnigula ist auf Auslandsreisen beim Craft Beer auf den Geschmack gekommen. Mittlerweile betreibt er mit seinem Kompagnon Mario Hanel in Unterschleißheim mit der Crew Republic eine eigene Brauerei.

(Foto: Stephan Rumpf)

Was genau hat die beiden Bierliebhaber an ausländischen Craft Beer Sorten so sehr begeistert? Schnigula überlegt. "Die Deutschen sind sehr stolz auf ihre Biervielfalt, aber im Endeffekt haben alle Brauereien ein ähnliches Sortiment und fast alle Biere schmecken wie Helles oder Pils. Denn dieser Geschmack wird hier mit dem Reinheitsgebot verbunden", erzählt er. In anderen Ländern hingegen hat der gebürtige Österreicher nach eigenen Worten ganz neue Geschmäcker kennengelernt - und sich dann immer eine Frage gestellt: Was mischen die da rein? "In den meisten Fällen war die Antwort: nichts. Denn neue Geschmäcker kann man wunderbar im Einklang mit dem Reinheitsgebot erreichen, einfach nur durch das Verwenden von neuen Hopfen- und Malzsorten oder besonderen Brauverfahren. Es macht sogar einen großen Unterschied, welches Wasser man verwendet", sagt Schnigula und öffnet die Tür zu seiner eigenen Brauerei.

Acht Jahre ist es inzwischen her, dass er gemeinsam mit Hanel die "Crew Republic" gegründet hat. Zusammen hatten sie ein paar Wochen zuvor an einem Mini-Brauereikurs teilgenommen. Danach stand für beide fest: Das wird ihr Beruf. "Also haben wir gekündigt und sind direkt zur Bank, um einen Kredit aufzunehmen", sagt der Wahl-Unterschleißheimer. Heute schmunzelt er über seinen Optimismus von damals. Denn die Verwirklichung des Traums von der eigenen Brauerei im Münchner Norden musste noch vier Jahre lang warten. Der aufgenommene Kredit reichte aber aus, um sich in einer anderen Brauerei einzumieten.

Sogar eigener Hopfen wird für das Craft Beer angebaut. Die Ernte der Dolden ist jedes Jahr wieder etwas Besonderes.

(Foto: Stephan Rumpf)

Und so kam 2011 das zuvor in der Heimbrauanlage entwickelte "Foundation 11 - German Pale Ale" auf den Markt: Goldgelb, hopfiger Geschmack, 5,6 Prozent Alkohol. Ob das für ein Craft Beer ein hoher Alkoholanteil sei? Schnigula lacht, wartet mit der Antwort und öffnet eine Tür am Ende der Halle. "Tap Room" ist in Druckbuchstaben über dem Bartresen zu lesen, die Wände neben den Tischen sind mit glänzenden schwarzen Fliesen gekachelt, allerdings nur bis zur Mitte. Denn die gesamte obere Hälfte der Wand besteht aus Glas und im Hintergrund blitzen die hohen silbernen Tanks aus dem Brauraum hervor.

Das Roundhouse Kick - eine wahre Malz- und Hopfenbombe, heißt es.

(Foto: Crew Republic)

Schnigula steht vor einem großen Kühlschrank in einer Ecke des Tap Rooms, die braunen Glasflaschen darin sind in grellen Farben beschriftet: "In Your Face", "Hop Junkie", "Easy" oder "Rest in Peace" steht auf den Etiketten. Schnigula nimmt eine Flasche mit pink-schwarzen Aufdruck aus dem oberen Fach und sagt: "Das hier ist unser "Roundhouse Kick". Es ist mit 9,2 Prozent ziemlich stark, das ist typisch für ein Craft Beer". Er schenkt das tiefschwarze Bier in ein Glas und nimmt einen Schluck: "Diese Sorte schmeckt extrem malzig, das mag sicherlich nicht jeder aber zu Schokoladendesserts ist es ein Traum. Wie ein Guiness auf Steroiden, sag' ich immer", erzählt er und lacht.

Acht verschiedene Biere hat die "Crew Republic" in ihrem Standardsortiment. Zusätzlich immer wechselnde "besondere Biere, damit es nicht langweilig wird", wie Schnigula sagt. Die erkennt man an ihrem weißen Etikett mit einem schwarzen "X", Kurzform für "Experimental Beer". Wie ausgefallen es auch sein mag, für Schnigula und seinen Partner steht fest: "Wir finden es toll, traditionell deutsch zu brauen. Nur brauen wir eben keine traditionellen deutschen Biere", sagt der Mann mit den schulterlangen braunen Haaren bestimmt und öffnet die Glastür zum Garten der Brauerei.

Denn jeden Herbst, da wird in der "Crew Republic" geerntet. Schnigula steht neben eine Reihe dunkelgrüner Hopfenpflanzen, die sich im Garten der Brauerei an Seilen hochschlängeln. Mithelfen kann jeder, zur Belohnung bekommt man ein paar Wochen später pro geernteter Schüssel eine Flasche des sogenannten "Grünhopfenbiers" geschenkt. Die Tage der Ernte gehören für Schnigula zu den schönsten im Jahr, wie er sagt. Und: "Da freue ich mich jedes Mal wieder, dass ich den Anzug gegen die Gummistiefel eingetauscht habe."