An Pfingsten vor einem Jahr sind 8928 Radfahrer den Mühltalberg an der Isar heruntergefahren. Eine beachtliche Zahl, die die Gemeinde Straßlach-Dingharting diese Woche vor Gericht nannte, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Schussfahrt im Radsattel bisher verboten war. Wie man inzwischen weiß, hat diese Zahl den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof allerdings nicht besonders beeindruckt, auch die gemessene Höchstgeschwindigkeit von 57 Kilometern pro Stunde nicht. Denn die Richter in München haben im Mai 2024 - nach 31 Jahren - das Bergabverbot für Radfahrer einfach aufgehoben.
Seither steigert sich die Beliebtheit dieser Talfahrt ähnlich rasant wie das Tempo, das dort zu erzielen ist. Zwar hat der Mühltalberg - wie ein Nachmessen ergab - offiziell nur 14,8 Prozent Gefälle und keine 18, wie es auf dem Warnschild heißt, aber das bleibt aus Nostalgie erst einmal stehen. Denn es macht schon was her, wenn man bedenkt, dass der Mont Ventoux nur elf Prozent, die Großglockner-Hochalpenstraße im steilsten Stück zwölf und selbst der Passo dello Stelvio nicht mehr als 14 Prozent haben. Radrennfahrer wissen also, was sie am Straßlacher Berg haben. Wer wirklich 18 Prozent will, muss schon ins Kühtai.
Weil sich die Straßlacher aber seit jeher um die Gesundheit und Unversehrtheit der Rennradler sorgen, haben sie umgehend sämtliche Umbaumaßnahmen in Angriff genommen, die die Münchner Richter anstelle des Verbots vorgeschlagen haben. Künftig wird der Mühltalberg nicht mehr nur bekannt sein für seine Steilheit, sondern er wird eine ganz besondere Challenge bieten: Rüttelstreifen, Bodenwellen und als besonderes Highlight einen Abschnitt mit Kopfsteinpflaster. Damit läuft Straßlach dem Radrennklassiker Paris-Roubaix, der seit 1896 für seine Kopfsteinpflaster-Abschnitte und Massenstürze berühmt ist, den Rang ab.
Natürlich wird sich der Gemeinderat von Straßlach-Dingharting auch noch für einen Verkehrsspiegel, eine Ampel und gepolsterte Leitplanken aussprechen. Die Bäume am Straßenrand werden mit Schaumstoff ummantelt. Wird man doch zu schnell, kann man auf Notfallspuren ausweichen. Das alles muss jeder echte Radler mal erlebt und erfahren haben, auch wenn der weltbekannte Downhill dann nicht mehr kostenlos sein wird.
Im Sommer 2026 wird es daher nicht ungewöhnlich sein, dass am Tag bis zu 100 000 Radler auf der Mühltalstraße im Stau stehen, um einmal den populären Berg zu fahren. Solch erzwungene Warterei ist dem Rennradfahrer eigentlich zuwider, denn bremsen oder gar stehen bleiben, ist in seinem Sport nicht vorgesehen. Die meisten ziehen daher nervös im Minutentakt die Kompressions-Socken bis übers Knie, schieben einen Powerriegel nach und beklagen sich am Kassenhäuschen, dass die Maut mit 10,50 Euro schon wieder teurer geworden ist. Bergauf fahren kostet übrigens nur die Hälfte.

