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Konzertkritik:Finnische Tänze

Nicht nur reich an Klangfarben, sondern auch im Outfit bunter als andere Streichquartette: die Mitglieder von Meta4.

(Foto: Claus Schunk)

Mit Agilität und in kontrastreicher Manier spielt das renommierte Streichquartett "Meta4" aus dem hohen Norden Europas in Pullach auf

Das Quartett Meta4 ist seit kurzem quasi volljährig. 2001 gegründet, also vor 18 Jahren, spielen die vier Finnen seit 2006 in der aktuellen Konstellation zusammen - und das sehr erfolgreich. Mehrere hochkarätige Preise haben Antti Tikkanen, Minna Pensola (beide Violine), Atte Kilpeläinen, Viola, und Tomas Djupsjöbacka, Violoncello, erhalten, darunter den Echo Klassik für ihre Aufnahme von Joseph Haydns Streichquartetten Nr. 1 bis 3.

Wer nun zuerst an den Unterschied denkt, der sich zwischen dem Wien der klassischen Periode im 18. Jahrhundert und den rauen Landschaften im kalten Norden Finnlands vor dem geistigen Auge auftut, kann zumindest eine kulturelle Verbindung mit einem kleinen Trick schnell wieder herstellen. Hat doch der Wiener Haydn zeitweise im Dienst des ungarischen Adelshauses Erdődy gestanden und das erste Stück, das Meta4 an diesem Abend in Pullach spielen, ist ebendieser Familie gewidmet, das "Kaiserquartett". Wer sich nun in Erinnerung ruft, dass die finno-ugrischen Sprachgruppe eine ursprüngliche Verwandtschaft zwischen Ungarisch und Finnisch belegt, hat den Bogen bereits geschlagen und die tief in der Vergangenheit verwurzelte Gemeinschaft der europäischen Völker einmal mehr entdeckt.

Die Sprache des Streichquartetts an diesem Abend ist aber natürlich die Musik und die sprechen die vier Virtuosen aus dem hohen Norden flüssig und mit ganz eigenen Zungenschlag. Angefangen beim "Kaiserquartett" op. 76, zu dessen Melodie die heutige Nationalhymne gesungen wird. Bereits hier spielt das Quartett einen temporeichen ersten Satz mit Verve und einem Schwung, wie man ihn aus ungarischen Tänzen kennt. Der zweite Satz gerät dann umso sensibler, die stolze Hymne erscheint mehr als Duett der Violinen zwischen Antti Tikkanen und Minna Pensola, die vier Variationen des hymnischen Motivs spielen sie mit elegischer Färbung, fast versonnen auf ihre Art. Im dritten und vierten Satz dann setzt das Quartett auf gezieltes Pathos, mit stark intonierten Forte-Stellen und agiler Bewegung. Die Bögen der Instrumente stoßen scheinbar synchron in die Luft und gleiten wieder auf die Saiten hinab, Pensola wirft auch mal einen düsteren Blick auf das Notenblatt, während sie ein, zwei Töne scharf anschneidet und sich einen intensiven Wettstreit mit Tikkanen liefert. Dabei bilden die beiden indes das Echo des jeweils anderen und weniger den Widerpart. Mit einem minutiös getakteten Ende geht das mit warmen Timbre gespielte Werk zu Ende.

Mit dem zweiten Stück des Abends, Johannes Brahms' B-Dur-Quartett, tritt dann das charaktervolle Spiel des "Meta4"-Quartetts stärker zu Tage. Ein spannender Kontrast zwischen hochromantisch pulsierendem Spiel und minimalistischem Duktus entwickelt sich, gedämpfte Töne neben expressiver Geste. Tikkanens Violine erklingt im ersten Satz mit der Natürlichkeit eines Singvogels, im zweiten zeitigt das homogene Zusammenspiel der vier Musiker durchaus opulente Klangeffekte. Diese werden aber sorgsam eingebettet und schlüssig überführt in ein gefühlvolles Violin-Vibrato am Satzende. Die heiteren Ausbrüche im dritten Satz bleiben schließlich eher gedämpft.

Mit Beethovens Streichquartett Nr. 12 setzen die vier selbstbewussten Finnen den programmatischen Abschluss des Abends. Nach zurückhaltendem Beginn arbeiten sie die reizvolle Kontur besonders des zweiten Satzes stimmig aus. Die erste Violine ragt mal scharf hervor, bis sie ein anderes Mal flüsternd hinter das Ensemble zurückfällt. Das Quartett bleibt im Tempo immer souverän, auch das Scherzo mit dem seltsam abgebrochenen da capo wird sauber gespielt. Im letzten Satz entfalten die Musiker ihr Können so ausdrucksstark wie differenziert, mit Neigung zu einer flächigen Spielweise und gut austariertem Ende. Die Verschränkung des ekstatischen Moments mit einem bereits jenseitig-abdunkelnden Glanz, wie er im 15. Quartett Beethovens noch stärker in Erscheinung tritt, komplettiert den reichen Fundus des Quartetts an spielerischen Möglichkeiten.

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