Die Fülle an Aufgaben, die im Dezember zu erledigen sind, sprengt meist jeden Kalender. Wenn der nicht, weil er längst digital geführt wird, unendlich erweitert werden kann, stellt sich im zwölften Monat des Jahres unweigerlich die Frage nach mehr Papier: Warum planen die Kalenderhersteller nicht einfach zum Ende des Jahres doppelt so viele Spalten ein?
Man steigt also auf DIN-A3-große To-do-Listen um. Es geht dabei gar nicht mal nur um Weihnachtsvorbereitungen wie Geschenke kaufen, Baum schmücken und Braten bestellen. Im Dezember hat man schlichtweg das Gefühl, jemand hat alle liegen gebliebenen Aufgaben aus dem ganzen Jahr zusammengekehrt, um sie uns ausgerechnet kurz vor Schluss vor die Füße zu kippen.
Wem jetzt einfällt, dass er bis zum 31. Dezember noch die beiden Tankquittungen für einen Cappuccino oder wahlweise eine halbe Autowäsche einlösen muss – geschenkt! Aber was ist mit der Steuererklärung von 2020, dem Stromanbieterwechsel oder dem Agrardieselantrag? Was mit der Grundsteuer-Änderungsanzeige und mit der Registrierung als Hersteller von Einwegkunststoffprodukten? Sollte man endlich mal machen, ehe es zu spät ist. Ach ja: Auch ans Heiraten gedacht?
Es gibt also jenseits der Weihnachtsfeiern einen ganzen Stapel an Verpflichtungen rund um den vierten Advent. Zumal die Tage vom 24. bis zum 31. Dezember zwar auch im Kalender aufgeführt sind, aber in Wirklichkeit nur Scheinangebote für echte Termine sind. Zwischen den Jahren herrscht die große Leere, ein Nichts, ein tiefer Einschnitt auf der Erledigungsspur wie eine Gletscherspalte auf dem Weg zum Gipfel.
Das sollte auch Manfred Schwabl von der Unterhachinger Spielvereinigung berücksichtigen. Nachdem er den Punkt „Stadionkauf“ in diesem Jahr einfach gestrichen hatte, steht auf seiner To-do-Liste für das restliche Jahr 2024 jetzt ganz oben: Unterschrift unter den neuen Pachtvertrag setzen! Ganz egal, wie teuer ihn das kommt. Er braucht übrigens nicht am 27. Dezember damit antanzen. Da hat das Rathaus nämlich geschlossen.
Ähnliche Terminprobleme hat man offenbar in Straßlach-Dingharting. Ein Spatenstich für das Seniorenwohnprojekt muss noch vor Weihnachten erledigt werden, bloß wann? Am 19. oder am 23. oder doch lieber am 20. Dezember? Im Rathaus wirkt man da etwas unentschlossen. Und so langsam stellt man sich die Frage: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, das ausgerechnet jetzt durchzuziehen?
Bekanntlich treiben sich rund um Weihnachten allerlei verhaltensauffällige Wesen herum. Geister, Kobolde, Wichtel, Trolle – solch seltsame Gesellen, in Skandinavien nennt man sie Nisse, stellen hauptsächlich Unfug an. Sie verstecken Dinge, erschrecken Kinder, knallen Türen, stehlen Würstchen oder rülpsen laut. In Dänemark etwa gibt es den Sætternisse (Setznisse), der schmuggelt so geschickt Druckfehler in Zeitungen und Bücher, dass sie beim Korrekturlesen nicht entdeckt werden. Weil vieles ja gar nicht mehr gedruckt wird, hat er sich vermutlich ein zweites Standbein geschaffen. Was macht eigentlich der Posten „Stadionkauf“ auf der To-do-Liste des FC Bayern?

