Mitten in Kirchheim:Florales im Bierzelt

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Natürlich eignet sich ein Bierzelt als Pavillon des Landkreises auf der Landesgartenschau - wenn man keine Dampfnudeln kredenzt, sondern Innovatives.

Von Michael Morosow, Kirchheim

Auf der Landesgartenschau 2024 in Kirchheim haben der Landkreis München und seine 29 Kommunen beste Gelegenheiten zu zeigen, was sie in puncto Innovation, Energie und Klimaschutz so alles draufhaben - und das an 145 Ausstellungstagen mit rund einer halben Million Besuchern. Bis dahin werden noch viele Blumen blühen und wieder verwelken, aber die Schau wirft jetzt schon ihre Schatten voraus. In der Frage, welches Gebäude, das man mitten in die blütenbunte Landschaft stellen wird, repräsentativ genug sei, um darin auch seine vielen regionalen Umwelt- und Mobilitätsprojekte anschaulich zu präsentieren, hat zuletzt die große Mehrheit im Bau- und Schulausschuss des Landkreises für einen Holzpavillon mit umgebenden Gärten votiert - zum Preis von etwa einer halben Million Euro. Das ist zwar viel Geld, bedenkt man, dass im Baumarkt Pavillons zum selbst Zusammenschrauben für einen Bruchteil dessen angeboten werden. Aber wer repräsentieren will, sollte sich dafür eine angemessene Lokation aussuchen, mit der man sich nicht blamiert.

Wenn man freilich fest nachdenkt, können einem noch viel bessere Ideen in den Kopf schießen, und Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) hat fest nachgedacht, und es schoss ihm ein genialer Blitzgedanke in den Kopf. Ergebnis seines Brainstormings, das er dem Rest des Ausschusses mit Leidenschaft vortrug: Ein Bierzelt tut's auch und wäre für 50 000 Euro Miete zu haben. Ein Bierzelt? Da schluckten viele im Ausschuss und Neubibergs Ex-Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler) fasste, nachdem er die Bedeutung der Landesgartenschau für den Landkreis betont hatte, sein Unwohlsein in einen knappen Satz: "Dafür ist ein Bierzelt nicht der richtige Rahmen." Nun aber verhält es sich bei Bierzelten genauso wie bei Pavillons - es gibt solche und solche, und wer schon einmal auf der Wiesn in einem Bierzelt gesessen hat, eine Mass mit herrlicher Blume obendrauf vor sich und unzählige Hopfengirlanden und Blumenbalkone drum herum, der muss Heyland widersprechen.

Natürlich eignet sich ein Bierzelt für eine Landesgartenschau, wenn man darin kein Bier ausschenkt, sondern den Gästen ausschließlich Florales kredenzt und ihnen zum Nachtisch Themen wie Innovation, Energie und Klimaschutz vorsetzt statt Dampfnudel mit Vanillesoße. Und da die Landesgartenschau bis in den Oktober hinein geöffnet hat, könnten die Besucher gegen Ende hin anschließend sogar noch auf die Wiesn gehen.

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