Wir wollen schon zunächst einmal feststellen, dass im Kleinen das politische Klima nicht ganz so rau ist wie im Hohen Haus in Berlin. Wobei dort nicht nur, aber eben doch sehr oft die grellsten Misstöne vor allem von den Abgeordneten der AfD kommen, etwa wenn der Sauerlacher Grüne Anton Hofreiter als "Königin von Gender-Gaga-Land" bezeichnet wird oder der Bundestag das Attribut "Parlament der Schande" erhält. Nein, hierzulande wird weiterhin mit feinerer Klinge gefochten. Und doch hat man auch im Landkreis das Gefühl, der Ton wird schärfer, und zwar nicht nur in traditionell umkämpften Gemeinderäten wie Haar, Pullach oder Taufkirchen. Auch in den Kreisgremien geht es mehr zur Sache, kürzlich stritten sogar Grüne und ÖDP, die Umweltbrüder und -schwestern im Geiste miteinander, als es um die Subventionierung der MVV-Tickets für Menschen ging, die außerhalb der M-Zone leben. "Populismus" zeterten die Grünen in Richtung der anderen Fraktionen, die ÖDP ätzte zurück und Landrat Christoph Göbel kommentierte feixend, solche Streits kämen in den besten Familien vor.
Er selbst und seine Verwaltung mussten sich in der gleichen Sitzung den Angriffen von SPD-Frontmann Florian Schardt stellen, der kritisierte, dass Sitzungsvorlagen zunehmend bürokratischer und abstrakter würden, eine konkrete Bearbeitung der Themen immer öfter nicht stattfinde. Womit er ins gleiche Horn stieß wie Göbels Stellvertreter Ernst Weidenbusch zuletzt im Sozialausschuss. Der stellte eine Fachbereichsleiterin aus dem Landratsamt derart in den Senkel, dass mancher Kreisrat verschämt zu Boden blickte.
Es geht spürbar in Richtung Jeder-gegen-jeden. Im Kreisausschuss bekam etwa die FDP von der SPD ihr Fett weg, als es darum ging, Busverbindungen andauernd auf ihre Klimabilanz hin zu überprüfen ("Die FDP ist doch sonst so pragmatisch."). Und dann ist da ja auch noch CSU-Fraktionschef Stefan Schelle, der selten um eine Spitze verlegen ist, wenn es gilt, die aus seiner Sicht mangelnde Kompetenz der anderen darzustellen.
Es bleibt festzuhalten: Streit ist Bestandteil der Demokratie, insofern ist es nicht nur zulässig, sondern auch erwünscht, wenn es auch mal etwas handfester zur Sache geht in der politischen Auseinandersetzung. Und zwar nicht nur im Modus "Alle gegen die AfD", wie das im vorigen Jahr immer wieder im Kreistag der Fall war, etwa als die Rechtspopulisten forderten, gut situierte Mandatsträger der Grünen mögen doch Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen, um Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen. Da ging sogar Umarmer Göbel aus dem Sattel ("So einen Schmarrn, einen derart niveaulosen Antrag habe ich noch nie erhalten.") Die AfD bleibt nach einer zurückgezogenen Klage auch weiterhin draußen aus den Kreis-Fachausschüssen. Damit ist das Feld dort auch in Zukunft bereitet für herzhafte Debatten ohne stumpfe Polemik. Also: Feuer frei, Demokraten!