Wahl des CSU-Kreisvorsitzenden:Duell der Schwergewichte

Wahl des CSU-Kreisvorsitzenden: Harmonie bei der CSU: Kerstin Schreyer-Stäblein und Florian Hahn im Gespräch mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (Mitte).

Harmonie bei der CSU: Kerstin Schreyer-Stäblein und Florian Hahn im Gespräch mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (Mitte).

(Foto: Claus Schunk)

Wer wird Nachfolger von Ernst Weidenbusch als CSU-Kreisvorsitzender? Vor der Kampfabstimmung am Mittwoch zwischen Kerstin Schreyer-Stäblein und Florian Hahn herrscht Spannung in der Partei. Deren Mitglieder sind zum Schweigen verdonnert.

Von Stefan Galler und Iris Hilberth

Normalerweise ist es in der CSU völlig unüblich, sich mit der SPD zu vergleichen. Wie ihr einstiger großer Vorsitzender Franz Josef Strauß lebt auch die heutige Generation der Schwarzen nach dem Motto: Die ignorieren wir noch nicht einmal. Doch nun steht nur wenige Wochen, nachdem die Sozialdemokraten im Landkreis eine neue Vorsitzende gewählt haben, diesen Mittwoch auch an der Spitze der Kreis-CSU ein Wechsel ins Haus, und die Entscheidung darüber fällt - ungewöhnlich genug für die Partei - ebenfalls in einer Kampfabstimmung; in dieser Situation spricht einer der führenden Köpfe der Christsozialen im Landkreis München aus, was sich insgeheim alle denken: "So wie das bei den Sozis gelaufen ist, soll es bei uns sicher nicht werden."

Der Wettstreit zwischen Bela Bach und Annette Ganssmüller-Maluche um den SPD-Kreisvorsitz ist offenbar ein nachhaltig abschreckendes Beispiel für die Christsozialen: Auf dem Parteitag Anfang März im Hofbräukeller hatten sich geradezu Gräben aufgetan zwischen den Anhängern der beiden Kandidatinnen. Es entbrannte ein heftiger Richtungsstreit darüber, ob die Partei auf die 24-jährige Bela Bach oder lieber die erfahrene Kreisrätin und ehemalige Landratskandidatin Ganssmüller-Maluche setzen sollte. So etwas soll in der CSU nicht passieren.

Schweigen ist daher oberstes Gebot vor der Entscheidung über die Nachfolge von Ernst Weidenbusch. Und genau deswegen bleibt auch der zitierte CSU-Politiker in Deckung. Offiziell will er nichts gesagt haben. Die Strategie ist klar vorgegeben, und sie gilt nicht nur für die beiden Kandidaten, Kerstin Schreyer-Stäblein und Florian Hahn, sondern für alle CSU-Repräsentanten: Schmutzige Wäsche wird nicht gewaschen, Wahlkampf ist strengstens untersagt, das Duell um den Kreisvorsitz soll so kuschelig und reibungslos wie möglich ablaufen.

Die Ausgangslage bei der CSU ist aber auch eine völlig andere: Zu ähnlich sind sich die beiden Nachfolgekandidaten für Ernst Weidenbusch, der den Vorsitz nach zwölf Jahren abgibt, in ihrem politischen Werdegang und auch, was ihre Wertschätzung innerhalb der Partei angeht. Auf der einen Seite Florian Hahn, 41, langjähriger JU-Kreisvorsitzender, Gemeinderat in Putzbrunn zwischen 1996 und 2010, bis 2012 auch Ortsvereinsvorsitzender, seit 2005 im Bezirksvorstand und seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags. Auf der anderen Seite Kerstin Schreyer-Stäblein, 43, langjährige Vorsitzende der Kreis-Frauen-Union, Gemeinderätin in Unterhaching zwischen 1996 und 2006, Kreisrätin, Landtagsabgeordnete seit 2008, inzwischen stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende der CSU-Familienkommission.

