In den Schaufenstern hängen ein paar Luftschlangen, unter der Glastheke liegen allerlei Krapfen und anderes süßes Gebäck, in den Körben an der Wand Brote und Semmeln. Die Filiale der Bäckerei Fiegert an der Mozartstraße in Ottobrunn präsentiert sich ohne großen Firlefanz, wie auch das Firmenlogo, ein dunkelrosa umrandeter Fiegert-Schriftzug auf blau-grünem Dreieck. Wer aber hier schon eingekauft hat, weiß: Hier gibt es Backwaren, die besonders gut schmecken und den Eindruck hinterlassen, etwas Hochwertiges gegessen zu haben. "Uns ist die Qualität sehr wichtig", sagt Werner Fiegert, einer der Geschäftsführer. Und das aus Tradition, genauer gesagt Familientradition.
Werner Fiegerts Großvater Josef war es, der 1948 mit seiner Frau die Bäckerei gründete. An der Mozartstraße entstanden das Stammhaus und eine Produktionsstätte, die es beide heute noch gibt. Das Geschäft lief so gut, dass seit Anfang der Siebzigerjahre einige Filialen, eine weitere Produktionsstätte in Höhenkirchen und die Konditorei dazukamen. 1981 übergab der Gründer die Firma Werner Fiegerts Vater Wolfgang Josef und dessen drei Brüdern. Sie wandelten den Betrieb in eine GmbH um. Mittlerweile hat bereits die dritte Generation der Familie die Bäckerei übernommen. Werner Fiegert, zwei seiner Brüder und der Cousin leiten nun das Unternehmen als Geschäftsführer. Heute betreibt die Familie zwölf Filialen, darunter in Ottobrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Neubiberg.
Wie bei einem gut funktionierenden Familienbetrieb üblich, bringt sich jeder ein. Werner, der selbst Bäckermeister ist, ist meist nur noch in der Verwaltung tätig. Sein Cousin kümmert sich um den Einkauf. Fiegerts Frau Angelika ist Konditormeisterin und gerade in Elternzeit mit dem vierten Kind. "Ich helfe da, wo es brennt", sagt sie. Auch der eigene Nachwuchs macht schon mit. "Im Qualitätsmanagement", sagt sie und schmunzelt. Soll heißen: Die Kinder probieren, ob Krapfen oder Semmeln schmecken und geben ihr Urteil ab. Das Backen selbst übernehmen die derzeit fünf Bäckergesellen und weitere Mitarbeiter. Sie stehen von halb ein Uhr in der Nacht bis vormittags um elf in den Produktionsstätten, mischen den Teig und formen Brot und Semmeln.
Beim Sortiment haben die Kunden eine große Auswahl. 25 Brotsorten, 20 Arten von Semmeln, Torten und anderes Gebäck. "Unser Hauptgeschäft ist das Brot", sagt Werner Fiegert. Wer es deftig möge wie er, dem schmecke das Bauernbrot. Seinen Kindern sage besonders das helle Dinkel-Kastenbrot zu. Seit mehr als 40 Jahren führt die Firma auch Bio-Vollkornprodukte. "Da war mein Onkel Paul sehr dahinter", erzählt Werner Fiegert. Der Betrieb entwickelt sich dauernd weiter. "Es ist ein ständiger Kampf beispielsweise wegen neuer Vorschriften, aber es macht Spaß", sagt Fiegert. So könne er mit all seinen Familienmitgliedern offene Gespräche führen, was bei so vielen keine Selbstverständlichkeit sei. Freilich stellt sich der Betrieb auch immer wieder auf veränderte Kundenwünsche ein. Viele Kunden seien ernährungsbewusster geworden, sagt Angelika Fiegert. Als vor einer Weile Chia-Samen hoch im Kurs waren, verarbeitete die Bäckerei die ballaststoffreichen Kügelchen in manche Produkte. "Die Samen fanden wir auch interessant", sagt Angelika Fiegert. Das heißt aber nicht, dass der Familienbetrieb jeder Ernährungsmode hinterherrennt. "Wir machen nicht jeden Trend mit", sagt Werner Fiegert.
Dazu passt es, dass sich in den Krapfen der Fiegerts weder besonders ausgefallene Füllungen finden - Stichwort Leberkäs-Krapfen - noch oben drauf eine allzu aufwendige Verzierung. "Bei uns soll die Ware und die Qualität für sich sprechen und nicht ein Dekor", sagt Werner Fiegert. Weil die Krapfen sehr beliebt sind, verkauft die Familie die Sorten mit Aprikosen- und Mehrfruchtmarmelade auch das ganze Jahr über. In der Faschingszeit finden sich noch einige andere Geschmacksrichtungen wie Germknödel, Nougat und Eierlikör unter der Glastheke, momentan 14 Sorten.
Bis zu 8000 Krapfen stellt die Firma an einem normalen Faschingsdienstag her. "Dieses Jahr kann man von den Mengen her schwer planen, man weiß nicht, ob die Leute lieber zuhause bleiben oder ob eher viele ihre Krapfen kaufen wollen", sagt Fiegert. Sicher ist: In den Produktionsstätten wird in den nächsten Tagen auf Hochtouren gearbeitet.
Der Germknödel mit Vanillesauce
Wie sieht er aus?
Puderzucker und Mohn schmücken ihn oben. Die schwarzen Kügelchen, die typisch für Germknödel sind, lassen einen erahnen, was innen kommt.

