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Kultur im Isartal:Ein Ständchen im Treppenhaus

Schäftlarner Konzerte

Der künstlerische Leiter Michael Forster (rechts) und sein Team für die Schäftlarner Konzerte in der Klosterkirche (von links): Anja Brandstätter, Susanne Rieder und Christian Schenk.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Schäftlarner Konzerte können nur in kleinerer Besetzung stattfinden. Michael Forster bietet dennoch eine höchst interessante Saison mit Werken, die zu Unrecht vernachlässigt werden

Von Susanne Hauck, Schäftlarn

Ohne Haydn geht normalerweise beim klassikbegeisterten Publikum der Schäftlarner Konzerte rein gar nichts. Ganz vorne in der Gunst stehen die großen Sinfonien, bei denen die Musiker aus den besten Münchner Orchestern voll aufspielen können. Es soll schon böse Beschwerdebriefe gegeben haben, wenn in der Saison zu wenig Haydn auf dem Programm stand.

Weil dies aber keine normalen Zeiten sind, wird es heuer nichts mit dem Publikumsliebling. "Haydn hat halt leider nichts für kleine Besetzungen geschrieben", seufzte Michael Forster am vergangenen Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Programms, das coronabedingt mit weniger Musikern und Zuhörern auskommen muss - wenn es denn stattfinden kann. "Bei Haydn sitzen die Bläser wie die Heringe, das funktioniert nicht."

Aber allen Einschränkungen zum Trotz ist es dem Leiter der Konzertreihe gelungen, aus der musikalischen Not eine Tugend zu machen: "Es gibt einen großen Fundus an Werken, die aus verschiedenen Gründen selten gespielt werden oder zu Unrecht vernachlässigt sind." Für Forster ist die 53. Spielzeit deswegen sogar "funkelnder als sonst". Mit großem Vergnügen berichtet er von den musikalischen Perlen, die er zutage gefördert hat.

Zum Beispiel das Oktett in F-Dur von Franz Schubert, das wegen seiner Länge von fast 60 Minuten kaum im üblichen Konzertrahmen unterzubringen ist. "Dabei bahnte sich Schubert damit den Weg zur großen Sinfonie", so Forster über eines der schönsten Werke der Bläserkammermusik, das die Musiker der Bayerischen Staatsoper im Juli spielen. "Wagner privat: Ständchen im Flur" heißt das Juni-Konzert. Zur Geburt des Sohns Siegfried komponierte Richard Wagner ein eigenes Werk für seine Cosima, das "Siegfried-Idyll". Die engen Platzverhältnisse in seinem Schweizer Landhaus machten eine Kammerbesetzung notwendig und ein schnödes Treppenhaus zu einem höchst ungewöhnlichen Uraufführungsort.

Mieczyslaw Karlowicz wäre heute einer ganz großen polnischen Komponisten, wenn der begeisterte Skifahrer nicht durch ein Lawinenunglück mit nur 33 Jahren gestorben wäre. Von seiner Kunst kann man sich im September überzeugen, wenn eine seiner Streicherserenaden auf dem Programm steht, gefolgt vom wohl ersten Saxofonkonzert in der ehrwürdigen Klosterkirche. "Geigen verboten", so könnte das Motto des Abschlusskonzerts im Oktober heißen, das beweist, dass es auch mal nur mit tiefen Tönen und vor allem ganz ohne die scheinbar unabkömmlichen Violinen geht. Mozart und Brahms schrieben diese Serenaden nur für Bratschen, Celli, Bässe und Bläser.

Den Auftakt der Schäftlarner Konzerte sollten am 8. Mai die Bachschen Brandenburgischen Konzerte mit den namhaften Solisten Michael Kofler (Flöte), Markus Wolf (Violine) und Johannes Berger (Cembalo) machen - der Lockdown in Bayern ist jetzt freilich bis 9. Mai verlängert worden.

Organisatorisch ist das Ganze ein Kraftakt, bestätigt Susanne Rieder, die Vorsitzende des Fördervereins der Reihe. Im Kirchenschiff dürfen nur je zwei Personen pro Bank mit personalisierten Plätzen sitzen. Doch die Aufführung von zwei Konzerten für je maximal 120 Zuhörer habe sich bewährt, ebenso wie die verkürzte Spielzeit von etwa einer Stunde. Letzteres vielleicht, weil die Älteren im Publikum mit dem langen Sitzen nicht so zurechtkommen, mutmaßt Rieder, die in puncto Konzertbeginn einen Favoriten festgestellt hat. "Der 17-Uhr-Termin ist deutlich schneller ausverkauft als der um 19.30 Uhr."

Die beste Bestätigung für die Bedeutung der Schäftlarner Konzerte ist für die Veranstalter die Loyalität des Publikums. "Kein einziges Abonnement wurde zurückgegeben", freut sich Rieder. "Es sind sogar Neu-Abonnenten dazu gekommen." Auch hätten viele Besucher das Eintrittsgeld für die ausgefallenen Konzerte gespendet. Michael Forster hat angesichts der bereits zahlreich eingetrudelten Kartenvorbestellungen den schönsten Beweis dafür, dass es kein eitler Popanz ist, der um die Klassik betrieben wird: "Die Leute lechzen geradezu nach Live-Konzerten mit wirklichen Musikern." Bleibt zu hoffen, dass die Konzertsaison im Wesentlichen so stattfinden kann wie geplant.

8. Mai: "Beginn mit Bach: Frühling in Brandenburg"; 12. Juni: "Wagner privat: Ständchen im Flur" mit Werken von Richard Wagner und Joseph Gabriel Rheinberger; 3. Juli: "Schubert ist fleißig: Wanderung ins Weite"; 8. September: "Premiere im September: Saxophon" mit Werken von M. Karlowicz, A. Glasunow und B. Britten; 16. Oktober "Violinen? Es geht auch ohne". Beginn der Konzerte 17 und 19.30 Uhr. Karten zu 35, 19, 15 Euro über kontakt@schaeftlarner-konzerte.de,Tel. 08171/433 00. Infos unter www.schaeftlarner-konzerte.de

© SZ vom 14.04.2021
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