Kriminalstatistik Garchinger können ruhig schlafen

Der neue Leiter der Polizeiinspektion Oberschleißheim steht dem Stadtrat Rede und Antwort. Michael Graf: Die Sicherheitslage im Landkreisnorden ist "sehr gut". Allerdings nimmt die Anzahl der Gewaltdelikte zu

Von Gudrun Passarge, Garching

Mittlerweile ist er schon ein bekanntes Gesicht: Michael Graf, Polizeioberrat und Leiter der Polizeiinspektion Oberschleißheim, hat sich nicht nur auf den beiden Bürgerversammlungen in Hochbrück und Garching vorgestellt, er stand nun auch im Stadtrat Rede und Antwort zur Kriminalitätsstatistik. Hintergrund war neben seiner Vorstellung ein Antrag der CSU, die einen genauen Aufschluss über die Zahlen der vergangenen Jahre haben wollte.

Graf sprach von einem Anstieg der Zahlen, wofür unter anderem auch eine größere Anzahl an Diebstählen von Navigationsgeräten auf Parkplätzen und mehrere hundert Fälle von Tachomanipulationen verantwortlich seien. Insgesamt sieht Oberschleißheims neuer Polizeichef die Entwicklung aber als "nicht bedenklich" an, die Sicherheitslage im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion, also den Gemeinden im Norden des Landkreises, sei weiterhin "wirklich sehr, sehr gut". Die CSU hatte insbesondere nach Einbruchs- und Gewaltdelikten gefragt. 2016 weist die Polizeistatistik 59 Einbrüche in Garching aus, was etwa dem Vorjahr entspricht. Die meisten betrafen aber eher Büros, elfmal kamen Diebe in Wohnungen oder Häuser, was für die Betroffenen eine erhebliche Beeinträchtigung ihres Sicherheitsempfindens nach sich ziehe, wie Graf ausführte. Er appelliert an alle Nachbarn, aufmerksam zu sein und die 110 zu wählen, wenn sie etwas beobachteten. "Wir sind sehr, sehr froh über solche Hinweise."

An die Wohnungseigentümer gerichtet empfahl er, keine hohen Hecken anzupflanzen und mit Zeitschaltuhren zu arbeiten, wenn es dunkel wird. Auch Türen und Fenster könnten verstärkt werden. Die Polizei gebe gerne Tipps und Ratschläge dazu.

Was Gewaltdelikte betrifft, ist die Anzahl laut Graf dagegen "durchaus deutlich" angestiegen sei. Bei den Rohheitsdelikten stieg die Anzahl von 129 auf 138, gefährliche und schwere Körperverletzung ist mit 27 Fällenaufgelistet (2015 waren es 13). Hinzu kamen 57 Fälle von einfacher Körperverletzung (im Vorjahr waren es 61). In den meisten Fällen kannten sich Täter und Opfer. Außerdem gab es Einsätze in Flüchtlingsunterkünften, wobei Graf betonte, dass die Flüchtlinge nicht krimineller als die Deutschen seien. Sie waren jedoch "sehr prekär untergebracht" - in Mehrbettzimmern und starker Enge.

Für Graf steht fest, dass man auch in Garching sicher schlafen kann. Sollte es Bereiche geben, in denen sich Leute nicht wohl oder sicher fühlten, wie CSU-Fraktionssprecher Jürgen Ascherl angedeutet hatte, dann handle es sich vermutlich um schlecht beleuchtete Ecken. "Da kann man durchaus das ein oder andere machen."

Graf ging auch noch kurz auf ein Garchinger Dauerthema ein: den Wunsch nach einer eigenen Polizeistation. Auch wenn die Polizei ihre Inspektion in Oberschleißheim habe, so sei doch meist rund um die Uhr eine Streife in Garching präsent. Das liege am Forschungsreaktor.

Der Polizeioberrat empfindet es nach eigenen Worten als großen Vorteil, die größte Landkreis-Inspektion zu leiten. Man habe zwar auch mit Personalproblemen zu kämpfen, "aber ich tue mich schon leichter, ein bisschen zu jonglieren", sagte Graf.

Ingrid Wundrak (Grüne) zeigte sich in der Aussprache über Grafs Bericht beunruhigt über die gestiegene Gewaltbereitschaft gegen Polizisten und Hilfskräfte. Sie wollte wissen, ob das auch für den Münchner Norden gelte. Graf bestätigte das generelle Problem, sagte aber, es sei im Landkreis nicht so beunruhigend wie in Städten. In der Oberschleißheimer Inspektion sei ihm noch nichts derartiges zu Ohren gekommen. Allerdings gebe es auch hier Leute, die mit ihrem Handy alles festhielten. "Diese Sensationsgier ist sehr bedenklich", sagte Graf.