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Kreispolitik:Zehn Euro für das Klima von morgen

Der Landkreis will eine "Zukunftsaktie" herausgeben und das eingenommene Geld in den Umweltschutz investieren

Ein Zehner soll es also sein. Zehn Euro je Anteilsschein, die "einen substanziellen Beitrag" leisten sollen, damit der Landkreis München eine deutschlandweite Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel einnimmt und als erster Landkreis klimaneutral wird. "Zukunftsaktie" heißt das Projekt, das Referatsleiter Christian Wolf und seine Kollegen im Landratsamt entwickelt haben, und das am Montagnachmittag vom Kreisausschuss einstimmig verabschiedet worden ist. Allerdings nach kontroverser Debatte - und mit Vorbehalten dem ambitionierten Plan gegenüber.

Vergleichbar mit der Ausgabe von Wertpapieren am Kapitalmarkt will der Landkreis künftig Geld mit dem Verkauf von Zukunftsaktien generieren; das dadurch gewonnene Kapital wird in Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel gesteckt, auf lokaler wie auf globaler Ebene. Ein Lenkungsgremium soll entscheiden, welche Projekte unterstützt werden. Das könne eine Moorrenaturierung sein, ein Waldumbau oder Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, sagte Wolf. Die Dividende sei eine "enkeltaugliche Zukunft", sagte er, "für einen Landkreis, wie sie ihn kennen und lieben". Ausgegeben werden soll die Aktie an Privatpersonen und Unternehmen; in einem ersten Schritt soll in diesem Jahr das Landratsamt klimaneutral werden, von 2020 an alle Verwaltungen in den 29 Kommunen und ein Jahr später können Bürger und Firmen dann Aktien kaufen und damit CO₂ vermeiden - eine Tonne je Aktie.

"Wir müssen bei uns anfangen und das Projekt in den Landkreis und für die Bürger öffnen", sagte Landrat Christoph Göbel (CSU). Und das schnell. "Wir sind ein sehr dynamischer Landkreis, der sehr viel Energie verbraucht", betonte der Landrat. Referatsleiter Wolf verwies auf die Dringlichkeit einer Wende in der Klima- und Energiepolitik: "Wir haben keine Zeit mehr. Das war der heißeste Juni ever. Wir müssen die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen, sonst sind die Schäden irreversibel." Wolf sprach auch die Verantwortung des Landkreises für eine neue Klimagerechtigkeit an: "Unser Wohlstand wirkt sich auf andere Menschen aus."

Freie-Wähler-Kreisrat Michael Sedlmair nannte das Projekt der Zukunftsaktie "interessant", sagte aber, ihm stellten sich "noch zahlreiche Fragen". Und die zählte er auf: Woher sollten etwa die Flächen für Aufforstungen kommen, dürfe der Landkreis rechtlich solche Projekte überhaupt fördern. Und: Wie könnten Investitionen in globale Projekte - etwa in Libyen - überprüft werden. Wolf machte deutlich, dass die Unterstützung globaler Projekte nach den "hochwertigsten am Markt verfügbaren Standards" erfolgen werden, offiziell zertifiziert und kontrolliert durch unabhängige Dritte.

Im Haushalt werden zunächst 650 000 Euro veranschlagt, mit denen eine Stelle bei der Energieagentur Ebersberg-München geschaffen und aktive Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden soll. "Entscheidend wird am Ende sein, dass in dem Lenkungskreis und den Projekten viel Transparenz, Glaubwürdigkeit und Prüfbarkeit drin sein wird", sagte CSU-Fraktionssprecher Stefan Schelle. "Das Ziel ist es ja, das sich der ganze Landkreis und vor allem die Bürger daran beteiligen."

Christoph Nadler, Fraktionssprecher der Grünen, stellte das Vorhaben in einen größeren Kontext und attackiert die Bundes- und Staatsregierung hart für deren "Behinderung" einer echten Energiewende. Ingrid Lenz-Aktas (SPD) entgegnete, auch ihr gehe es auf den übergeordneten Ebenen zu langsam: "Aber das entbindet mich nicht davon, auf unserer Ebene etwas zu tun." Dabei helfe eine Aktie "für jedermann" und auch die "Parität zwischen lokalen und globalen Projekten". Nadler kritisierte, auch der Landkreis habe Nachholbedarf; nur 19 Prozent der Energie kämen hier aus erneuerbaren Quellen. Er regte an, einen Partner wie die Non-Profit-Organisation "Atmosfair" mit ins Boot zu holen, was Wolf aber mit dem Argument ablehnte, es brauche keine "riesige Marketingmaschine" wie bei Atmosfair, vielmehr müsse die Marge direkt den Projekten zugute kommen. Auch mit dem Vorschlag, den geplanten Windpark im Hofoldinger Forst als "Leuchtturmprojekt" aufzunehmen scheiterten die Grünen.