Kreis und Quer:Wir hätten da mal eine Frage

Nicht nur Meinungsforschungsinstitute, sondern auch manche Gemeinden wollen inzwischen von ihren Bürgern alles wissen.

Kolumne Von Iris Hilberth

Meist beginnt der Tag schon mit jeder Menge Fragen: Wie wird das Wetter? Was soll ich anziehen? Wer macht da in der Früh schon so einen Krach? Vielleicht sollte man mal den Bürgermeister dazu befragen. Welche Meinung hat der Rathauschef wohl zu Regen, Kleidung und Baustelle? Schließlich scheint der Rathauschef sich auch ständig darum zu sorgen, was seine Bürgerinnen und Bürger so denken. Umfragen sind längst nicht mehr nur etwas für die Demoskopen bekannter Meinungsforschungsinstitute. Vermutlich gibt es in den Rathäusern längst ganze Abteilungen, die eine Art Bürgerforschung betreiben und sich den ganzen Tag lang Fragen ausdenken. Manche davon werfen Fragen auf.

Unvergessen bleibt die Jugend-Umfrage der Unterhachinger SPD, die von Jugendlichen wissen wollte: An welchen Tagen nutzen Sie vorwiegend die Wertstoffhäuschen? Und: Wie erreichen Sie die Sammelstellen? Zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto? Schüler sind es gewohnt, Fragen beantworten zu müssen, die ihnen mitunter so seltsam vorkommen wie ihre Lehrer, die sie stellen. Zumal die Schule nicht akzeptiert, dass Teenager in der Früh nur gewillt sind, Fragen maximal mit Ja oder Nein zu beantworten.

Für alle Unterhachinger gab es zudem neulich noch eine Umfrage zum Biomüll, bei der Teilnehmer den Jahresbeitrag der Abfallgebühren gewinnen konnten. Die aktuelle Meinungsforschung aus dem Rathaus beschäftigt sich hingegen mit einem weiteren kommunalen Lieblingsthema: dem Verkehr. Konkret geht es um die zukünftige Straßenführung auf der Stumpfwiese. Die erste Frage auf dem ausgeteilten Bogen lässt die Menschen zwischen Whitney- und Ludwig-Specht-Straße allerdings etwas ratlos zurück: Wohin sind Sie heute morgen gefahren?

Auch in Höhenkirchen-Siegertsbrunn und in Pullach sind die Verwaltungen sehr am Mobilitätsverhalten ihrer Bürger interessiert. Dass es zahlreiche Pendler zwischen den beiden Gemeinden gibt, hat zuvor sicher noch keiner geahnt. Jetzt aber legen sie einen gemeinsamen Fragebogen vor: Carsharing, Lastenräder, Tempo 30 - die wollen einfach alles wissen. Liegen erst mal Ergebnisse vor, lässt sich mit Sicherheit eine eindeutige Aussage darüber treffen, wie oft die Pullacher mit der U-Bahn nach Siegertsbrunn fahren.

Es gibt noch viele Fragen, die von Bürgern noch nie beantwortet wurden. Zwar weiß man durch Umfragen längst, dass etwa 22 Prozent der Österreicher in die Sauna gehen, weil sie gerne schwitzen, und nur neun Prozent, weil der Ofen so schön knistert. Aber Österreich ist vielleicht aktuell nicht so ein gutes Beispiel für glaubhafte Meinungsumfragen. Tolle Anregungen finden sich hingegen in Bewerbungsgesprächen großer Konzerne. "Würden Sie lieber gegen eine Ente kämpfen, die so groß ist wie ein Pferd, oder gegen hundert Pferde, die so groß sind wie Enten?" Noch wichtiger: "Wie bekommen Sie eine Giraffe in einen Kühlschrank?" Es soll kein Bürger sagen, dass er nicht gefragt wurde.

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