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Kulturprogramme:Das Erwachen der Zuversicht

Anzing Weinbeisser

Wenn alles gut geht, wird der österreichische Kabarettist Ludwig Müller am 21. Mai in Pullach vor Publikum auftreten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Veranstalter zeigen sich verhalten optimistisch angesichts konkreterer Öffnungsperspektiven

Von Udo Watter, Pullach/Garching

Es wäre zynisch zu behaupten, manche Kulturmacher hätten es sich mittlerweile hübsch eingerichtet in ihrer Zwangspause. Vielmehr dürfte sich der ein oder andere einen mentalen Schutzpanzer zugelegt haben, um den Warte- und Schwebezustand zu bewältigen und sich gegen enttäuschte Hoffnungen zu wappnen. Wenn jetzt die unerwartet zeitnahe Aussicht auf Öffnung von Theatern oder Kino in Bayern lockt, so mutet das fast ein bisschen wie ein Schock an: "Wir liegen im Koma und die wecken uns", formuliert es augenzwinkernd Hannah Stegmayer, Leiterin des Bürgerhauses Pullach, und lacht.

Sie war "verblüfft" über die Ankündigung einer schnellen möglichen Öffnung von kommender Woche an - die Bedingung ist eine stabile Inzidenz unter 100 (fünf Tage in Folge) - und auch wenn nicht jedes Detail der Konditionen klar ist, zeigt sie sich motiviert. "Wir streben an, Ende Mai noch die erste Veranstaltung zu zeigen, nämlich Ludwig Müller mit seinem Kabarett ,Witz ins Dunkel'", erklärt Stegmayer. Der in München lebende Österreicher, ist bekannt für seinen Sprachwitz und wurde 2008 mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet. Ein Live-Auftritt vor Zuschauern klingt im Moment fast surreal. "Wir nähern uns mit aller Vorsicht, nachdem wir ja wissen, wie gefährdet diese Prognosen sind", so Stegmayer. So richtig los gehen soll es dann aber nach den Pfingstferien, am 9. Juni ist der Auftritt der Musikkabarettistin Lucy van Kuhl angesetzt.

Noch ein wenig abwarten will Stefan Stefanov, Betreiber des Unterschleißheimer Programmkinos "Capitol". Er hofft auf weitere Besserung der Lage, ein stabiler Inzidenzwert unter 50 etwa, um dann möglicherweise ohne Testprozeduren und Impfpass-Kontrollen Zuschauer empfangen zu können. Während es in Pullach vor dem Bürgerhaus eine Teststation geben soll, wäre das für Stefanov und sein Team zu viel Aufwand. "Das können wir nicht leisten." Ein Kinobesuch sollte ohnehin spontan und ohne Test möglich sein. Stefanov fasst eine Öffnung seines Kinos in der zweiten Woche der Pfingstferien ins Auge. Das "Capitol", das mit der Stadt kooperiert, könnte etwa ein städtisches Kinoprogramm zeigen. Auf die Präsentation neuer, großer Filme müssen Betreiber wie er wohl noch eine Weile verzichten - zumal auch "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" mit Bully Herbig und Hape Kerkeling statt im Kino nun am 14. Mai bei Amazon Premiere hat. "Diese Entscheidung war bitter für uns. Das wäre ein Film gewesen, der generationsübergreifend das Publikum ins Kino hätte führen können." Dass die Film-Verleiher generell noch abwarten, kann er indes verstehen. "Filme entfalten sich nur bundesweit." Was er vermeiden möchte, ist nach einer Öffnung bald wieder dicht machen zu müssen: "On-and-Off-Betrieb können wir uns nicht leisten." Als Betreiber eines kleinen Lichtspieltheaters hat er es zumindest leichter als die Multiplex-Center, die wohl noch länger geschlossen bleiben mangels Blockbuster-Angebote. Glücklich mit der Politik und ihrem Umgang mit der Kulturbranche ist er indes nicht. "Wir brauchen echte Perspektiven. Regeln mit Augenmaß." Etliches sei unklar formuliert und auch das strikte Klammern an Inzidenzzahlen hält er eher für unklug. Thomas Gotterbarm, Kulturreferent in Garching, hält sich - wiewohl ein optimistischer Charakter - mit großer Zuversicht ebenfalls zurück. Ob und unter welchen Bedingungen Veranstaltungen im Bürgerhaus stattfinden können, hängt ja nicht zuletzt auch davon ab, ob Produktionen wieder auf Reisen gehen. "Kommen die überhaupt zusammen?" so Gotterbram.

Generell stellt sich zudem die Frage, ob und unter welchen Konditionen man Künstler, die von außerhalb kommen, in Hotels unterbringen kann. "Wir planen auf jeden Fall fünf Abende im Theatron im Juli" sagt Gotterbarm. Was Indoor-Veranstaltungen angeht, sei vieles noch in der Schwebe und erst in einigen Wochen klarer. Der für den 9. Juni geplante Auftritt von Kabarettist Günter Grünwald im Bürgerhaus fällt jedenfalls aus. In Oberhaching wartet das Kulturamt derzeit noch ab, bis die Inzidenzzahlen unter 50 liegen, "was vielleicht ja nicht mehr allzu lange dauert", so Volker Böhm. Er hofft, "dass wir nach den Pfingstferien wieder starten können"

Das Kleine Theater Haar und das Bürgerhaus Unterföhring sind zwei Institutionen, die schon länger regelmäßig Online-Veranstaltungen realisieren und so flexibel sein können. "Wir bleiben im Mai jetzt erst mal bei der Online-Planung", sagt Haars Theaterchef Matthias Riedel-Rüppel, "haben aber die Möglichkeit, spontan auf Hybrid-Veranstaltungen umzustellen."In Haar wird wohl auch möglich sein, sich schnell testen zu lassen. "Ich bin verhalten optimistisch und hoffe, dass wir im Juni auch Open-Air machen können", so Riedel-Rüppel. Unterföhrings Kulturamtsleiterin Barbara Schulte-Rief ist ebenfalls zuversichtlich, "was einen baldigen Einlass von Publikum im Bürgerhaus angeht". Man werde aber noch eine Weile Veranstaltungen im Livestream veranstalten und "dann gegebenenfalls als Hybrid. Also streamen, gleichzeitig die dann mögliche Publikumsanzahl einlassen und für alle, die eben noch nicht kommen können oder möchten, ein ,Sofaticket' anbieten."

Die Zuversicht steigt also im Landkreis - auch das Kallmann-Museum in Ismaning will am Dienstag, 11. Mai, die Ausstellung "Lena von Goedeke - Soil's Song" eröffnen - aber nicht nur Schulte-Rief schränkt ein: "Es müssen noch einige Details geklärt sein. Im Moment ist das eine flotte Absichtserklärung, wir benötigen aber eine etwas stabilere Situation."

© SZ vom 08.05.2021
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