Schreyer-Stäblein hat Erfahrung mit Kampfabstimmungen

Dennoch oder vielmehr gerade deshalb wird spannend, wer sich am Ende durchsetzen kann: Hahn, machtorientiert, zielstrebig und doch stets um Sachlichkeit bemüht, oder Schreyer-Stäblein, die schon mancher männliche Parteikollege unterschätzt hat. Etwa der frühere Pullacher Bürgermeister Stefan Detig, der sich 2007 auf eine Kampfabstimmung gegen sie um die Landtagskandidatur im südlichen Landkreis einließ und überraschend scheiterte. Detig trat daraufhin von allen Ämtern zurück und beendete seine politische Karriere.

Doch auf dem Weg ins Maximilianeum musste Schreyer-Stäblein noch einen weiteren innerparteilichen Felsbrocken auf die Seite räumen: Plötzlich meldete der damalige Staatssekretär Georg Fahrenschon seine Anwartschaft, protegiert von Ernst Weidenbusch, der damals schon an der Spitze des CSU-Kreisverbandes stand. Und wiederum setzte sich die Unterhachingerin gegen einen männlichen Kontrahenten durch. Sie wusste die geballte Macht der Frauen-Union hinter sich. Deren lautstarker und wenig diplomatischer Protest brachte die starken Männer zum Umdenken. Schreyer-Stäblein blieb Spitzenkandidatin und gab sich bei der Landtagswahl keine Blöße.

Wird Florian Hahn der dritte CSU-Mann, der sich an Kerstin Schreyer-Stäblein die Zähne ausbeißt? Ihre Anhänger rechnen damit: Die Abgeordnete sei derzeit die mit Abstand prägendste Frau im politischen Alltag der CSU München-Land, argumentieren sie. Bei der Versammlung an diesem Mittwoch dürfte sie zudem die weiblichen Delegierten hinter sich vereinen. Schreyer-Stäblein ist zudem gut vernetzt in der Partei, etwa mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Dazu kommt ihr Standortvorteil: Während Hahn viel Zeit in Berlin verbringen muss, ist Schreyer-Stäblein als Landespolitikerin stets nah am Puls des Kreisverbandes.

Für Hahns Fans ist das indes kein Argument: "Wie oft muss denn die Feuerwehr ausrücken, wenn es in der Kreis-CSU brennt?", fragt ein Hahn-Sympathisant, der nur für diesen seltenen Fall den Kreisvorsitzenden beim Löschen für unersetzlich hält. Der Hahn-Intimus räumt aber auch ein: "Wenn das ein Argument sein soll, dann muss man zugeben, dass Florian diese paar Stunden Vorsprung, die Kerstin hat, nicht aufholen kann."

Dass es überhaupt zu einem Duell um den Kreisvorsitz kommt, ist fast eine Sensation. Die CSU ist nicht unbedingt dafür bekannt, es gerne auf Kampfabstimmungen ankommen zu lassen. Zwar hat es in der Vergangenheit immer wieder mal parteiinterne Zweikämpfe um Posten gegeben - siehe die Landtagskandidatur von Kerstin Schreyer-Stäblein - doch im Prinzip ist es den Christsozialen lieber, Personalfragen vorab intern zu klären, um nach außen Einigkeit zu demonstrieren. So war Ernst Weidenbusch, als er 2003 Engelbert Kupka als Kreisvorsitzenden ablöste, als einziger zur Wahl gestanden. Und auch in den Jahren danach hat sich der Kreisvorsitzende nie einem Gegenkandidaten stellen müssen.

Keiner ließ sich zur Aufgabe bewegen

Auch dieses Mal hat man in der CSU lange gehofft, dass einer der beiden Bewerber noch vor der Wahl verzichten würde. Als Schreyer-Stäblein und Hahn im Januar ihr Interesse am Chefposten bekundeten, hieß es aus dem Vorstand zunächst noch: abwarten, ob es dabei bleibt. Bei einer Vorstandssitzung im März konnte allerdings offenbar keiner der beiden zum Verzicht bewogen werden. Was erreicht wurde, war allein die Abmachung, sich nicht mehr öffentlich zur Doppelkandidatur zu äußern und glaubhaft zu versichern, das Duell verlaufe sehr harmonisch.

Anders als bei den Sozialdemokraten gibt es auch offiziell keine Wahlempfehlung seitens des Vorstands. Beide Kandidaten werden am Mittwoch in der Kreisdelegiertenversammlung in Aschheim ihre Bewerbungsrede halten. Anschließend entscheiden die Delegierten in geheimer Wahl. Ausgang ungewiss.

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