Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Münchner Kreistags am Montag in Garching haben sich die Machtverhältnisse für die kommenden sechs Jahre geschüttelt. Zugleich hielten die Wahlen der Stellvertreter von Landrat Christoph Göbel (CSU) einige Überraschungen bereit: So ging Marion Seitz von den Grünen, die es bei der Kommunalwahl am 8. März von allen fünf Gegenkandidaten mit den meisten Stimmen in die Stichwahl gegen Göbel geschafft hatte, bei der Wahl leer aus. Ebenso nicht zum Zug kamen die Freien Wähler und die AfD.
Zur stellvertretenden Landrätin gewählt wurde von den 70 Kreisräten, darunter 16 neue, mit deutlicher Mehrheit Nicola Gerhardt von der CSU. Die 57-jährige Garchingerin tritt damit die Nachfolge des ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten Ernst Weidenbusch an, der den Job seit 2014 innehatte und nicht mehr für den Kreistag kandidierte. Gerhardt kommt künftig immer dann zum Einsatz, wenn Göbel ausfällt.
Hinter Gerhardt werden sich in den nächsten sechs Jahren vier zusätzliche Stellvertreterinnen und Stellvertreter die repräsentativen Aufgaben im Landkreis München teilen, bisher waren es drei. Es sind dies Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle, bislang CSU-Fraktionschef im Kreistag, Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) sowie die ehemaligen Bürgermeisterinnen von Pullach und Sauerlach, Susanna Tausendfreund (Grüne) und Barbara Bogner von der Unabhängigen Bürgergemeinschaft München-Land (UB-ML). Es sei es seit Langem „guter Brauch“, weitere Stellvertreter zu benennen, sagte Landrat Göbel vor der Abstimmung. Allein die Größe des Landkreises München mit seinen gut 360 000 Einwohnern mache es unabdingbar, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.
Dass die UB-ML, die sich im vergangenen Herbst von den Freien Wählern abgespalten hatte, einen Stellvertreterposten bekommen hat, war eine der Überraschungen. Denn die neue Gruppierung stellt nur zwei der 70 Kreisräte: Bogner und Otto Bußjäger, zuvor einer der Stellvertreter des Landrats. Der Versuch der verbliebenen Freien Wähler um den Ismaninger Landtagsabgeordneten Nikolaus Kraus, ebenfalls einen Posten zu ergattern, scheiterte an der Mehrheit. Ebenso wie das Ansinnen der AfD, die nach dem Zugewinn von drei auf nun sechs Mandate ihren Bundestagsabgeordneten Gerold Otten aus Putzbrunn auf dem Personaltableau platzieren wollten.
Auch in der CSU-Fraktion rückt eine Frau an die Spitze
In Nicola Gerhardt tritt eine Kommunalpolitikerin das Stellvertreteramt an, die wegen ihres sozialen und kirchlichen Einsatzes weit über die Universitätsstadt Garching und den Landkreis München bekannt und geschätzt ist. Die Tochter des 2015 verstorbenen langjährigen CSU-Bundestagsabgeordneten Albert Probst ist seit vielen Jahren in der Lokalpolitik. Von 1990 bis 1996 gehörte sie bereits dem Kreistag an, nach einer Pause zog sie 2020 erneut in das Gremium ein. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Juristin und Mutter von drei erwachsenen Kindern in der katholischen Pfarrei St. Severin in Garching und hat in der Stadt den örtlichen Helferkreis aufgebaut. Der Katholikenrat der Region München, ein ehrenamtliches Laiengremium, hat Nicola Gerhardt im Herbst 2024 dafür die Pater-Rupert-Mayer-Medaille verliehen. Seit Mai gehört sie auch wieder dem Garchinger Stadtrat an.
Nicht nur mit ihrer Wahl zu Göbels erster Stellvertreterin hat die CSU im Kreistag zu mehr Gleichberechtigung beigetragen. Auch an der Spitze ihrer Fraktion gibt es eine Veränderung: Erstmals wird sich den Job ein Duo teilen: die Unterföhringer Gemeinderätin Claudia Leitner und der Brunnthaler Bürgermeister Stefan Kern. Eine Entscheidung, die vor allem bei den Grünen im Kreistag Heiterkeit auslöste. Deren Fraktion führen Christina Risinger aus Ismaning und Johannes Rohleder aus Unterschleißheim. Bei der SPD bleibt Florian Schardt SPD-Fraktionschef, Christina Specht bei der AfD. Katharina Diem ist Gruppensprecherin der FDP, Otto Bußjäger Sprecher der UB-ML, Max Kraus bei den Freien Wählern und Katinka Burz bei den Linken.

