Kreis und quer:Phantompartei Linke

Bei ihrer Tour durch die Gemeinden erfährt die Bundestagsabgeordnete Eva Schreiber vermutlich mehr über den Landkreis als der Landkreis über sie

Kolumne von Martin Mühlfenzl

Das Gespenst des Kommunismus steht schon lange nirgends mehr vor der Tür. Zumindest solange, wie aus der PDS die Partei die Linke geworden ist. Auch Eva Schreiber würde sich selbst sicher kaum als Kommunistin bezeichnen. Ein Phantom ist die Münchner Sozialistin, die im Wahlkreis München-Land vor drei Jahren für die Linkspartei kandidierte und in den Bundestag gewählt wurde, aber allemal.

Eva wer? Diese Frage dürften sich im Landkreis so einige stellen. Zumindest die SPD-Bürgermeister Klaus Korneder aus Grasbrunn, Dietmar Gruchmann aus Garching und Christoph Böck aus Unterschleißheim sowie die beiden Schwarzen Stefan Straßmair aus Hohenbrunn und Markus Böck aus Oberschleißheim können diese Frage mittlerweile beantworten. Schließlich ist die Abgeordnete bei ihnen auf ihrer Tour durch den Landkreis bereits vorstellig geworden. Alle 29 Rathauschefs wolle sie in der Sommerpause besuchen und kennenlernen, lässt Eva Schreiber wissen. Wird auch Zeit, könnte mancher konstatieren. Die über die Liste in den Bundestag eingezogene Linke sitzt schließlich seit Herbst 2017 in Berlin.

Also für all jene, die weder Bürgermeister sind noch Eva Schreiber bisher über den Weg gelaufen sind, eine sehr kurze Vorstellung: Geboren 1958 im sehr katholischen Köln und selbst auch römisch-katholisch getauft, ausgebildete Masseurin und medizinische Bademeisterin, studierte Ethnologin und Religionswissenschaftlerin, zwischendurch Discobetreiberin, seit 2011 Mitglied bei der Linken und unter anderem Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft der Christen in der Partei. Köln wirkt offenbar nach.

Eva Schreiber hat den Sprung in den Bundestag für eine Partei geschafft, die im Landkreis München einen schweren Stand hat. Genau genommen ist sie ungefähr so präsent wie 1860 München in der Champions League. Der Kreisverband ist wie der Wurmfortsatz der gewichtigeren Parteifreunde in der Landeshauptstadt, von Unterschleißheim bis Aying gibt es keinen einzigen linken Stadt- oder Gemeinderat, in Katinka Burz sitzt nur eine einzige Linke seit Mai im Kreistag und die Abgeordnete Schreiber unterhält im Landkreis auch kein Büro. Dafür aber zwei Dependancen in Regensburg und Ingolstadt - dort ist sie als Vertretungsabgeordnete präsent.

Schon deshalb war es an der Zeit, dass die Linke, die sich in Berlin vor allem in den Themen Entwicklungspolitik, Flucht und Migration zu Wort meldet, auch mal durch den Landkreis tourt, in dem sie 2017 immerhin als Direktkandidatin antrat. In Oberschleißheim erfuhr sie, dass der Schlösser-Tourismus mehr Geld in die Kassen der klammen Kommunen spülen könnte. In Garching, weiß Schreiber nun, herrscht Ärztemangel, deshalb wird ein Ärztehaus benötigt. Und neu war für die Linke sicher auch, dass Hohenbrunn eine eigene Klimaschutzmanagerin hat. Gut möglich, dass die Abgeordnete bei ihrem Trip mehr über den Landkreis erfahren hat, als der Landkreis über sie.

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