Kunst aus Leidenschaft Mit dem Pinsel die Seele streicheln

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Kreatives Trio im Oberschleißheimer Garten von Theresia Maier (links). Neben der Vorsitzenden der Künstlerpalette posieren Carla Gruber und Stefanie Ihlefeldt (rechts) mit ihren Bildern.
Kreatives Trio im Oberschleißheimer Garten von Theresia Maier (links). Neben der Vorsitzenden der Künstlerpalette posieren Carla Gruber und Stefanie Ihlefeldt (rechts) mit ihren Bildern. Florian Peljak/Florian Peljak

Theresia Maier, Stefanie Ihlefeldt und Carla Gruber präsentieren ihre Werke demnächst auf einer großen Ausstellung in der Schweiz. Zur Malerei sind die drei Mitglieder der Künstlerpalette Unterschleißheim auf verschiedenen Wegen gekommen.

Von Franziska Gerlach, Unterschleißheim

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Im schattigen Teil ihres Gartens, unter einer dicht bewachsenen Pergola an einem Teich, hat Theresia Maier das Bild von der jüngsten Enkelin aufgestellt. Sie hat das Mädchen von hinten gemalt, mit seitlich angewinkelten Beinen sitzt es vor einem schwarzen Hintergrund, über seinem Kopf schweben weiße und rote Herzen. Unverkennbar, von wem Maier sich da hat inspirieren lassen. „Da hab’ i an Banksy gmacht“, sagt die Vorsitzende der Art-Künstlerpalette Unterschleißheim in charakteristischem Bairisch. Aber jetzt solle man sich bitte erst mal setzen. Es gebe Kaffee und Kuchen.

Mit am Tisch sitzen Carla Gruber und Stefanie Ihlefeldt, gemeinsam haben die drei Frauen an diesem Morgen den Garten von Maier in einen kleinen Kunstpark verwandelt, in dem Bilder auf Staffeleien stehen. Fotorealistische Tierdarstellungen in Pastell von Gruber, ein Seerosenteich von Maier und ein Blumengemälde von Ihlefeldt, auch wenn die zurzeit am liebsten Eisbecher mit einer ordentlichen Portion Sahne malt.

Künstlerisch sei das eine ziemliche Herausforderung, sagt die 73-jährige Friseurmeisterin aus Unterschleißheim. „Die Sahne muss Schatten werfen – und trotzdem weiß bleiben.“ Als Mitglieder der 1990 gegründeten Unterschleißheimer Künstlergruppe treffen die drei Frauen sich jeden Monat. Nicht nur zum Malen.

Sie geben sich gegenseitig Tipps und organisieren die Teilnahme an Ausstellungen. Vom 17. Oktober bis 18. Januar werden Maier, Ihlefeldt und Gruber jeweils drei Bilder in Aarau in der Schweiz präsentieren. Der Ort der großen Ausstellung ist ein Outlet-Zentrum, wo dann nicht nur Mode, sondern auch Kunst gekauft werden kann. Der Kontakt zum Initiator der Aktion kam über Carla Gruber zustande. Es würden dort bis zu 400 000 Besucher erwartet, erzählt die pensionierte Zahntechnikerin. Und Theresia Maier fügt hinzu: „Da ist die Aufregung natürlich groß.“

Dabei listet die Vita der 72-jährigen Oberschleißheimerin, die seit 2019 erste Vorsitzende der Künstlerpalette ist, bereits etliche Auftritte in der Öffentlichkeit. Auch zu dem Buch „Märchenhaftes Schleißheim“ von Ingolf Hirth hat sie Bilder und Illustrationen beigesteuert.

Bereits in den Achtziger- und Neunzigerjahren machte Maier so ziemlich alles, was der Zeitgeist an kreativen Betätigungen hergab und wozu er die Menschen inspirierte. Sie steckte Kränze aus Trockenblumen, bemalte Glas und knüpfte Teppiche. Zum Weihnachtsfest 2004 schenkte ihr Mann ihr dann einen Gutschein für einen Kurs bei Eberhard Lorenz im Schleißheimer Schloss.

Maier nennt den verstorbenen Maler und Grafiker ihren Mentor. Er ließ sie Bleistiftstudien anfertigen, immer und immer wieder, bis sie das Verhältnis der Formen und Schatten beherrschte. „Ehrlich“, sagt Theresia Maier, „ohne ihn wäre ich niemals so weit gekommen.“ Als Solokünstlerin ging es für sie sogar ins Ausland. „Das Weiteste war Teramo in den Abruzzen“, sagt Maier, die den größten Teil ihres Lebens im Oberschleißheimer Schwimmbad gearbeitet hat.

Der Prozess des Malens sei wie das Schreiben einer Geschichte

Die Oberschleißheimerin blättert in Alben und Ordnern, zieht Zeitungsartikel aus Klarsichthüllen und reicht das Buch über den Tisch, das zum 30-jährigen Bestehen der Künstlerpalette entstanden ist. Für Stefanie Ihlefeldt und Carla Gruber steht außer Frage, dass sie in Maier eine engagierte Vorsitzende gefunden haben. Ständig bemühe sie sich um Ausstellungsmöglichkeiten für den Verein, der etwa zehn Mitglieder zählt. Im Dachauer Wasserturm, im Alten Gefängnis in Freising und im Frauenkircherl am Erdinger Schrannenplatz haben die Kreativen um Theresia Maier beispielsweise schon ihre Arbeiten präsentiert. „Und das sind nur die Dinge, die geklappt haben“, betont Gruber.

Die 67-Jährige aus Lustheim – einem Ortsteil der Gemeinde Oberschleißheim – führte der Zufall zur Kunst, als sie zum Muttertag 2020 für ihre Schwiegermutter einen Hund zeichnete. Der sei ihr gar nicht so wahnsinnig toll gelungen, erzählt sie. Das kann man von dem Luchs, der mit traurig-schönen Augen in den Oberschleißheimer Morgen schaut, nun wirklich nicht behaupten. Gruber arbeitet gleichsam mit der fehlerfreien Präzision, die sie die Zahntechnik gelehrt hat. Jedes Härchen sitzt, jede Farbnuance passt. Dass ihre lebensechten Darstellungen leicht mit Fotos verwechselt werden, ist ihr allerdings gar nicht so recht. Denn dadurch würden ihre Werke weniger Aufmerksamkeit erfahren – obwohl in dem Bild eines Elefanten etwa 120 Arbeitsstunden stecken.

Auch Stefanie Ihlefeldts Repertoire umfasst natürlich mehr als die Fähigkeit, die Grate eines Sahnesberges auf der Leinwand zu verewigen. Die gebürtige Wienerin kam Ende der Achtzigerjahre über die Seidenmalerei zur Kunst, später gestaltete sie Regenschirme. Heute sind für sie vor allem Landschaften, Wasser oder Pflanzen die wichtigsten Motive – wie etwa der lila Tulpenstrauß in Acryl, dessen weit geöffnete Blüten lustvoll über den Rand der Vase hängen. Der Prozess des Malens sei für sie wie das Schreiben einer Geschichte, erklärt Stefanie Ihlefeldt. Das Bild entwickle sich, während sie Farben intensiviere oder Konturen hervorhebe. „Eigentlich ist es ein Streicheln der Seele, bis ich Perfektion verspüre.“ 

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