Wie schmeckt er?
Das sämige, nicht ganz so süße Pflaumenmus gibt dem Krapfen eine fruchtige Note. Es übertrumpft die Vanillecreme, die an die Soße beim Germknödel angelehnt ist, man schmeckt sie aber dennoch heraus.
Welche Konsistenz hat er?
Die Füllung nimmt viel Platz ein. Dadurch ist er besonders saftig und weich.
Zu wem passt er?
Zu allen, die im Moment die Germknödel auf der Skihütte vermissen.
Braucht es den?
Ja, er ist eine fruchtig-süße Bereicherung in der Welt der Krapfen.
Der Klassiker mit Hagebutte
Wie sieht er aus?
Rein optisch könnte er Fußballfans ansprechen. Der Puderzucker auf der Oberseite bildet die typischen Sechsecke wie auf dem runden Leder.

Wie schmeckt er?
Die angenehme Süße des gebackenen Teigs mischt sich mit reichlich sämiger, süß- säuerlicher Marmelade.
Welche Konsistenz hat er?
Die Oberseite ist knusprig, der Teig ist locker und die Marmelade dickflüssig wie Pflaumenmus.
Zu wem passt er?
Zu allen, die sich gern an die Faschingsfeste ihrer Kindheit erinnern, auf denen es die Hagebutten-Krapfen auch gab.
Braucht es den?
Unbedingt! Wer will, kann auch erst die Marmelade ausschlecken und dann den Krapfen essen.
Der Süße mit Schokocreme
Wie sieht er aus?
Die Zartbitter-Flocken auf der Oberseite stimmen auf ein schokoladiges Erlebnis ein. Man sieht ihm an, dass er wie die anderen Krapfen handgemacht ist.

Wie schmeckt er?
Wie man es sich bei einer Füllung mit Schokocreme wünscht, ist sie ziemlich süß. Eine nussige Nuance bemerkt man auch. Der Teig rundherum ist leicht und schmeckt nur sehr zart nach Backfett.
Welche Konsistenz hat er?
Nicht zu hart und nicht zu weich. Die Füllung nimmt einen großen Teil des Gebäcks ein.
Zu wem passt er?
Zu Schokoladenpudding-Fans und Schleckermäulern allgemein.
Braucht es den?
Ja. Nur, an den Nougatkrapfen kommt er nicht heran.
Der Üppige mit Nougatcreme
Wie sieht er aus?
Die weiß-braunen Schokoraspeln auf der nussbraunen Nougatglasur sind ein optischer Gag.

Wie schmeckt er?
Wer Nutella mag, hat hiermit den Hauptgewinn. Die Füllung ist reichhaltig, süß und nussig.
Welche Konsistenz hat er?
Die Füllung ist recht flüssig. Daher sollte man unbedingt den Tipp fürs Krapfen-Essen einhalten, immer an der Einspritzstelle zuerst abzubeißen. Sonst läuft die Creme an anderer Stelle heraus
Zu wem passt er?
Zu denen, die die Nutella gern ganz dick auf ihr Brot streichen
Braucht es den?
Den Krapfen absolut. Nur die Schokoraspeln sind bei der üppigen Füllung schon fast zu viel des Guten.
Der Dezente mit Vanillecreme
Wie sieht er aus?
Eine dezente Puderzuckerschicht bedeckt in breiten Streifen die Oberfläche. Wer innen Konfitüre erwartet, wird überrascht.

Wie schmeckt er?
Beim Hineinbeißen erwischt man auf jeden Fall etwas von der leichten, nicht zu süßen Creme, bei der man die Vanille auch herausschmeckt.
Welche Konsistenz hat er?
Die schöne Kruste und die weiche Creme bilden einen guten Kontrast
Zu wem passt er?
Zu allen, für die auf dem Weg nach Italien im ersten Autogrill ein Espresso und Bomboloni, also kleine Vanillekrapfen, dazugehören
Braucht es den?
Si. Für Bomboloni-Fans könnte der Vanillegeschmack sogar noch stärker sein.
Der Fruchtige mit Vanille-Himbeer
Wie sieht er aus?
Die rosa Zuckerperlen auf weißer Schokoglasur machen ihn farblich interessant.

Wie schmeckt er?
Die Füllung aus Vanillecreme und darin Himbeermarmelade ist cremig und fruchtig. Die Perlen sind dem einen das Tüpfelchen auf dem i, dem anderen zu viel.
Welche Konsistenz hat er?
Er ist weich und saftig. Weil er so fluffig ist, blättert die Glasur leicht ab. Am besten eine Serviette unterlegen, damit nichts davon verloren geht.
Zu wem passt er?
Zu allen, die im Fasching gern im rosa Prinzessinnenkleid gehen
Braucht es den?
Ja. Die Kombination aus Creme und säuerlicher Frucht ist der Knaller!
