bedeckt München 25°

Landkreis:Laptop-Zuschuss kommt bei Bedürftigen nicht an

Der Landkreis verwirft Idee der SPD, schlecht ausgestattete Schüler finanziell zu unterstützen, aus rechtlichen Gründen

Von Iris Hilberth, Landkreis

Das hatte sich die SPD-Fraktion im Kreistag unkomplizierter vorgestellt: Für jeden bedürftigen Schüler solle der Landkreis zur Anschaffung eines Laptops 150 Euro bewilligen, um einen Beitrag zum "Lernen zuhause" während der Corona-Pandemie zu ermöglichen, so der Vorschlag. Im Landratsamt stieß die Idee durchaus auf Wohlwollen. Neun Abteilungen, vom Jobcenter bis zum Sozialamt und Jugendamt haben geprüft, ob man irgendwie Geld locker machen kann, damit keiner zukünftig vom Online-Unterricht abgehängt ist. Das Fazit, das die Behörde am Mittwoch im Sozialausschuss zog, fiel allerdings ernüchternd aus. Denn ein solcher Zuschuss würde bedürftigen Familien finanziell nicht helfen, weil das Geld auf die Sozialleistungen angerechnet würde.

Das Landratsamt hatte in einer Kurzbefragung unter den Schulen im Landkreis zunächst den Bedarf an Leihgeräten ermittelt. Es beteiligten sich 71 Einrichtungen (67 Prozent), 49 von ihnen benötigten insgesamt 1073 Geräte, um noch nicht versorgte Schüler technisch auszustatten. 331 Endgeräte seien bereits entliehen worden. Zumeist handelte es sich dabei um Tablets aus den iPad-Klassen, die nur während der Corona-Pandemie zur Ausleihe bereit stünden. Zudem schämten sich viele Schüler, das Fehlen eines Geräts offenzulegen. Auch scheitere die Nutzung eines Leihgeräte mitunter an fehlenden Internetanschlüssen. So sind etwa in den 26 Flüchtlingsunterkünften noch sechs ohne Wlan. Den größten Bedarf meldeten die Mittelschulen mit 401 fehlenden Geräten. In Grundschulen würden 298 benötigt, an den Gymnasien 169, an den Realschulen 39 und an berufliche Schulen 125.

Der Landkreis könnte nun einen eigenen Verleihpool aufbauen. Damit müsste die Bedürftigkeit allein gegenüber dem Verleiher, nicht aber gegenüber der Schule nachgewiesen werden. Bei etwa tausend benötigten Geräten müsste der Landkreis dafür mit einer Investition von 500 000 Euro rechnen. Der Zeitaufwand wäre groß, eine europaweite Ausschreibung notwendig, gab die Verwaltung zu bedenken.

So bleibt dem Landkreis nichts anders übrig, als die Sachaufwandsträger, also die Zweckverbände und die Gemeinden, noch einmal auf die Fördermittel aufmerksam zu machen, die der Bund und der Freistaat mit dem Digitalpakt und dem zusätzlichen Sonderbudget Leihgeräte zur Verfügung stellen. Nicht alle Schulen im Landkreis hätten solche Mittel beantragt, bei 15 der befragten Einrichtungen sei das Geld noch nicht bewilligt worden. Die kreiseigenen Schulen sind laut Landrat Christoph Göbel (CSU) allerdings schon alle versorgt. Zudem sei er bei der Bürgermeisterbesprechung mit den Rathauschefs noch einmal die Förderprogramme durchgegangen.

SPD-Kreischef Florian Schardt sah in den Zahlen vor allem die Befürchtung bestätigt, was die Krise für die Bildungsgerechtigkeit bedeute. "Das ist ein großer Missstand", sagte er. Allein die Gemeinden und Zweckverbände zu animieren, Fördergeld zu beantragen, ist ihm zu wenig. Schardt schlug vor, die Fördervereine der Schulen einzubinden und so unbürokratische Lösungen zu finden. Auch wünscht er sich Koordinatoren für die Systemadministration. Laut Landrat beschäftigt sich der Landkreis bereits mit diesem Thema, wartet aber noch ab, was Bund und Land beschließen.

© SZ vom 02.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite