Kugler-Alm Kopfsteinpflaster auf dem künftigen Fahrrad-Highway

Die Gemeinde Oberhaching will Radler an der Kugler-Alm ausbremsen.

(Foto: Claus Schunk)

Ausgerechnet auf der Strecke, die als Schnellverbindung ausgebaut werden soll, baut Oberhaching nun Schikanen ein.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Bei Rasern denkt man gemeinhin an den motorisierten Verkehr, an Autofahrer, die mehr Gas geben, als erlaubt ist, an Motorradfahrer, die vorbeizischen. Oberhaching aber hat offenbar vor allem ein Problem mit zu schnellen Radfahrern. "Kampfradler" nennt Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) jene sportlich ambitionierten Verkehrsteilnehmer, denen ein Tempolimit innerhalb der Ortschaft egal zu sein scheint. Die Gemeinde will sie jetzt zumindest im Bereich der Kugler-Alm ausbremsen, indem sie Pflastersteine auf der Linienstraße verlegen lässt.

Vor vier Jahren hatte Bürgermeister Schelle die Idee, die Radfahrer auf ihrem Weg durch das Hachinger Tal nach München flott zu machen. Er wollte die Strecke gemeinsam mit den Nachbargemeinden entlang der Bahnlinie und durch den Perlacher Forst so attraktiv gestalten, dass noch mehr Pendler auf das Fahrrad umsteigen. Bislang ist aus der schnellen Radverbindung, mit durchgängig gut asphaltiertem Untergrund auch auf Zubringern nichts geworden. Für das kommenden Jahr ist nun endlich die Realisierung bei Sauerlach geplant. Bürokratische Hürden bremsen das Vorhaben auf den nördlichen Teilstücken noch aus.

Nun ist es aber nicht so, dass diese Strecke noch nicht von Radfahrern genutzt würde. Im Gegenteil: Der Weg von Harlaching über die Nussbaumranch nach Oberhaching ist überaus beliebt, bei Pendlern genauso wie bei gemütlich fahrenden Ausflüglern, zunehmend aber auch bei Rennradlern als Zubringer auf die Trainingsstrecken im Oberland. Das wäre auch insofern kein Problem, würden auch die sportlichen Fahrer das Tempo drosseln, wenn sie sich dem beliebten Oberhachinger Biergarten nähern.

Das tun sie laut Schelle aber nicht. Vielmehr würden sie mit Tunnelblick und Pulsmesser dort durchstechen, um nicht durch Bremsen ihren Fünfziger-Schnitt aufs Spiel zu setzten. Schelle spricht von einer "Massivität an wilden Radfahrern". Und das in einem Bereich, in dem sich zumindest bei schönem Wetter viele Fußgänger aufhalten, in dem sich Parkplätze befinden, und in dem ein weiterer Radweg einmündet, weshalb es immer wieder zu Konflikten und Beinahe-Unfällen komme.

Erlaubt sind an der Stelle nur zehn Kilometer pro Stunde

Erlaubt sind in diesem Bereich zehn Kilometer pro Stunde. Doch Schelle geht davon aus, dass die Schnellfahrer die Schilder überhaupt nicht wahrnehmen. Selbst eine temporäre Baustelle an dieser Stelle habe sie nicht ausbremsen können. "Da sind sie mit Tempo 50 über den Gehsteig", berichtete Schelle. "Bisher hat nichts geholfen." Jetzt will die Gemeinde es mit Großsteinpflaster versuchen. Eine Mehrheit im Verkehrs- und Umweltausschuss des Gemeinderats stimmte dieser Idee zu. Schelle wäre sogar soweit gegangen, hier Biergartenriesel zu verstreuen, derart genervt ist der Bürgermeister von dem rücksichtslosen Verhalten der Rennradler.

Problemzone ist allerdings nicht allein der Bereich an der Kugler-Alm, sondern auch der weitere Verlauf der Linienstraße in Richtung Süden. Auch die wird intensiv von Radfahrern genutzt. Allerdings fahren viele auch auf dem straßenbegleiteten Fußweg. Der ist aber eigentlich nur für Fußgänger und radelnde Kinder gedacht, weshalb es auch hier immer wieder zu Konflikten kommt. Die SPD hoffte nun, die Situation verbessern zu können, indem man aus der Linienstraße eine Fahrradstraße macht und hat einen Antrag gestellt.

Diese Idee sieht man in der Verwaltung eher kritisch. Auch die Polizei bezweifelt in einer Stellungnahmen, dass dies zielführend wäre. Bei einer Fahrradstraße sind Autos nur geduldet, Vorrang haben immer die Radler, die hier auch nebeneinander fahren dürfen. Selbst an den Einmündungen gilt nicht rechts vor links. Die Polizei befürchtet, dass die Autofahrer dennoch versuchen würden, die Radler zu überholen und damit den Gegenverkehr gefährdeten. "Wir sollten da keine Fahrradstraße machen, bis wir gewohnt sind, was Fahrradstraße heißt", sagte Bürgermeister Schelle, "ich weiß nicht, ob wir da schon so weit sind."

Auch die Anwohner sind wenig begeister von einer Fahrradstraße vor der Haustür. Im Gegenteil: Mit einer Unterschriftensammlung fordern sie die Gemeinde auf, die schnelle Radverbindung nach Westen hinter die Wohnbebauung in den Wald zu verlegen. Die Verwaltung will den Vorschlag nun prüfen und die Kosten einer möglichen Asphaltierung dieser Streckenführung ermitteln.

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