Städtebau:Zusammen wachsen und zusammenwachsen

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Städtebau: Auf dem Gelände der Landesgartenschau werden derzeit viele Bäume gepflanzt.

Auf dem Gelände der Landesgartenschau werden derzeit viele Bäume gepflanzt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In zwei Jahren findet die Landesgartenschau statt. Noch prägen Kiesflächen das Gelände, das künftig Kirchheim und Heimstetten verbinden soll. Doch derzeit werden viele Bäume gepflanzt.

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Noch ist viel Fantasie nötig, um sich auszumalen, wie die neue grüne Mitte aussehen wird, die in rund zwei Jahren Kirchheim und Heimstetten verbinden soll. Von Mai 2024 an will die Gemeinde Kirchheim die Eröffnung ihres Ortsparks 145 Tage lang mit der Landesgartenschau feiern. Auf dem mehr als zehn Hektar großen Gelände, auf dem die Grünfläche mitsamt Wald- und Wiesenbereichen sowie einem großen See entstehen soll, bestimmen aktuell aber noch vor allem weite, ausgehobene Flächen, hohe Kieswälle und Erdhügel das Bild.

Zwischen all den Baugruben lässt sich allmählich jedoch auch erahnen, wo es bald grünen und blühen wird: Seit einigen Wochen werden die Bäume auf dem Gelände der Landesgartenschau angepflanzt. Zunächst finden die Arbeiten auf den Flächen statt, auf denen während der Großveranstaltung die Ausstellungsbeiträge unter anderem über die Themen Gartengestaltung, Umweltschutz und grüne Mobilität informieren werden.

Städtebau: Noch sieht es auf dem Gelände relativ kahl aus.

Noch sieht es auf dem Gelände relativ kahl aus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mehr als 1100 Pappeln habe man innerhalb von zwei Wochen in diesen Bereichen gepflanzt, erläutert Andreas Precht, der bei der Kirchheim 2024 GmbH für Ausstellung und Betrieb der Gartenschau zuständig ist. Auf niedrigen Wällen stehen unweit der Baustelle für das Gymnasium die noch kleinen, kahlen Bäume ordentlich nebeneinander. Ein Bagger hebt zwischen den Baumreihen Erde aus, drei Arbeiter helfen mit Schaufeln. Weiße Plastikringe sind um die einzelnen Baumstämme herum befestigt, daraus tröpfelt Wasser.

"Die Bewässerungsanlage stellt sicher, dass die Bäume unabhängig von trockenen Phasen in den nächsten zwei Jahren gut wachsen", sagt Maximilian Heyland, Geschäftsführer der Kirchheim 2024 GmbH. "Sie ergeben dann ein Blätterdach, unter dem man durchgehen und die Ausstellungsbeiträge anschauen kann." Das schattenspendende Grün hat nicht nur ästhetische Gründe, sondern auch praktische, wie Precht hinzufügt: Etwa vier bis fünf Grad kühler soll es im Sommer unter den Bäumen werden - bei heißen Temperaturen eine angenehme Erfrischung.

Ein Teil der Bäume wird nach der Großveranstaltung abgeholzt und verheizt

Während der Landesgartenschau soll auf einer der Ausstellungsflächen der "Garten der Zukunft" Platz finden, wie Precht erzählt, ein Bereich, der von Studenten aus Weihenstephan gestaltet wird. Nach der Schau jedoch ist an dieser Stelle die Erweiterung des Seniorenzentrums geplant. Wohin dann also nach 2024 mit den nun hier gepflanzten Pappeln? "Die Bäume liefern klassisches Energieholz", erläutert Heyland. "Wir brauchen nachwachsende Rohstoffe, das ist ein brandaktuelles Thema. Das Holz dieser Bäume kann zum Beispiel für Hackschnitzel genutzt werden." Durch deren Verbrennung werde Energie gewonnen. Das Holz der Kirchheimer Bäume könne somit einen Beitrag dazu leisten, von fossilen Energieträgern unabhängiger zu werden.

Städtebau: In einem bestehenden Waldgebiet werden einzelne Pflanzen und Bäume freigelegt und bewahrt.

In einem bestehenden Waldgebiet werden einzelne Pflanzen und Bäume freigelegt und bewahrt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Auch an anderer Stelle lassen sich langsam die Veränderungen erahnen, die die Landesgartenschau mit sich bringt. Besonders gut sichtbar sind sie etwa an der ehemaligen Hauptstraße: Wo noch vor wenigen Monaten Autos über den Asphalt fuhren, befindet sich nun nur noch ein breiter, hügeliger Kiesweg. Auch der parallel verlaufende Fuß- und Radweg wurde aufgelöst, hier entsteht das Ufer des großen Parksees. Dessen Umrisse sind bereits grob zu erkennen, eine weitläufige Grube zeigt an, wo später Wasser aufgefüllt wird. Im Bereich des Sees soll es die meisten Neupflanzungen geben, wie Geschäftsführer Heyland sagt. Im gesamten Park sollen seinen Angaben zufolge Stück für Stück fast 800 neue Bäume gepflanzt werden, die anders als die Pappeln auf den temporären Ausstellungsflächen auch nach der Landesgartenschau dauerhaft erhalten bleiben. Die Arbeiten dafür sollen noch diesen Herbst beginnen.

Damit die Kirchheimer lange Freude an diesen neuen Bäumen haben, entschieden sich die Planer für ein besonderes Pflanzkonzept mit dem Namen "Gemischtes Doppel": Heimische Baumarten werden dabei im Wechsel mit sogenannten Klimabäumen gepflanzt, die den Herausforderungen des Klimawandels laut Heyland besonders gut gewachsen sein sollen. "Diese Arten sind zum Beispiel resistenter gegen Trockenheit." Unter anderem der Spitzahorn, die Weißesche und die Zerreiche zählen dazu, doch auch exotischere Arten wie der Urweltmammutbaum oder der persische Eisenholzbaum gelten als besonders zukunftsfähig und werden den Kirchheimer Ortspark schmücken. "Wir brauchen robuste Bäume, die auch in 30 oder 40 Jahren noch Bestand haben", sagt Heyland. Immerhin soll die neue grüne Mitte zwischen Kirchheim und Heimstetten die beiden bisher getrennten Gemeindeteile nachhaltig zusammenwachsen lassen.

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