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Landkreis bessert bei MVV-Reform nach:Das Jahresticket wird billiger

Der Zuschuss zum MVV-Abo, mit dem die Tarifreform nachgebessert wird, passiert den Kreistag. Ein Vorstoß der SPD, auch Wochen- und Monatskarten zu subventionieren, scheitert dagegen.

Nun ist es amtlich: Der Landkreis München wird mit dem Start der MVV-Tarifreform am 15. Dezember allen Besitzern einer Jahreskarte, welche die Geltungsbereiche Zone M + Zone 1 sowie Zone M + Zone 2 umfasst, den Differenzbetrag zum M-Ticket rückwirkend erstatten. Das heißt: Künftig können alle Einwohner des Landkreises für 522 Euro im Jahr nach München fahren, nicht nur jene, die in den Gemeinden wohnen, die zur neuen M-Zone gehören.

Die Kostenerstattung kann für alle Zeitkarten (Isar-Card, Isar-Card 9 Uhr, Isar-Card 65, Isar-Card Job, Ausbildungstarif I und II) jeweils zum Jahresende beantragt werden. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass die Fahrkarteninhaber ihren Erstwohnsitz im Landkreis und ein MVV-Jahresabo abgeschlossen haben.

"Mit der Bezuschussung der Jahreskarten und der Jahresabos schaffen wir einen Anreiz, dauerhaft auf den ÖPNV umzusteigen und gewinnen wichtige Erfahrungswerte für die MVV-Tarifentwicklung", hob Landrat Christoph Göbel (CSU) in der Kreistagssitzung am Montag im Landratsamt hervor. Die vom Kreis beschlossene und zunächst auf zwei Jahre befristete Zuzahlung sei ein Schritt zu der von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) anvisierten "Flatrate"; also einem Preis für den gesamten Tarifraum, etwa ein 365-Euro-Ticket. "Langfristig erwarte ich mir eine solche Flatrate für den gesamten und möglichst auch noch erweiterten MVV-Raum", sagte Göbel, der die Ausdehnung des MVV auf weitere Landkreise als "dringend notwendig" bezeichnete.

Fahrscheinautomat in München, 2018

Für 522 Euro im Jahr können alle Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises in Zukunft nach München fahren.

(Foto: Florian Peljak)

Obwohl bis auf Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) alle Kreisräte für die Bezuschussung stimmten, gab es dennoch eine erbitterte Diskussion - nämlich darüber, ob auch Monats- oder gar Wochentickets subventioniert werden sollen. Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) argumentierte leidenschaftlich dafür: "Nur die Leute mit Jahreskarten denjenigen in der M-Zone gleichzustellen, greift meiner Meinung nach zu kurz, wenn wir den ÖPNV deutlich stärken wollen, schließlich ersaufen wir im Verkehr, insbesondere im Norden", sagte Greulich und forderte, dass auch kurzfristig gültige Tickets bezuschusst werden sollten.

"Wir müssen auch Saisonarbeiter begünstigen"

"Wir müssen auch Saisonarbeiter begünstigen und wir sollten diejenigen, die im Winter wegen des Wetters nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können, dazu bringen, sich statt eines Autos ein MVV-Ticket zu kaufen", so der SPD-Politiker. SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Lenz-Aktas forderte, die Landkreisverwaltung solle prüfen, welche Mehrkosten dadurch auf den Landkreis zukämen. Alleine die Subventionierung der Jahresabos kostet den Kreis jährlich 5,7 Millionen Euro zusätzlich zu den 3,8 Millionen, die er anteilig an den Kosten der Tarifreform zu tragen hat.

Der Landrat widersprach vehement: "Was wollen wir denn erreichen? Doch nicht, dass derjenige, der einmal fährt, das günstiger tun kann. Sondern dass ein dauerhafter Umstieg auf den MVV erfolgt." Man wolle mit der Kostenerstattung auch eine verkehrspolitische Lenkungswirkung erzielen. Genau das sei mit einer Bezuschussung von Monats- oder gar Wochenkarten nicht möglich. Von einer Prüfung der Mehrkosten durch die Verwaltung halte er nichts, so Göbel. "Auch Gutachten kosten Geld. Und wenn wir etwas nicht umsetzen wollen, brauchen wir es auch nicht berechnen lassen."

CSU-Fraktionsvorsitzender Stefan Schelle sprang seinem Parteikollegen zur Seite: "Mich irritiert diese Diskussion. Wir wollten es gerechter und günstiger, das haben wir mit der Erstattung der Mehrkosten bei Jahrestickets geschafft. Und jetzt wird hier zwanghaft nach Haaren in der Suppe gesucht", sagte der Oberhachinger Bürgermeister. "Wir sollten uns nicht verzetteln und dadurch das Gesamtwerk in Misskredit bringen."

Letztlich stimmte das Gremium mehrheitlich gegen den Vorstoß der SPD. Für Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich ist das nun ein Grund, das Vorhaben zumindest in seiner eigenen Gemeinde umzusetzen. "Wir haben im Gemeinderat beschlossen zu versuchen, dass der Landkreis die Mehrkosten übernimmt. Das ist nun nicht der Fall, also werden wir es selbst machen", sagte er am Rande der Kreistagssitzung. In einer der nächsten Gemeinderatssitzungen werde er das Thema auf die Agenda setzen.

Göbel hält davon wenig: "Wenn einzelne Gemeinden bei sich auch kurzfristige Tickets bezuschussen wollen, dann sollen sie das tun. Ich halte es aber nicht für sinnvoll, wenn einer elf Monate Auto fährt und dann einen Monat billiger Bahn fahren kann."