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Kunstausstellung:Poetische Weltreise durch Wunderland

Roland Fürstenhöfer präsentiert Eindrücke aus verschiedenen Kulturen mit feinsinnigem Humor. Er stellt seine Bilder und Grafiken in der Galerie im Schlosspavillon in Ismaning aus

Von Irmengard Gnau

In den 71 Jahren seines Lebens hat Roland Fürstenhöfer viele Länder gesehen. Zwei größere Reisen macht der gebürtige Fürther üblicherweise jedes Jahr, im Januar und Februar erst besuchte er den Oman. "Fernweh hatte ich schon als Kind", sagt Fürstenhöfer. Als Jugendlicher musste er sich die weite Welt noch durch Bücher erschließen, bevor er seine Neugier schließlich in realiter stillen konnte. 1978 führte ihn die erste große Reise nach Mittelasien. Usbekistan, Tadschikistan und das heutige Kirgisistan beeindruckten ihn mit unbekannten Landschaften, Formen und Farben. Diese Eindrücke und alle weiteren, die über die Jahre hinzugekommen sind, bewahrt Fürstenhöfer nicht nur in seinem Gedächtnis, er nimmt Betrachter mit auf seine Reisen, in kolorierten Farbradierungen und Malereien. Eine Auswahl seiner Arbeiten ist noch bis 20. September in der Galerie im Schlosspavillon zu sehen.

In jedem der oft kleinformatigen Bilder ist die Begeisterung zu spüren, mit der Fürstenhöfer seinen Motiven begegnet. Aus den Drucken sprechen die Formen und Farben des Orients, geheimnisvolle Pflanzen ranken sich durch märchenhafte Landschaften. "Überall ist Wunderland" lautet der Titel der Ausstellung, und dieses Wunderland breitet Fürstenhöfer aus. Das kleine Format drängt dazu, sich auf sehr kurze Distanz zu nähern, geradezu körperlich einzutauchen in die Szenerie. So meint man, die Geräusche des Basars herüberrauschen zu hören, das Segel des Bootes flattern zu sehen, das da gerade den Nil hinunterschippert. Die Formen des Orients finden sich vielfach in Fürstenhöfers Werk, aber auch von China und der Kultur der nordamerikanischen Indianer ist der Künstler sichtlich inspiriert. Beinahe überraschend kontrastiert diese Exotik plötzlich eine "Fränkische Idylle", die Fürstenhöfer nicht weniger wohlwollend skizziert.

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Seine Reisen brachten Roland Fürstenhöfer nach China, Mittelasien oder in den Orient und sogar bis zum "Kiosk am Ende der Welt" (links). Seine Eindrücke inspirieren den Künstler zu seinen detailreichen Farbradierungen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Fürstenhöfers Stil ist heiter, liebevoll, voller Fantasie. Manche Ansicht gleicht einem stilisierten Wimmelbild, auf dem mit jeder Betrachtung neue Details zum Vorschein kommen. Dabei wandert Fürstenhöfer zwischen dem feinen Strich eines Illustrators und poetischen Stimmungen, die er mit warmen Farben auf dem Pinsel zu erzeugen weiß. Seine poetische Bildsprache spricht Alte wie Junge an - wie passend, dass er mehrere Kinder- und Jugendbücher illustriert hat, darunter auch eine Kinderbibel. Doch auch das Augenzwinkern kommt nicht zu kurz: Mancher Bildtitel lässt einen feinen, trockenen Humor aufblitzen. Die aktuelle Pandemie kommentiert er mit einem "Corona-Beach" - natürlich gesperrt - welchen er kurzerhand samt Palmen aus der Südsee nach Mitteldeutschland versetzt hat.

Den Wunsch, Künstler zu werden, verspürte Fürstenhöfer bereits als Jugendlicher. 1968 folgte er seiner älteren Schwester Barbara an die Kunstakademie Nürnberg. Nach dem Ende seines Studiums 1972 machte sich Fürstenhöfer als freischaffender Künstler selbständig. Eine seiner ersten Ausstellungen hatte der gebürtige Fürther in der Galerie Günther Franke, die sich damals in der Münchner Maximiliansstraße befand. Inzwischen waren seine Arbeiten in vielen europäischen Ländern, Australien und den USA zu sehen.

Roland Fürstenhöfer studierte an der Kunstakademie Nürnberg. Heute lebt der freischaffende Maler in Pöttmes bei Aichach.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Arbeitete er zunächst viel mit Kaltnadelradierungen, ging der Fürther bald zur Ätztechnik über. Auf eine Kupferplatte trägt er Asphalt oder Asphaltstaub auf, in welchen er mit einem feinen Stichel seine Motive ritzt. Mit Hilfe eines Säurebades werden die Linien eingeätzt, schließlich trägt der Künstler Farbe auf und druckt das Bild auf Papier. Jede Radierung koloriert Fürstenhöfer danach noch von Hand, jedes Stück wird so ein Unikat. Diese Technik zwingt nicht nur den späteren Betrachter, sondern auch den Künstler selbst, ganz nah am Bild zu sein. Eine Methode, die den Augen auch mit fortschreitenden Jahren entgegenkommt, wie Fürstenhöfer mit einem Schmunzeln sagt.

Neben den Farbradierungen, die einen Großteil der Ismaninger Ausstellung darstellen, hat Fürstenhöfer auch mit anderen Materialien experimentiert. Es finden sich Mischtechniken auf Papier, Leinwand und Holz in seinem Werk, auch Collageelemente. Zudem endet das Motiv nicht an der Papierkante, Fürstenhöfer lässt vielmehr sein Material nach dem Inhalt wachsen: Blumen sprießen in alle Richtungen, architektonische Ornamente zieren die Bildkanten des "Hammam Ali" und verleihen dem Werk so eine dritte Dimension. Menschen stehen in Fürstenhöfers Arbeiten selten im Mittelpunkt, und wenn, gibt ihnen der Künstler oftmals etwas Karikaturenhaftes. Dennoch ist jede Landschaft belebt, atmet jede Wüste und jedes Grün die Gegenwart des Menschlichen. Hauptdarsteller aber sind die Natur, die Tiere und Weiten. Vielleicht ist dies das Geheimnis des Idylls.

Hier ist das Werk "Büchsenluder" zu sehen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Ausstellung "Überall ist Wunderland" mit Malereien und Grafiken von Roland Fürstenhöfer ist noch bis 20. September jeweils Dienstag bis Samstag von 14.30 bis 17 Uhr und Sonntag von 13 bis 17 Uhr in der Galerie im Schlosspavillon in Ismaning zu sehen. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 31.07.2020

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