Wirtschaft:Ein Prosit auf die Region

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Wirtschaft: Vorschusslorbeeren: Michael Fauth (li.) und Maximilian Heinik sollen mit ihrem Zehmerbräu die Gäste auf der Landesgartenschau 2024 verköstigen.

Vorschusslorbeeren: Michael Fauth (li.) und Maximilian Heinik sollen mit ihrem Zehmerbräu die Gäste auf der Landesgartenschau 2024 verköstigen.

(Foto: Claus Schunk)

Zur Landesgartenschau 2024 werden zwei Kirchheimer das Bier liefern. Bis dahin müssen die beiden Schulfreunde aber erst noch die Produktionsstätte ihres "Zehmerbräu" fertiggestellt bekommen.

Von Joshua Sans, Kirchheim

Der Geruch von Holz und Beton liegt in der Luft. Max Heinik und Michael Fauth stehen in ihrer fast fertig gebauten Brauerei in Kirchheim bei München. Die kurzen Hosen, Hoodies und Sneaker der jungen Bierbrauer sind voll von Baustellenstaub. Hier sollen bald pro Jahr 130 000 Mass ihres Zehmerbräus hergestellt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt wird hier noch kein Bier gebraut und trotzdem konnten sich Heinik und Fauth bei der Getränkeausschreibung für die erste bayerische Landesgartenschau im Landkreis München gegen einige andere Brauereien durchsetzen. 2024 wird die neu gegründete Lokalbrauerei auf der Landesgartenschau in Kirchheim alle bierhaltigen Getränke ausschenken.

Regionalität ist den Veranstaltern der Landesgartenschau Kirchheim wichtig. "Kurze Wege, niedrige Transportkosten, regionale Zutaten, nachhaltige Produktionsprozesse und die Möglichkeit, persönlicher Absprachen vor Ort, halten den CO₂-Ausstoß gering", heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Daher überrascht es kaum, dass sich Zehmerbräu bei der Getränkeausschreibung durchsetzen konnte. Denn die Brauer aus Kirchheim wollen bei der Herstellung ihrer Produkte auf Regionalität achten. Die benötigten Rohstoffe, Wasser und Gerste, sollen aus der Umgebung kommen. Aber nicht nur die Zutaten kommen aus der Region, auch die Kunden sollen im Umkreis von Kirchheim beheimatet sein. "Wir wollen nicht nach Amerika exportieren", sagt Fauth und lacht.

Kennengelernt haben sich Max und Michi, wie sie sich auf ihrer Website selbst vorstellen, mit zwölf Jahren über gemeinsame Freunde. Die Idee, eine Brauerei zu eröffnen, kam den beiden allerdings erst wesentlich später, als sie sich während ihrer Ausbildung zum Brauer in der Berufsschule öfters über den Weg gelaufen sind. Max Heinik, waschechter Kirchheimer, kam über ein Schulreferat, das er über den Brauberuf gehalten hat, auf den Gedanken, selbst Brauer zu werden. "Bier fand ich cool, im Büro habe ich mich nicht gesehen", erzählt er. Als er nach der Schule vor der Berufswahl stand, erinnerte sich der 29-Jährige an das Referat und absolvierte verschiedene Praktika, bis er schließlich bei der Forschungsbrauerei Weihenstephan in Freising landete. Die Brauerei steht dem Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnik der Technischen Universität München als Lehr- und Forschungsbetrieb zur Verfügung. "Ich hatte früh die Möglichkeit, Rezepte auszuprobieren", sagt Heinik über seine Zeit in der Forschungsbrauerei.

Wirtschaft: Im Bau: Noch ist die neue Brauerei nicht ganz fertiggestellt.

Im Bau: Noch ist die neue Brauerei nicht ganz fertiggestellt.

(Foto: Claus Schunk)

Nach seiner Zeit in Freising ging es für ihn nach Südamerika. In der chilenisch-deutschen Brauerei Kunstmann vertiefte er seine Braukenntnisse. Anschließend absolvierte er die Meisterschule in Gräfelfing. Nun wartet der Braumeister und Betriebswirt darauf, endlich sein eigenes Bier brauen zu können.

Michael Fauth machte seine Ausbildung zum Brauer und Mälzer bei Hofbräu München, wo er anschließend eineinhalb Jahre lang arbeitete. Nachdem er eigentlich studieren wollte, aber die Einschreibefrist verpasst hatte, musste ein anderer Plan her: "Ich habe mich dann auf gut Glück bei Hofbräu beworben." Auch bei ihm keimte der Wunsch, später einmal Bier zu brauen, während der Schulzeit auf. In der Oberstufe hatte er für die Privatbrauerei Schweiger in Markt Schwaben Marktforschung betrieben und sei so auf den Beruf das Brauers gekommen, wie er erzählt.

Dass die beiden vom Fach sind, merkt man, wenn sie mit leuchtenden Augen von der Braukunst erzählen. Im kleinsten Detail erklären sie den Prozess des Bierbrauens, der für Laien am einfachsten so beschrieben werden kann: Zunächst werden Gerste und Wasser in speziellen Tanks unter Hitze vermischt. Die so entstandene Maische erhält in weiteren Schritten ihre spezielle Würze, bis sie anschließend unter der Zugabe von Hefe zum Gären gelagert wird. Dabei variieren einzelne Zutaten, das Verhältnis der Ingredienzen sowie die Gärungszeit je nach Biergattung und -sorte.

Während man an der Bar das Bier probieren soll, kann man die Brauanlage nebenan beobachten

In der noch nicht fertiggestellten Zehmerbrauerei soll man zukünftig die Brauanlage sogar betrachten können, während man an der Bar die Erzeugnisse aus eben jener Anlage probiert. Der Keller der Brauerei, der wegen der vielen glänzenden Metalltanks ein wenig an das Drogenlabor aus "Breaking Bad" erinnert, dient der Lagerung des Biers nach dem Brauen. Die hochprofessionelle Anlage hat nur wenig mit dem zu tun, was sich die beiden Brauer am Anfang ihrer gemeinsamen Idee vorgestellt haben. Ursprünglich wollten sie in Eigenarbeit einen 200-Liter-Tank zum Brauen zusammenschweißen. Aus dieser Idee ist nach und nach die Brauerei entstanden, in der die beiden Jungunternehmer nun stehen. Amüsiert und stolz von den Ausmaßen, die ihr Vorhaben seitdem angenommen hat, lachen die beiden.

Auch wenn es das finale Produkt der Brauerei noch nicht zu kaufen gibt, konnten ein paar glückliche Kirchheimer das Zehmerbräu schon testen. Für das Kirchheimer Dorffest 2022 ließen die beiden Brauer ihre Rezeptur von der Tölzer Mühlfeldbrauerei in Flüssiges umwandeln. Auch bei dem Richtfest ihrer eigenen Brauerei gab es das Gebräu bereits zu probieren. Bei dieser Gelegenheit hat das Duo seine Rezeptur nach eigenen Angaben noch einmal verbessert. Wer sich davon überzeugen möchte, ob das gelungen ist, muss sich noch etwas gedulden. Ab Oktober soll das erste Zehmerbräu in Kirchheim gebraut werden. Wenn alles gut läuft, gibt es ab November, vorerst nur vor Ort, Helles und Weißbier zu kaufen.

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