Kreis und quer:Wieder was dazugelernt

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In Unterhaching sind Ferien, wenn in Bayern Ferien sind. (Foto: Sebastian Gabriel)

Auf Fußballfeldern dürfen keine Bäume stehen, und die Dienstreise endet mit dem Tod: Wer denkt, dass in Deutschland schon alles geregelt ist, der wird in Unterhaching eines Besseren belehrt.

Kolumne von Iris Hilberth

In Bayern ist es nicht verboten, mit Blähungen einen Gottesdienst zu besuchen. Man würde sich damit zwar keine Freunde machen, aber anders als in St. Louis, Alabama, wird man fürs Furzen in der Kirche nicht bestraft. Hierzulande gilt auch das Tragen von zu lauten Schuhen auf der Straße nicht als zu ahndende Ruhestörung. Da kann man als Liebhaber von Holzclogs froh sein, nicht auf Capri zu leben, wo selbst Flip-Flops tabu sind. Vielleicht sollte man solche Dinge auch hier endlich regeln.

Das würde sich wunderbar einfügen in manch andere Vorschrift und Vorgabe in Gesetzen und Geschäftsordnungen, die man als Mitglied politischer Gremien vielleicht ganz normal findet, die für andere aber überraschend bis befremdlich klingen. So darf man zwar nackt Autofahren, aber nicht ohne Kleidung aussteigen. Ein Bienenschwarm gilt als herrenlos, wenn der Eigentümer ihn nicht unverzüglich verfolgt, und Gewürzsalze werden nach ihrer Art oder ihrem Verwendungszweck bezeichnet.

Man weiß nicht immer, was beim Formulieren der Regelungen in den Köpfen der Schöpfer vorgegangen ist, wenn sie beispielsweise angeordnet haben: "Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet." Dass ein Fußballfeld "grundsätzlich baumfrei" sein soll, ist hingegen eine vernünftige Festlegung, zu der man sich schon im Jahr 1896 durchrang. Nicht ganz so alt ist die Gestaltungssatzung der Stadt Bad Sooden-Allendorf, die vorschreibt, dass Sonnenmarkisen ausschließlich beige, pastell- oder sandfarbig sein sollen. Über eine solche Festlegung sollte man in Neubiberg schleunigst auch nachdenken. Dort experimentiert die Gemeinde gerade mit neuen Farbtönen für das alte Rathaus. Nicht etwa, damit das schöner wird, sondern damit es nicht so auffällt neben dem Neubau. In der engeren Auswahl sind abtörnendes Weiß oder unappetitliches Grau. Wenn das entschieden ist, sollte der Gemeinderat die Farbe ein für alle Mal in einer Satzung festschreiben, nicht dass doch wieder jemand auf die Idee kommt, es gelb zu streichen.

Auf eine ganz klare Regelung hat sich auch der Unterhachinger Gemeinderat nach 40 Jahren angestrengten Nachdenkens geeinigt: die Bestimmung der Ferienzeit. Denn ein Ferienausschuss, den es in der Gemeinde tatsächlich schon viele Jahrzehnte gibt, und der stets im Sommer zusammenkommt, kann als solcher nur tagen, wenn genau festgelegt ist, wann Ferien sind. Man staune über das Ergebnis: Sommerferien sind in Unterhaching, wenn in Bayern Sommerferien sind. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Sollten die in einem Jahr mehr als sechs Wochen betragen, dann gelten die letzten sechs Wochen. So genau muss man da schon sein. Schade, dass den Unterhachingern bei so viel Nachdenkzeit keine bessere Idee gekommen ist: In Lettland dauern die Ferien 13 Wochen, in Italien drei Monate. Auf Helgoland begnügt man sich mit nur fünf Wochen. Dort darf man allerdings auch nicht Autofahren - weder nackt noch mit Flip-Flops.

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