Antrag zur Gleichstellung im KulturbetriebKampf dem Gender-Show-Gap

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In ihrer Serie „ Fight Club“ setzt sich die Münchner Künstlerin Beate Passow mit der Geschichte der Frauenrechtsbewegung und der Gleichstellung auseinander – ein Bild von der Ausstellung 2023 im Diözesanmuseum in Freising.
In ihrer Serie „ Fight Club“ setzt sich die Münchner Künstlerin Beate Passow mit der Geschichte der Frauenrechtsbewegung und der Gleichstellung auseinander – ein Bild von der Ausstellung 2023 im Diözesanmuseum in Freising. Marco Einfeldt

Die grünen Landtagsabgeordneten Claudia Köhler und Markus Büchler fordern ein Anreizmodell für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur in Bayern.

Von Udo Watter, Unterhaching/Oberschleißheim

Sind Frauen auf der Bühne nicht so lustig wie Männer? Ist der weibliche Blick auf ein Sujet in der bildenden Kunst weniger interessant? Hat ein Regisseur ein besseres Gespür für Dramaturgie als eine Regisseurin? Sollten kreative Männer generell höher entlohnt werden? Wer kein intellektuelles Fossil ist, wird diese Fragen klar mit nein beantworten, aber bei allem Fortschritt ist die Gleichstellung – auch im Kulturbetrieb – noch nicht vollendet.

Dass es da auch immer wieder politischer Impulse bedarf, dessen sind sich besonders die Grünen bewusst: Claudia Köhler und Markus Büchler, die beiden grünen Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis München, fordern jetzt mit ihrer Fraktion in einem Haushaltsantrag ein „bayernweites Fördermodell, das Kulturspielstätten finanziell belohnt, wenn sie in ihren Jahresprogrammen auf Geschlechterparität in künstlerischen Schlüsselpositionen“ achten.

„Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung – aber von echter Parität sind wir oft noch weit entfernt. Das gilt für Wirtschaft, Politik und eben auch für die Kultur“, erklärt die Unterhachingerin Köhler in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Markus Büchler aus Oberschleißheim unterstreicht darin die Bedeutung des Antrags: „Gleichstellung ist kein Nischenthema, sondern ein Gerechtigkeitsauftrag aus Artikel 3 unseres Grundgesetzes.“

Im Landkreis München beträfe der Antrag etwa neben dem Kleinen Theater in Haar auch zahlreiche Museen. „Sie alle leisten wertvolle kulturelle Arbeit, stehen aber zugleich vor strukturellen Herausforderungen“, heißt es, „Parität steht dabei nicht immer an erster Stelle, deshalb setzen die Landtagsgrünen hier Anreize.“ Das von Köhler und Büchler geforderte Anreizmodell für mehr Geschlechtergerechtigkeit würde sich konkret so auswirken, „dass Kulturinstitutionen einen festgelegten Prozentsatz ihres Gesamtbudgets zusätzlich erhalten können, wenn im Jahresprogramm mindestens ebenso viele Frauen wie Männer künstlerische Schlüsselpositionen innehaben“. Die künstlerische Freiheit bliebe dabei vollständig bei den Einrichtungen.

Sanne Kurz, kulturpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, wählt starke Worte: „Die Gleichstellung der Geschlechter ist auch in der Kultur noch in weiter Ferne. Wir sehen einen massiven Gender-Pay-Gap und ebenso einen Gender-Show-Gap. Obwohl viele Frauen künstlerische Studiengänge absolvieren, sind sie auf Bühnen, in Ausstellungen und in Leitungspositionen deutlich unterrepräsentiert – und sie verdienen im Schnitt weniger. Das ist strukturelle Benachteiligung.“ Das soll sich mit dem Antrag ändern.

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