Süddeutsche Zeitung

Live-Musik:"Wir haben auf jeden Fall mehr Gläser bestellt als sonst"

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Nach Corona-bedingter Pause bietet das Kulturfestival Gräfelfing am kommenden Wochenende wieder vier Tage lang Open-Air-Konzerte bei freiem Eintritt. Das neue Organisations-Team um Simon Zilker erwartet einen Besucheransturm.

Interview von Annette Jäger, Gräfelfing

Wenn der Hügel im Paul-Diehl-Park am Donnerstagabend zur Tribüne wird und sich allmählich mit Besuchern füllt, das erste Fass angezapft ist und die Auftaktband ihren Sound von der Open-Air-Bühne am Fuße des Hügels in den Sommerabend schickt, dann ist endlich wieder Kulturfestival in Gräfelfing. Das letzte fand vor vier Jahren statt, zweimal musste es pandemiebedingt ausfallen. Jetzt dürfen wieder uneingeschränkt Besucher Bayerns ältestes Open-Air-Festival besuchen - und das sind dann auch mal bis zu 30 000. Am Donnerstag, 28. Juli, um 18 Uhr ist Anstich, bis Sonntag, 31. Juli, gibt es Musik aller Genres auf vier Bühnen. Was neu ist und was das Organisationsteam in den letzten Tagen der Vorbereitung umtreibt, erzählt Simon Zilker, neuer Vorsitzender des Vereins Kulturfestival Gräfelfing im Gespräch mit der SZ.

SZ: Herr Zilker, wie fühlt es sich an, nach vier Jahren wieder eine Festival-Stadt im Park aufzubauen?

Simon Zilker: Die Vorfreude ist riesig - das gilt für alle rund 100 Helfer. Das Festival findet alle zwei Jahre statt, für 2020 war schon alles organisiert, dann haben wir frühzeitig entschieden, es doch nicht zu veranstalten. Wir konnten uns nicht vorstellen, ein Kulturfestival unter Covid-Beschränkungen durchzuführen. Im Jahr 2021 sah es auch nicht besser aus, also haben wir gar nicht erst angefangen, zu planen. Jetzt können wir endlich wieder ein Festival ohne Einschränkungen machen.

Hinter den Kulissen hat sich in der Zeit einiges getan. Sie sind mit 22 Jahren neuer Vorsitzender des Vereins Kulturfestival Gräfelfing. Was bedeutet das für das Festival?

Der gesamte Vorstand hat eine Verjüngung erfahren - darauf hat der alte Vorstand gezielt hingearbeitet. Ich habe den langjährigen Vorsitzenden Peter Klostermeier abgelöst, sein Rückzug war geplant. Wir sind im Vorstand im Durchschnitt 30 Jahre alt, ein paar langjährige Vorstandsmitglieder sind aber auch noch dabei. Ein wenig wird sich die Verjüngung auch im Programm zeigen. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal ein DJ-Zelt, in dem unter anderem Techno, House und Hip-Hop gespielt wird. Das gab es bisher nicht, und es soll vor allem junges Publikum anziehen. Am Freitag tritt zum Beispiel "Der traurige Gärtner" aus Wien auf mit Techno-Trance-Trash. Ansonsten bleibt das Kulturfestival was es ist: ein Musikfestival mit bekannten internationalen Bands und vielversprechenden Nachwuchsmusikern aller Musikgenres.

Was sind die Highlights im Programm?

Puh, das ist echt schwer, jemanden hervorzuheben, wir haben Bands aus zehn Ländern im Programm und alle sind so gut! Stolz sind wir zum Beispiel, dass Santa Salut aus Spanien bei uns ist mit Hip-Hop españiol (31. Juli). Oder die Band Di-rect aus den Niederlanden (31. Juli) deren Single "Soldier On" zur Hymne für die zu Helden erklärten Pflegekräfte und Krankenhausmitarbeiter während der Corona-Krise wurde. Sie standen damit zehn Wochen lang auf Platz eins der niederländischen Airplaycharts. Manche kommen auch öfter zu uns, zum Beispiel Pho Queue (29. Juli). Die waren 2018 schon mal da, haben einen super Sound gemacht, aber wegen der irren Hitze war der Hügel, unsere Besuchertribüne, fast leer. Die muss man gehört haben. Und dann ist auch Xavier Polycarpe mit Pop francaise wieder dabei, der brachte 2018 das Zelt förmlich zum Beben, jetzt kommt er mit einer anderen Band.

Beim Festival geht es nicht nur um Musik, sondern auch darum, alte Bekannte zu treffen, einen Familientag auf dem Gelände zu verbringen, zu essen und zu trinken. Was gibt es an Rahmenprogramm?

Das Jugendhaus organisiert ein Kinderprogramm und der Wiener Prater-Kasperl tritt mehrfach auf. Es gibt am Sonntag um 11.30 Uhr wie immer den Frühschoppen mit Musik und natürlich jede Menge zu essen, von Thai bis vegetarisch - die fleischfreie Bude ist neu - und an Getränken alles von Wein und Bier bis Cocktails. Wir werden übrigens trotz Inflation die Preise weitgehend stabil halten - das Bier kostet fünf Euro wie 2018. Auf den Verkauf sind wir dringend angewiesen. Es gilt freier Eintritt, aber die Bands erhalten natürlich Gagen und unsere Infrastruktur kostet auch einiges, das erzielen wir über den Essens- und Getränkeverkauf. Obendrein erhalten wir von der Gemeinde 15 000 Euro Zuschuss, eine Förderung aus dem Corona-Fonds der Bundesregierung und unsere Sponsoren vom ausgefallenen Festival 2020 sind zum Glück alle wieder dabei.

Was bereitet Ihnen jetzt noch Sorgen, wenige Tage vor Start?

Wir hoffen einfach, dass das Wetter mitspielt und nicht noch einige unserer Helfer Corona-bedingt ausfallen. Wir brauchen alle Hände. Wir treffen uns seit Wochen alle nur noch im Freien und passen auf. Und dann sind wir auf den Besucheransturm gespannt. Zuletzt hat sich gezeigt, dass die Leute eher ausgehungert sind nach solchen Veranstaltungen, bedingt durch die lange Pandemiepause. Wir haben auf jeden Fall mehr Gläser bestellt als sonst.

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