Baierbrunn Krickelkrakel ist auch Kunst

Im Kuba, dem Kunstraum Baierbrunn, können Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Vor drei Jahren hat Künstlerin Tanja König das Projekt in der Alten Post gestartet, jetzt wird das Haus saniert und sie sucht neue Räume.

Von Claudia Wessel

Mattis geht die Sache ganz ruhig an. Erst mal ist da der Eisbär, der dank der Schablone super echt aussieht. Er steht am unteren Bildrand und guckt nach links. Farbe ist noch nicht gefragt. Ein Eisbär ist ja schließlich auch weiß und umgeben von Schnee. Während es um Mattis herum wuselt vor Kindern und heute auch zahlreichen Müttern, vertieft er sich in seine Arbeit. Ganz nach dem Motto, das hier in dem Raum ganz oben in der Alten Post an der Wand hängt: "Kunst braucht Zeit braucht Kunst".

Jetzt kriegt der Eisbär erst mal Haare. Ja, eine kleine Reihe von kurzen Stachelhaaren quer über seinen Rücken. Vielleicht stehen sie ihm ja zu Berge wegen der schmelzenden Gletscher. Einen Eisberg kriegt der Bär dann aber auch noch zu seiner Linken, in Blau. Dann, in einer Mal-Pause, beginnt er Salzbrezn zu naschen, die auf dem Tisch stehen.

Zu Besuch im "Kuba" in Baierbrunn an einem Donnerstag Nachmittag. Ku und Ba stehen für "Kunstraum Baierbrunn", ein Kinderatelier. Gegründet hat dieses vor drei Jahren Tanja König. Weil die Alte Post, in der sie ganz oben einen Raum gemietet hat, demnächst saniert wird, sucht sie jetzt neue Räume. König ist Künstlerin, 1969 in München geboren und in Baierbrunn aufgewachsen. Seit vielen Jahren gibt sie Mal-Workshops in ganz München und gestaltet Wände nach Auftrag. Von der Grundschule Baierbrunn wird sie oft eingeladen, um Projekte mit den Kindern zu veranstalten - so kam es auch zur farbenfrohen Bemalung der Pausenhofwand oder der Leinwände für die Bibliothek. Auch das Schulhausschild entstand bei einem Projekt mit einer vierten Klasse.

Vor drei Jahren suchte König ein Atelier. Eigentlich vorrangig für sich selbst, um zu malen und zu arbeiten. Nur nebenbei wollte sie dort auch Kinderkurse anbieten, erzählt sie. "Dann hat das Kinderding so eingeschlagen, dass ich nichts anderes mehr machen konnte", berichtet sie lachend. 42 Kinder zwischen vier und 13 Jahren besuchen inzwischen regelmäßig ihre Kurse, in denen vor allem eins wichtig ist: Die Kinder dürfen sich frei entfalten. Eine Methode, die sich ein wenig anlehnt an den französischen Maler Arno Stern, der Malorte schafft. Aber die Freiheit für die Kinder ist auch Königs eigene Idee.

"Es hat eine Weile gedauert, bis die Kinder ihre Freiheit erkannt haben", sagt König. Anfangs haben sie Tanni, wie sie sie nennen, immer noch Dinge gefragt wie "Darf ich den Kreis so herum malen?" oder "Was soll ich jetzt machen?" Dass sie malen oder töpfern können, was ihnen gefällt, haben sie dann langsam begriffen. Mattis hat das seiner Mutter und anderen Kindern dann so erklärt: "Bei Tanni darf man auch Krickelkrackel malen." Denn Krickelkrackel kann genauso Kunst sein wie symmetrisches Zeichnen und deshalb hängt hier alles voller Bilder, die wertgeschätzt werden, etwa an einer Wäscheleine quer durch den Raum und an der Wand. Jedes Kind hat seinen Stil, wie man auch an dem Nachmittag beobachten kann.

Mehrere Mädchen haben sich mit einer Schablone einen Schmetterling auf ihr Blatt gezeichnet. Dann aber entstehen völlig verschiedene Bilder. Bei Linn, 7, kriegt der Schmetterling Flügel mit ganz schmalen Streifen, abwechseln in Grün und in Lila. Linn hat da ganz viel Geduld. Ihre Nachbarin Josefine, 7, mag lieber große Farbflächen. Ihr Schmetterling hat dicke Flecken in verschiedenen Farben.

Die vielen Mütter sind heute gekommen, um zu sagen, wir sehr sie sich wünschen, dass es mit dem Kuba weitergeht. "Das Malen ist etwas, das Lena nie ausfallen lässt", sagt Sabine Jochens über ihre zwölfjährige Tochter. Annika Lailach freut sich, dass Malen hier keine Mädchensache ist, sondern auch viele Jungs dabei sind und gerne kommen. Ihr Sohn Philipp, 7, hat beispielsweise das "Verrückte Monster für Tania" gemalt, das oben an der Wäscheleine hängt und aussieht wie ein Tintenfisch mit Riesenzähnen. "Weil Tanja so ein Freigeist ist", gefällt es Dagmar Zehetmayer hier für ihre beiden Kinder. "Bei beiden habe ich gesehen, wie sie sich weiter entwickelt haben." Mattis habe anfangs ganz düster gemalt, erst später kamen auch andere Farben hinzu. Das kann man auch an seinem heutigen Kunstwerk mit dem Eisbären beobachten. Plötzlich kommt oben eine knallgelbe Sonne hin und dann ein Himmel aus Pink, Lila, Gelb, Grün und weiteren grellen Farben, eine Art Polarlicht. An den Eisberg kommt dann noch ein Schild, auf das Mattis seinen Namen schreibt. Stolz auf sich sein gehört hier auch selbstverständlich dazu.

Wer einen Raum in Baierbrunn oder Buchenhain zu vermieten hat, er kann auch klein sein, wende sich an Tanja König Telefon 0176/65 00 18 95 oder www.toozit.de