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Kreis und Quer:Hoffnung im Kleinen

Obwohl der Schrecken der Pandemie auch den Landkreis erfasst hat, gibt es Grund zur Zuversicht: Die Krise hat die besten Seiten der Menschen aufgezeigt

Kolumne von Martin Mühlfenzl

Woody Allen kann ganz sicher nicht nachgesagt werden, zu den größten Optimisten seiner Zeit zu gehören. "Das Leben ist voller Elend, Einsamkeit und Leiden - und es ist viel zu früh vorbei", hat Allan Stewart Konigsberg, so sein eigentlicher Name, einmal verlauten lassen. Ein Satz, der auf erschütternde Art und Weise genau in das Jetzt zu passen scheint, eine kurze Beschreibung dessen, was viele Menschen in diesem Jahr auch im Landkreis München haben erleben müssen. Denn eine Pandemie macht auch keinen Bogen um einen Flecken Erde, der einem sonst wie die Insel der Glückseligen vorkommt. 143 Menschen sind bisher im Landkreis im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben, zu viele davon einsam.

Und doch gibt es Anlass zur Hoffnung, scheint Licht auf am zwar noch weit entfernten Ende des Tunnels. Der Impfstoff, der mittlerweile in den Alten- und Pflegeheimen von Unterschleißheim bis Grünwald von Ehrenamtlichen und Ärzten an die Schutzbedürftigsten dieser Gesellschaft verabreicht wird, ist Anlass zu großem Optimismus, obgleich es noch lange dauern wird, bis mit ihm das Coronavirus seinen gesamten Schrecken verlieren wird. Ein Schrecken, der auch im Landkreis von einigen laut angezweifelt wurde. Bei Demonstrationen etwa in Haar oder Unterschleißheim, wo "quer gedacht" wurde und Menschen wider besseren Wissens eine Gefahr herunterspielten, die den Zusammenhalt der Gesellschaft ins Wanken brachte. Dass diese kleine, vorlaute und aggressive Minderheit so viel Gehör fand, gehört zu den dunklen Kapiteln dieser Pandemie.

Denn genau betrachtet hat diese Krise die besten Seiten der Menschen zutage befördert - im Kleinen wie im Großen. Die Wirkung, die ein kleines Konzert der Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn vor dem Altenheim entfaltet, ist um ein Vielfaches größer als das Getöse der vermeintlichen Querdenker. Wenn Burschen und Deandl für ältere Menschen zum Einkaufen gehen, leisten sie einen zwar nur kleinen, aber wichtigen Dienst an der Gemeinschaft. Und wenn Laptops für bedürftige Schüler gesammelt werden, damit diese im Homeschooling nicht hinten runter fallen, zeigt dies, dass die Schwachen - auch die gibt es im so reichen Landkreis München - nicht alleine gelassen werden.

Diese Pandemie hat dennoch viel Leid, Elend und Einsamkeit gebracht, Existenzen aufs Spiel gesetzt oder sogar zerstört. Die Gastronomie leidet wie mittlerweile auch wieder der Einzelhandel, Menschen müssen in Kurzarbeit, Enkel dürfen ihre Großeltern nicht besuchen, auf den Intensivstationen sind fast alle Betten belegt - und Menschen sterben, einige viel zu früh. All das zeigt, dass die Krise noch nicht vorbei ist. "Das Leben ist chaotisch", hat der Komiker und Zyniker Woody Allen gesagt. Auf die Gegenwart trifft das zu. Und dennoch darf und wird der oscarprämierte Filmemacher nicht Recht behalten, denn das Leben ist vor allem eines: Es ist schön.

© SZ vom 31.12.2020
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